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Pribyl's Geflügelzucht : unter besonderer Berücksichtigung der Eier- und Fleischerzeugung / Leo E. Pribyl
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Fünfter Abſchnitt. Geſundheitspflege, Krankheiten. 203

haften, eiterigen Ausſcheidungen das Tier häufig durch Erſtickung töten; auch die anderen Schleimhäute ſind dieſer Entzündung ausgeſetzt. Waſchungen mit Chlorin⸗Sodalöſung(4 Teile Waſſer auf 1 Teil Chlorin⸗Soda) und Beſtreichen der angegriffenen Teile mit reiner Chlorin⸗Soda, dreimal des Tages angewendet, ebenſo mit Löſungen von übermanganſaurem Kali, Gaben von Schwefelblumen unter das Futter, ſowie Anwendung von Fluid carbolate helfen dagegen; beſonders letzteres iſt durch ſeine desinfizierenden und heilenden Eigenſchaften bei allen krankhaften Abſonderungen von beſter Wirkung.

Geſchwüre und Abſceſſe treten an allen Teilen des Körpers beim Geflügel auf. Unreinlichkeit, ungeſunde Nahrung, oft auch äußere Verl etzungen ſind die Urſachen, welche dieſe Krankheitsformen veran⸗ laſſen. Die Hauptſorge geht dahin, durch rechtzeitiges Eingreifen einer Verhärtung vorzubeugen. Wright führt unter anderen zwei Arten von Abſceſſen auf, die ſich hauptſächlich bei den Dorkings zeigen, und die er unter dem Namen Bumble foot zuſammenfaßt, und die vor⸗ züglich an der Fußſohle vorkommen. In vielen Fällen picken ſich die Hühner ſolche Geſchwüre ſelbſt auf, in anderen muß durch einen kräftigen Schnitt der Eiterſtock freigelegt, der Eiter durch Drücken entfernt, die Wunde mit lauem Waſſer gereinigt und antiſeptiſch behandelt, der baldigen Heilung überlaſſen bleiben. Von guter Wirkung iſt auch das Betupfen mit Lapis(ſalpeterſaurerem Silberoxyd).

5. Krankheiten der Genital⸗Organe treten meiſt bei den Weibchen infolge des Legeprozeſſes ein, während die Männchen mehr verſchont bleiben oder die diesbezüglichen Beobachtungen fehlen. Doch ſind auch hier einige Krankheitserſcheinungen bekannt, die meiſt durch ſexuelle Ausſchreitungen hervorgerufen werden. Selbſt Übel gefähr⸗ lichſter Art glaubte man irrtümlich in früherer Zeit gefunden zu haben, indem z. B. ein Hofdekret aus der Zeit Kaiſer Joſef II. zu Ende des vorigen Jahrhunderts den Verkauf von Tauben nur mit großer Be⸗ ſchränkung deſiattete weil viele dieſer Tiere von Syphilis befallen wären und ſo natürlich durch den Genuß den Menſchen ſchaden müßten(!. Der Geſchlechtstrieb iſt beim Geflügel ſehr ſtark entwickelt, ſo daß die Verhinderung der Befriedigung desſelben oft üble Folgen nach ſich zieht. Frühzeitig ſollen die Geſchlechter getrennt werden, um ein zu frühes Erwachen des Geſchlechtstriebes zu hindern. Nur zu leicht wird bei Nichtbefolgung dieſer Vorſchrift ein Schwächen beider Teile hervor⸗ gerufen, das dann in kümmerlichen Nachkommen ſeine traurigen Wirkungen äußert. Die Begierde mancher Männchen geht oft ſo weit, auch ganz verſchiedene Arten des Geflügels, wie Schwimmvögel und umgekehrt, zur Befriedigung ihrer Gelüſte zu gebrauchen. So beobachtete man dei vielen Hähnen einen krankhaften Zuſtand, Geil⸗ oder Liebes⸗ fieber, der aus der Nichtbefriedigung oder allzu reichlicher Befriedigung entſteht. Die Gegenmittel bieten die angeführten Urſachen von ſelbſt dar; dazu iſt noch eine ſtrengere Diät, nebſt leichten, auflöſenden Futterſtoffen, wie Grünes ꝛc., Waſchungen des Afters mit Weineſſig ꝛc.