Einfluß der Gewitter auf die in der Bebrütung befindlichen Eier. 31.
während die in den verſchiedenen Brütapparaten bebrüteten Eier un⸗ verändert rein bleiben. Die Urſache dieſer Erſcheinung liegt wahr⸗ ſcheinlich in der öligen Ausſcheidung der Federn, welche dieſen fettigen Glanz hervorbringt.
Zu den irrigen Meinungen gehört die oft geäußerte Anſicht, daß künſtlich ausgebrütetes Geflügel unfruchtbar ſei und ſich nicht fort— pflanze; die hunderttauſendfache Erfahrung des Gegenteils, der glück⸗ lichen Zuchten, die allenthalben von künſtlich bebrüteten Eiern erzielt wurden, macht einen Beweis der Unhaltbarkeit dieſer Anſicht überflüſſig.
C. Einfluß der Gewitter auf die in der Bebrütung befindlichen Eier.
In der Zeitſchrift„Die Geflügel⸗Börſe“ 1893 fand ſich in der Abteilung„Kleine Mitteilungen“ folgender Bericht:„Vor ungefähr vier Wochen, abends gegen 11 Uhr, hatten wir ein furchtbares Gewitter und ſchlug der Blitz in eine ca. 1000 m von meiner Wohnung gelegene Scheuer ein. Ich hatte in einem bewährten Brütofen ca. 60 geſchierte Enten⸗ und Hühnereier, die alle gut bebrütet waren, doch zeigten ſich ſämtliche 60 Kücken, als ich die Eier am anderen Morgen unterſuchte, leider abgeſtorben.“
Der Berichterſtatter ſcheint ſeine Mitteilung als eine Beſtätigung deſſen aufzufaſſen, was A. Espanet in ſeinem vortrefflichen Buche „Die Hühner und Kücken“, aus dem Franzöſiſchen überſetzt von E. Sabel, über den Einfluß der Gewitter auf die bebrüteten Eier ſagt, da er des⸗ ſelben im Zuſammenhange mit jener erwähnt. A. Espanet ſagt:„Wir ſind davon überzeugt, daß dieſe ſchreckliche Naturerſcheinung nicht ohne Einfluß iſt. Es iſt in der That nicht ſelten, daß eine oder mehrere Bruten durch den Einfluß der Elektricität zu Grunde gehen.“ Espanet hat recht und auch nicht recht: Recht inſofern, als die Thatſache feſt⸗ ſteht, daß Bruten durch Gewitter eingehen, aber nicht recht, dieſes dem Einfluſſe der Elektricität zuzuſchreiben. Zu erſterem giebt ja auch obiger Bericht einen neuen Beleg. Aber welches iſt die Urſache des verderblichen Einfluſſes von Gewittern auf bebrütete Eier, wenn es die Elektricität nicht ſein ſoll? Woraus iſt zu ſchließen, daß die Elektricität keinen Einfluß ausübt? Das ſind ſehr intereſſante Fragen, welche uns im folgenden beſchäftigen werden.
Gewittern pflegt ſehr hohe Luftwärme vorherzugehen. Außerdem aber wird bei Gewittern ein Teil des Sauerſtoffes der Luft in Ozon umgewandelt, welcher heftig oxydierend wirkt, Pflanzenfaſern bleicht und Fäulnisgeruch und Miasmen zerſtört. Beides übt ſowohl einzeln, wie vereint einen gewiſſen Einfluß aus: So kommt es nicht ſelten vor, daß bei Gewittern die Milch ſauer wird, ein Vorgang, welcher zunächſt der ſchwülen Lufttemperatur, aber wohl auch dem Ozongehalte der Luft zuzuſchreiben iſt. Aber die Luftwärme, welche Gewitter begleitet, iſt bei uns niemals ſo groß, daß ihr eine tödliche Einwirkung auf den im


