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22 Erſter Abſchnitt. Allgemeines vom Ei und dem Brüten.
durch Anſtemmen des Körpers und der Füße, die Eiſchale in zwei ungleiche Hälften geſprengt und ein lebendes Weſen verläßt die Schale. Während der Befreiungsarbeit trat der Dotterſack gänzlich in den Leib ein, nur der Nabel hängt noch mit den feinen Aderchen, die in der Schale an den Eihäutchen bleiben, mit der Umhüllungshaut leicht zuſammen. Die letzten Anſtrengungen befreien das Tierchen auch von dieſem Anhängſel, und feucht ſchlüpft es nun aus der Schale.
Der Befreiungsakt dauert 3—6 Stunden, manchmal ſogar bis zu 24 Stunden, und viele Küchlein gehen dabei zu Grund, beſonders dann, wenn durch Zufall gerad jene Stelle mit einem Gegenſtande bedeckt oder verklebt iſt, an welcher die erſten Verſuche des Durch⸗ brechens der Schale beginnen.
Die Feuchtigkeit und Kühle zwingen das Küchlein, alsbald Schutz unter der Glucke zu ſuchen; es wendet ſich daher gegen den Hinterteil derſelben, um in dem warmen, weichen Federkleide Erholung und Wärme zu finden.
Die Glucke unterſtützt beim Beginne des Ausſchlüpfens ihrer Jungen dieſelben dadurch, daß ſie ſich etwas auf den Beinen hebt; daher wird es im Neſte dabei etwas kühler. Darin beruht auch ihre ganze helfende Thätigkeit. Jede Unterſtützung, die dem ausſchlüpfenden Tierchen durch das Eingreifen des Züchters gebracht wird, iſt für das⸗ ſelbe mit Gefahr verbunden; eine zugreifende Hilfe durch Zerdrücken der Eiſchale verletzt leicht die feine, mit Aderchen durchzogene Haut, welche das Tier umgiebt, und die geringſte Zerreißung, worauf ein kleiner Blutstropfen ſichtbar wird, führt den Tod des Küchleins unver⸗ meidlich herbei. Darin fehlen häufig die Geflügelfreunde, die in beſter Abſicht die Brut ſchädigen.
Je ungeſtörter der Brütprozeß ſeinen geſetzlichen Verlauf nimmt, je weniger der Menſch dabei eingreift, deſto beſſer geſtalten ſich die Erfolge. Nur ſtörende, hindernde Einflüſſe ſind zu entfernen und die Bedingungen des Gedeihens ſo ſicher als möglich herzuſtellen, dann bleiben günſtige Reſultate nicht aus. In den letzten Tagen prüfen manche eifrige Geflügelfreunde die Eier darauf, ob die Jungen darin leben. Als Kennzeichen gelten die ſchon erwähnten leiſen Bewegungen des lauen Waſſers, in welches die Eier gelegt werden. Wenn dieſe ausbleibt, ſo enthalten die Eier tote Küchlein; oft täuſcht man ſich aber darin, und viele Junge gehen durch die Probe verloren; denn das Tierchen iſt manchmal ſchwach, bewegt. ſich deshalb nicht oder blieb in der Entwickelung zurück und würde ſpäter doch ausgeſchlüpft ſein, wenn nicht infolge dieſer Probe das Ei aus dem Neſte genommen worden wäre.
Die Brüterin ſchiebt die beim Ausſchlüpfen des Küchleins ent⸗ ſtandenen Eihälften ineinander, um ſo mehr Platz für die Jungen zu bekommen; ſeltener wirft ſie dieſelben aus dem Neſte, wie dies die anderen Vögel thun. Sie wartet nun meiſt geduldig, bis ihre ganze Schar ausgeſchlüpft iſt. Dauert aber dieſer Vorgang zu lang, ſo verläßt ſie endlich mit den Ausgeſchlüpften das Neſt und überläßt die


