Druckschrift 
Pribyl's Geflügelzucht : unter besonderer Berücksichtigung der Eier- und Fleischerzeugung / Leo E. Pribyl
Entstehung
Seite
204
Einzelbild herunterladen

204 Fünfter Abſchnitt. Geſundheitspflege, Krankheiten.

zu empfehlen. Das Übermaß in der Befriedigung des Geſchlechtstriebes bringt eine Zerrüttung des Nervenſyſtems mit ſich, die häufig in epilep⸗ tiſchen Krämpfen ſich äußert und kaum zu heilen iſt; damit befallene Individuen ſind zur Fortzucht untauglich. Auch bei den Weibchen er⸗ zeugen dieſe fortwährenden Beunruhigungen Geſundheitsſtörungen, die ſich in ſichtlichem Abmagern, Unluſt zur Nahrung ꝛc. äußern. Die Krankheiten und Fehler der Weibchen ſind beſſer bekannt, da ſie einen wichtigen Zweig der Geflügelnutzung, das Eierlegen, betreffen. So iſt von beſonders ſchädlichem Einfluſſe auf die ganze Körperkonſtitution das Frühzeitiglegen oder Abortion; gewöhnlich infolge plötzlichen Erſchreckens verliert das Tier ein noch nicht völlig ausgebildetes Ei, worauf dann ein mehrtägiges Unwohlſein folgt. Spärlich gegebenes Weichfutter, Abſonderung und Ruhe, nebenbei ein weiches Neſt zur Nachtruhe, beſeitigen bald die Folgen.

Ofter findet der Geflügelhalter zu ſeiner geringen Freude ſchalen⸗ loſe Eier im Neſte, die dann leicht zerdrückt oder auch von den Näſchern der geflügelten Welt mit größtem Vergnügen verzehrt werden. Die Urſachen können in allzu reichlicher Fettbildung als Folge von Überfütterung oder in Störungen liegen, die teils durch Überreiz, teils durch Krankheiten oder organiſche Fehler des Eierſtockes, Eileiters ꝛc. hervorgerufen werden oder ſchließlich in dem Mangel an kalkhaltigen Stoffen ihren Grund haben, die in der Nahrung zugeführt werden müſſen, um die Kalkumhüllung des Eies aufbauen zu können. Nach den Krankheitsurſachen richten ſich die Gegenmittel. Tritt jedoch noch eine Steigerung dieſes krankhaften Zuſtandes ein, nämlich das Flöſſen der Eier, wo ſogar die äußere Umhüllungshaut fehlt oder wo der Dotter allein austropft, ſo muß ärztliche Behandlung eintreten, um das Eierlegen, wenn möglich, ganz zu hindern. Wright empfiehlt für dieſe Fälle vierſtündlich eine Pille aus 0,06 g Kalomel, 0,005 g Brechweinſtein und 0,015 g Opium, daneben weiches Futter in kleinen Portionen, wie gekochte Kartoffeln, und außerdem wären noch Gaben von feingepulvertem Knochenmehl am Platze. Oettel empfiehlt das nach ſeinem eigenen Urteil durch nichts begründete Mittel,„die Hennen einigemal bei den Füßen hin und her zu ſchwenken“; wie es zugeht, weiß er nicht, allein in mehreren Fällen ſoll dies erwieſenen Erfolg gehabt haben().

Bei dem entgegengeſetzten Falle, der Schwergeburt, oder dem Zurückhalten der Eier leiden die Tiere augenſcheinlich mehr, als bei dem obenerwähnten. Die Schwergeburt kommt nicht nur bei un⸗ gewöhnlich großen, ſondern auch bei normalen, ſelbſt ſchalenloſen Eiern vor. Die Tiere gehen unruhig, traurig und mit ſichtlichen Zeichen von Schmerzen umher, verſuchen mehrmals ſich der Bürde zu entledigen, bleiben längere Zeit auf dem Neſte ſitzen, bis endlich das Ei gelegt iſt. Gaben von Ricinusöl oder eine Hand voll Kreuzkraut helfen im Durch⸗ ſchnitte in kurzer Zeit. Manchmal kann auch durch Einſpritzen von Olivenöl— indem man eine kleine Spritze mit weicher, beweglicher