28 Erſter Abſchnitt. Allgemeines vom Ei und dem Brüten.
Voitellier!¹) in Frankreich, ſowie die von Grünhaldt, C. Bau⸗ meyer und Satorius in Deutſchland verbreiteten Inkubatoren zu rechnen. Roullier⸗Arnoult erzeugt mit ſeinen Apparaten jährlich über 40 000 Houdans⸗Küchlein. Die Wärmegquelle iſt hier, wie bei Voitellier und Grünhaldt, erwärmtes Waſſer. Die Konſtruktion iſt ſehr einfach, und exrfordert der Brütprozeß bloß einige Aufmerkſamkeit und Sorg⸗ falt, um ſelben durch günſtigen Erfolg gekrönt zu ſehen. Von dieſen Apparaten ſind Hunderte derzeit im Betriebe und bewähren ſtets günſtigen Erfolg, wenn die immerhin nötige Achtſamkeit ſelben ge⸗ widmet wird.
In jüngſter Zeit konſtruierte Storbeck einen Brütapparat, welcher als Wärmequelle die Elektricität verwendet. Statt des üblichen er⸗ wärmten Waſſers dient der elektriſche Strom als Brüter. So intereſſant dieſer Verſuch, den auch ganz günſtige Erfolge begleiten, genannt werden muß, ſo wird wenigſtens in der Gegenwart dieſe Art der künſtlichen Bebrütung noch wenig Anwendung in der Praxis finden.
Die Grünhaldt'ſchen2) und neueren Baumeyer'ſchen Brüt⸗ apparate dürften gegenwärtig in Deutſchland die verbreitetſten ſein, da deren Anwendung im großen ſehr beachtenswerte Erfolge aufzu⸗ weiſen vermag; hierüber geben die eingehenden Beſchreibungen, die in Buchform erſchienen ſind, erſchöpfende Auskunft.
Die Brütapparate von Wenger, Löhr, Papſt u. ſ. w. fanden bisher in der Praxis nur geringe Verwendung, daher läßt ſich ein definitives Urteil über ſelbe nicht fällen.
Nach der früher erwähnten Einteilung gehören der zweiten Art von Brüteinrichtungen jene an, in welchen die Wärmequelle von dem eigentlichen Brütapparate getrennt iſt. Oefeles Brütofen iſt ſinnreich konſtruiert, ſcheint aber in der Praxis keine Anwendung gefunden zu haben. Lange Jahre bewährte ſich dagegen der von Baumeyer in Dresden konſtruierte Brütofen, ³) und Hunderttauſende von Küchlein wurden durch denſelben ins Leben geſetzt, da mit einem Male bis zu 1000 Küchlein darin ausſchlüpfen konnten. In einem vom Brütraume geſonderten Lokale befindet ſich die Feuerung, welche das Waſſer er⸗ hitzt, das, in einem großen Rohre erwärmt, in den Brütraum gelangt, woſelbſt es in vielen kleinen Röhrchen, welche durch Kautſchukſchläuche
2. Dasſelbe, überſetzt durch A. Röttiger, Oberſtlieutenant a. D. Göttingen 1880. 3. La culture intensive de l'oeuf et son incubation par Eug. Gayot. Paris. Firmin-Didot et Cie., 1878. ¹) L'incubation artificielle par Voitellier. Mantes. ²) Die künſtliche Geflügelzucht von Otto Grünhaldt, 3. Auflage. Dresden 1885. G. Schönfeld. ³) Das künſtliche Ausbrüten und die Hühnerzucht. Von Hermann Bau⸗ meyer in Dresden. Hamburg, J. J. Richter 1887.


