Das künſtliche Ausbrüten. 27
gezeichnete Erwärmung von oben herab zu bewirken. Das abfließende Waſſer durchſtrömt in Röhren die mit dem Brütapparat verbundene künſtliche Glucke und gelangt wieder in das Sammelgefäß, von wo es, neuerlich erwärmt, den Kreislauf beginnt. Sinnreich konſtruierte Kork⸗ ventile regulieren ſelbſtthätig die Temperatur und beeinfluſſen überdies die in den Brütraum einfließende Waſſermenge inſoweit, daß ein ziemlich gleichbleibender Wärmegrad hergeſtellt wird. Bielz legt einen ganz beſonderen Wert auf das Wenden der Eier. Er legt die Brüteier auf eine endloſe Rolle Kanevas, welche auf mehreren Walzen läuft. Mittelſt eines Schlüſſels in Bewegung verſetzt, werden alle eingelegten Eier gleichzeitig vermöge des Geſetzes der Trägheit um ihre Achſe gewendet. Durch dieſe einfache Einrichtung wird das bei den übrigen Brüt⸗ apparaten ſo zeitraubende Wenden der Eier während des nötigen Lüftens auf ein Minimum reduziert.— Als Zwiſchenſchichte zwiſchen der Wärme⸗ quelle(das erwärmte Waſſer) und den Brüteiern dient ein mit Waſſer gefülltes Gummipolſter, welches die Temperatur des überſtrömenden Waſſers annimmt. Der Bodenteil des Brütkaſtens beſteht aus einem Flanellrahmen, welcher öfter befeuchtet wird, wodurch im inneren Brüt⸗ raume der erforderliche Feuchtigkeitsgrad erhalten bleibt. Die Kon⸗ ſtruktion dieſes Brütapparates iſt ſehr einfach und ſicher funktionierend, ſo daß Bielz's Brütkaſten recht empfehlenswert erſcheint. Wie oben erwähnt, iſt mit dem Brütapparate nebſt der künſtlichen Glucke ein Aufzuchtkaſten verbunden; die Brüt- und Aufzuchtergebniſſe ſind nach den vorliegenden Erfahrungen ſehr günſtige zu nennen.
Abweichend hiervon iſt der von Maly in Hetzendorf bei Wien konſtruierte Inkubator. Hier vertritt heiße Luft die Stelle des ſonſt verwendeten Waſſers, zu welchem Behufe gleichfalls eine Petroleum⸗ lampe als Wärmequelle dient. Durch ein eigentümliches, vermöge eines Metallpendels gleichmäßig reguliertes Triebwerk werden ſämt⸗ liche Brüteier fortwährend gewendet. Ein Verſtäubeapparat ſorgt für die nötige Feuchtigkeit. Die ausgeſchlüpften Kücken kommen in einen Trockenraum, der gut erwärmt iſt, und dann in den Aufzucht⸗ kaſten. Bei der exemplariſchen Sorgfalt, mit welcher Maly die jungen Tiere fütterte und pflegte, ergab ſich in deſſen Anſtalt ein äußerſt günſtiger Prozentſatz, und bewies die kräftige und raſche Entwickelung der Jungen die Richtigkeit der angewandten Grundſätze. Dieſer Brütapparat verdient trotz der großen Achtſamkeit, welche ſeine Bedienung erfordert, immerhin Beachtung.
Zu den in jüngſter Zeit weitbekannteſten und mit vielem Erfolge verwendeten Brütapparaten ſind jene von Roullier⸗Arnoult!¹) und
¹) 1. Guide pratique illustré pour l'éclosion et l'élevage artificiels des oiseaux de chasse et de basse-cour par R. Roullier-Arnoult et E. Arnoult. Se vend chez les auteurs à Gambais-lez-Houdan. 1880.


