200 Fünfter Abſchnitt. Geſundheitspflege, Krankheiten.
bisherigen Beobachtungen nicht übereinſtimmend. Meiſtens tritt nach Wright's Beſchreibung ein heftiger Durſt in Verbindung mit Durch⸗ fall ein; die Exkremente ſind zuerſt grünlich, werden dann dünnflüſſig und weißlich, wie die bekannten„Reiswaſſerexkremente“ cholerakranker Menſchen. Das Tier wird zuſehends ſchwächer, fällt um, oft in der Nähe des Trinkwaſſers, manchmal treten heftige Krämpfe und Zuckungen ein, und bald endet der Tod die ſichtlichen Schmerzen. Nach Wegener'’s Erfahrungen zeigt ſich die Haut in den Aftergegenden ſtark gerötet mit ſchwärzlichen Flecken; er meint, die Krankheit habe einen milzbrand⸗ artigen Charakter. Nach Oettel iſt der Kropf mit Waſſer und einigen unverdauten Körnern angeſchwellt, ſo daß, wenn das Tier bei den Füßen in die Höhe gehalten wird, ſich aus dem nach unten gerichteten Kropfe eine ſtark übelriechende Flüſſigkeit entleert. Letzterer wendete Nux vomica in dritter Verdünnung mit Erfolg in den erſten Stadien an. Der Erfolg iſt aber meiſt ſehr problematiſch, da der ganze Verlauf der Krankheit bis zum Tode nur wenige Stunden währt. Wright empfiehlt mit Recht mehr prophylaktiſche Mittel, wie reichlichen Schatten und Schutz vor den ſengenden Sonnenſtrahlen, ſtets friſches, kühles Trinkwaſſer und reichliche Gaben gehackten friſchen Grüns; zu je einem Liter Trinkwaſſer werden 4 bis 6 Tropfen Salicyllöſung hinzugefügt. Daß bei einer ſo anſteckenden Krankheit eine ſtrenge Abſonderung der kranken und verdächtigen Individuen ſofort eintreten muß, iſt ſelbſtver⸗ ſtändlich. Am beſten iſt es, erkrankte Vögel zu töten und ihre Körper unſchädlich zu machen, wie es Seite 194 angegeben worden iſt.
Als Folge vieler Krankheiten tritt eine völlige Erſchöpfung des tieriſchen Körpers ein, die oft in ein völliges Schwinden der Kräfte übergeht und mit dem Namen Abzehrung bezeichnet wird. Dagegen giebt es meiſt kein Mittel. Die Tiere magern entſetzlich ab, verlieren ſchließlich ihre große Freßluſt und gehen drauf. Am beſten iſt jedenfalls, die Leiden eines von dieſer Krankheit befallenen Tieres durch Schlachten zu verkürzen. In weniger ausgeſprochenen Fällen, oft infolge einer Über⸗ reizung des Nervenſyſtems durch Schrecken, längere und häufige Aus⸗ ſtellungen oder ſchlechter Haltung, wo Kälte, Näſſe und ungenügende verdorbene Nahrung zuſammenwirkeu, oder endlich bei einer ſchwachen Konſtitution von Hauſe aus, tritt eine allgemeine Erſchlaffung und Schwäche ein, die ſich durch Mangel an AÄppetit, Abmagerung, im traurigen Benehmen ꝛc. äußert und die unter dem Namen Schwäche bekannt iſt. Behebung der angeführten Mängel, reichliche Fütterung, bei hochgradigeren Stadien Einflößen von 3 bis 4 friſchen Eiern durch mehrere Tage, Chinineiſen⸗Gaben, ſowie eiſenhaltiges Trinkwaſſer bringen in den meiſten Fällen Beſſerung, allein die völlige Herſtellung iſt lang⸗ wierig und koſtſpielig.
Entgegengeſetzt den bisher beſprochenen Krankheiten iſt eine Form des Unwohlſeins, die man unter dem Namen Verſtopfung be⸗ greift. Erhitzende Nährſtoffe, wie Hanfſamen, Roggen ꝛc., im Über⸗ maße, beſonders bei heißer Witterung gereicht, bringen dieſe Störung


