202 Fünfter Abſchnitt. Geſundheitspflege, Krankheiten.
eine Anderung der Nahrung, reichliche Grünfütterung, kurz Abſtellung der Übelſtände. Daneben werden erweichende Salben, Fetteinreibungen an der verhärteten Drüſe angewendet, die in Eiterung übergeht und, wenn ſchließlich ausgereift, durch ſanfte Auspreſſung vom Inhalte be⸗ freit, und mit Fetteinreibungen, die mit Antiſeptika vermiſcht ſind(z. B. Jodoform, Borſäurelöſung ec.), bis zur Heilung behandelt wird. Wegener empfiehlt auch die Anwendung von Kollodium, indem der harte Drüſenkörper mehrmal des Tages mit dieſer Flüſſigkeit über⸗ ſtrichen wird, was das ſchnelle Reifen der Entzündung bewirken ſoll. Es bleibt regelmäßig eine Schwäche oder Neigung zur Wiederkehr dieſes Übels, beſonders nach der Mauſer zurück, ſo daß es jedenfalls am beſten iſt, einen ſolchen Patienten zu mäſten und zu ſchlachten.
4. Ausſchlagartige Krankheiten. Eine der gefährlichſten derſelben ſind die Blattern und Pocken. Es ſind dies kleine Ge⸗ ſchwüre in der Größe einer Erbſe unter den Flügeln, am Bauche und an der inneren Seite der Schenkel, ähnlich der gefürchteten Krankheit, welcher bei den Menſchen alljährlich trotz der Impfung ſo viele zum Opfer fallen. Die Krankheit iſt anſteckend und entſteht nach Wegener durch zu ſtarke Fütterung mit hitzigen Sämereien in der heißen Jahres⸗ zeit. Ohne Zweifel ſind auch hier die mikroſkopiſchen Schmarotzer die Träger des Krankheitsſtoffes. Strenge Diät, reichliches Grünfutter, kühle, aber trockene Stallräume, ſtets friſches Waſſer ſind in den meiſten Fällen als Vorbeuge zu empfehlen.
Weißer, ſchwarzer Kamm, Schwarzfäule ſind Krankheiten, die, wie der Name andeutet, zumeiſt den Kamm ergreifen und bis jetzt am häufigſten bei den Kochinchinas, letztere auch bei den Spaniern beobachtet wurden. Der weiße Kamm ſſt ein weißlicher, ſchorfiger Ausſchlag, der den ganzen Kamm wie mit weißem Staub überzieht und ſich über den Hals herab verbreitet, infolgedeſſen dann die Federn ausfallen. Oft genügt ein Beſtreichen mit Olivenöl, um dieſen Aus⸗ ſchlag zu vertreiben, öfter aber muß Schwefel⸗ oder Curcumaſalbe(eine Unze Kokusnußöl, ½¼ Unze gepulverte Gelbwurz) angewendet werden. Löſungen von übermanganſaurem Kali dürften gleichfalls von Wirkung ſein. Die Urſachen ſind niedere Organismen, Pilze(vergl. Zürn., 1. c.). Die bis jetzt nur in England an den Kämmen der Spanierhühner beob⸗ achtete Schwarzfäule oder ſchwarzer Kamm beginnt mit dem Schwarz⸗ werden des Kammes, dem dann ein Anſchwellen der Füße, gänzliche Abmagerung und baldiger Tod folgt. Nur im Beginne iſt Heilung möglich, die durch Kalomel, Ricinusöl, Futterwechſel, ſowie durch thoniſche Beigaben znu kräftigem Futter angeſtrebt wird.
Der Krebs iſt eine Krankheitsform, die im Beginne viele Ähn⸗ lichkeit mit der Augenkrankheit und Rup hat, nur ſind anfangs die Naſenlöcher von dem wäſſerigen, übelriechenden Ausfluſſe verſchont. Hauptſächlich iſt der Kopf der Sitz dieſes Übels, das ſich dann längs der Kehle in vielen Geſchwüren äußert, den hinteren Teil der Zunge bedeckt und ſchließlich den Kehlkopf und Kehlſpalt ergreift, wo die krank—


