Neſtbildung und Brüten auf natürlichem Wege. 19
Jungen zu den Neſtflüchtern gehören, auch oder allein nur mehr oder weniger hoch über dem Erdboden liegende Niſtorte zum Ausbrüten ihrer Eier, ſo daß die Jungen vom Neſt aus nur herabſpringend oder fallend den Erdboden erreichen können. So verfahren unter anderen die Stockente, die Biſamente und die Roſtgans, wogegen die von der erſtgenannten abſtammende Hausente die Neigung zur Benutzung von über dem Erdboden liegenden Niſtorten gänzlich verloren zu haben ſcheint, während die domeſtizierte Biſam⸗(türkiſche) Ente auch jetzt noch mit Vorliebe höher gelegene Niſtorte aufſucht.
Die dan Uen natürlichen Erdboden niſtenden Hühner⸗, Gänſe⸗ und Entenarten benutzen zur Neſtbildung verſteckt liegende geringe Bodenvertiefungen, welche ſie erweitern und ausrunden und nur mit wenigem trockenem Material, wie vertrocknetem Gras und ähnlichen Halmen, auskleiden. Erde iſt ein ſchlechter Wärmeleiter, ſie beſitzt alſo die Fähigkeit, wenn ſie durchwärmt iſt, die eingeſogene Wärme nur langſam wieder abzugeben, ſie iſt alſo in dieſer Beziehung ein vor⸗ zügliches Material für ein Brütneſt. Andererſeits nimmt die das Neſt umgebende Erde die Wärme der Neſtwandung nur langſam auf, was nur als vorteilhaft bezeichnet werden kann. Die Neſtbildung auf dem Erdboden ermöglicht zugleich denjenigen Kücken, welche etwas früher als andere den Eiern entſchlüpft ſind und ſich etwa von der Brüterin entfernen, ohne beſondere Hinderniſſe wieder in das Neſt zurückzukehren. Dasſelbe iſt der Fall, wenn die Brüterin, nachdem ſämtliche Junge zur Welt dernnnen mit ihnen das Neſt verlaſſen hat und abends wieder in dasſelbe Einkehr hält.
Hiernach würde es angezeigt ſein, die Neſtbildung, wie ſie die genannten Geflügelarten im wilden Zuſtande vornehmen, auch bei unſerem Hausgeflügel zur Anwendung zu bringen; demſelben alſo in geſchloſſenen Räumen einen zur Neſtbildung geeigneten Erd⸗ boden zu bieten oder das Brütneſt in ſolchem Boden künſtlich her⸗ zuſtellen. Dem aber ſtellen ſich in der Natur einiger Geflügelarten liegende Hinderniſſe entgegen, indem nur die Haus⸗ und Truthühner Brütneſter annehmen, welche ſie nicht ſelbſt gewählt haben; Aüdenn iſt nur bei kleinen Betrieben die Bildung von Erdneſtern auch bei dieſen Hühnerarten zweckmäßig, wie in den bezüglichen Abſchnitten von der Züchtung näher begründet werden wird.
Der weibliche Vogel beginnt das Bebrüten ſeiner Eier in der Regel dann, wenn das Neſt ſo viel Eier enthält, als nebeneinander in demſelben Platz finden. Sind mehr Eier vorhanden, ſo ereignet es ſich nicht ſelten, daß nicht ſo viele Kücken erbrütet werden, als Eier vorhanden ſind, wenn auch ſämtliche Eier befruchtet waren, weil die Brüterin nicht alle Eier ſtets genügend bedecken und erwärmen kann. Für den Züchter iſt daher die Kenntnis, wie viel Eier er einer Brüterin anvertrauen darf, von größter Wichtigkeit; die bezüglichen Zahlen werden in den Abſchnitten von der Züchtung der einzelnen Geflügel⸗ arten angegeben werden.
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