Fünfter Abſchnitt. Geſundheitspflege, Krankheiten. 199
Magen, Leber, das ganze Verdauungsſyſtem geraten in eine krankhafte Affektion, die Freßluſt ſchwindet, die Sekretionen werden unregelmäßig, ſehr gering und von krankh aftem Aus zſeh en. Etwas Rhabarber jeden Tag Vaferung Bei Vernachläfſigung ſteigern ſich die früher erwähnten Krankheitsſymptome; Kopf und Kamm erſcheinen kränklich gelblich, die Leber iſt ſtark ausgedehnt und affiziert. Vornehmlich tritt dieſe Krank⸗ heit bei jungen Tieren auf; Wright bezeichnet ſie beſonders als Folge der Ernährung mit nicht ſtets friſch bereitetem Eierkäſe. Wird nicht bald geholfen, ſo gehen die Kranken in den meiſten Fällen zu Grunde.
Die gewöhnlichſte Folge fehlerhafter oder allzu reichlicher Er⸗ nährung mit Fleiſch und Maden, der Verfütterung ganz friſch geernteter Körnerarten bei den Tauben, der Gilältungen oder des plötzlichen Witterungswechſels iſt der Durchfall oder Diarrhöe. Die Tiere ſcheiden in großer Menge flüſſige, übelriechende Stoffe aus, manchmal tritt überdies eine wäſſerige Subſtanz aus dem Schnabel. Im Anfange der Krankheit genügt als Gegenmittel gekochter Reis mit Kreide oder Magneſia beſtreut. Geröſteter Hafer, Gerſte und kleingeſchnittenes Grün wirken ebenfalls heilend; in akuteren Fällen helfen 0,03 g Opium mit je 0,3 g Kreide und Rhabarber und 0,18 g Cayenne⸗ pfeffer zu Pillen angemacht. Ebenſo gilt als Präſervativmittel feines Knochenmehl unter das Futter gemengt. Das Trinkwaſſer mit Eiſen verſetzt, hilft raſch, eine günſtige Blutmiſchung herbeizuführen. Wegener empfiehlt die Verabreichung von Wacholder⸗ und Ebereſchenbeeren.
Heftiger auftretender Durchfall ſteigert ſich öfters zur Ruhr oder Dyſenterie; hier erſcheinen die Exkremente mit Blut untermiſcht, wo dann nur ſelten Heilung möglich iſt, namentlich wenn dieſe Krankheitsform epidemiſch auftritt. Weißer Pfeffer, geſtoßen mit Butter vermengt und eingegeben, wirkt belebend auf die Verdauungs-Organe. Nux vomica nach Oettel dürft e nicht immer die gewünſchte Wirkung haben, wenn nicht gleich bei Beginn der Krankheitsſymptome dagegen einge⸗ ſchritten wird. Der Tod tritt meiſt ſehr ſchnell ein.
Eine ähnliche, aber weniger bekannte Form iſt die ſogenannte Hühner⸗Cholera oder Geflügel-Peſt. Die Urſachen dieſer furchtbaren Krankheit ſind trotz der eingehenden Unterſuchungen Paſteur’s noch nicht genau erforſcht. Die Erzeuger diſer Krankheit ſind wohl unzweifelhaft mikroſkopiſche Gebilde, Spaltpilze; allein darüber, warum ſelbige plötzlich ſo zahlreich auftreten, iſt noch ebenſo⸗ wenig Gewißheit vorhanden, wie über die etwa anzuwendenden Gegen⸗ mittel, da für letztere der ungemein ſchnelle Verlauf der Krankheit nur ſelten genügend Zeit läßt. Ob ſchädliche Miasmen der Luft, ob große Sonnenhitze ohne wirkſamen Schatten und das Warmwerden des Trinkwaſſers, oder ob ſchlechte Nahrung überhaupt die aus— ſchließlichen Urſachen dieſer Seuche ſind, oder ob mehrere, vielleicht noch unbekannte Einflüſſe einwirken, läßt ſich nach den bisherigen Erfahrungen nicht beſtimmen. Auch die Symptome ſind nach den


