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Pribyl's Geflügelzucht : unter besonderer Berücksichtigung der Eier- und Fleischerzeugung / Leo E. Pribyl
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Das künſtliche Ausbrüten. 23

übrigen Eier ihrem Geſchicke. Häufiger kommt dies bei Vögeln vor, die das erſte Mal gebrütet haben, als bei älteren, die hier ihre Er⸗ fahrungen zur Geltung bringen.

B. Das künſtliche Ausbrüten.

Schon im früheſten Altertume beſtanden Einrichtungen zum Aus⸗ brüten der Eier, künſtliche Brutanſtalten in großartigſtem Maßſtabe, die nach Berichten des Herodot, Ariſtoteles, Plinius ec. ausgezeichnete Erfolge erzielten. Beſonders berühmt waren die ägyptiſchen Brütöfen, zerſtreut im ganzen pharaoniſchen Lande, namentlich zahlreich aber in Berme, in denen auf rein empiriſchem Wege, ohne jeden durch wiſſen⸗ ſchaftliche Hilfsmittel gebotenen Beiſtand, alljährlich Hunderttauſende von Küchlein ausgebrütet wurden. Nur durch höchſt aufmerkſame Be⸗ obachtung der Natur, vorzüglich der Entwickelungsgeſchichte der Vögel, konnte das bewunderungswürdige Kulturvolk der Agypter dieſe glänzenden Reſultate erreichen. Urſprünglich verwendete man die Zer⸗ ſetzung des Düngers als Wärmequelle, erſt ſpäter trat das Feuer an deſſen Stelle. Merkwürdigerweiſe ſtimmen die Berichte neuerer Reiſenden völlig überein mit den erhaltenen dürftigen Beſchreibungen des Alter⸗ tums; Jahrtauſende hindurch wurde mit größtem Erfolge die Natur durch menſchliche Thätigkeit erſetzt und mit Sicherheit der heikle Brüt⸗ prozeß glücklich zu Ende geführt. Die beſte Beſchreibung giebt Hr. von Schubert, welcher 1837 das große Brüthaus in Ghizeh beſuchte. Nach ſeiner Schilderung beſtand dasſelbe aus 24 Kammern oder beſſer backofenförmigen Zellen, die in zwei Reihen einander gegen⸗ über, je zwei übereinander ſo gebaut ſind, daß die obere mit der unteren durch eine Offnung korreſpondiert. Jede Zelle hat eine Offnung auf den Gang hinaus, die ſo eng iſt, daß ein Menſch nur mit Mühe durch⸗ zuſchlüpfen vermag; die erſten 1012 Tage hindurch bleibt die Offnung geſchloſſen, das Feuer wird außen durch Verbrennung von Kuh⸗ und dameldünger unterhalten. Die nötige Luft tritt in die oberen Kammern durch ein in der Decke angebrachtes Fenſter. Im Verlaufe der Brützeit wird der Verſchluß öfter geöffnet und dabei das Feuer reguliert. Täglich wird nur ein⸗ oder zweimal geheizt. Meiſt wird der Brütofen nur von Februar bis April in Gang erhalten. Nach ungefähr 20 Tagen ſchlüpfen die Jungen aus, und zwar im Verhältnis von 60 70% der eingelegten Eier. In dieſer Weiſe werden in manchem Jahre 130000 Stuͤck Küchlein ausgebrütet. Die Jungen bleiben 48 Stunden ohne jede Pflege in der Anſtalt und werden dann an die Fellahweiber ab⸗ gegeben, die, aus weiter Ferne zuſtrömend, die fernere Aufzucht der Hühnchen übernehmen. Das geſamte künſtliche Brütgeſchäft wird in ÄAgypten als eine Art Zunftgeheimnis betrachtet. Eiferſüchtig wachen die mit der Ausbrütung Beſchäftigten über die Bewahrung ihrer Ge⸗ heimniſſe und verſchließen die Anſtalt gegen jeden Beſuch. Erblich gehen die Erfahrungen vom Bater auf den Sohn über, und Eide ge⸗