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Pribyl's Geflügelzucht : unter besonderer Berücksichtigung der Eier- und Fleischerzeugung / Leo E. Pribyl
Entstehung
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16 Erſter Abſchnitt.

Die Frage der Entſtehung des Eies nimmt ein beſonderes In⸗ tereſſe in Anſpruch. Bei allen Vögeln findet ſich in Betreff derſelben die gleiche Organiſation und Entwickelung. Das weibliche Tier hat in ſeinem Inneren ein Organ, deſſen Weſen zwar längſt bekannt iſt, über deſſen Thätigkeit jedoch bis jetzt nur Vermutungen herrſchen. Dies iſt der Eierſtock. Er hat eine traubenförmige Geſtalt und beſteht z. B. bei dem Haushuhn aus gegen 600 kleinen Zellen, die durch ihre Entwickelung eine ebenſo große Anzahl von Eiern liefern können, ſomit, da ſie ſich weder vermehren noch erneuern, zugleich auch die höchſte Zahl von Eiern repräſentieren, die ein Huhn zeit ſeines Lebens legen kann. Dieſe kleinen Zellen, Eierchen genannt, werden nun teils von ſelbſt, teils infolge eines äußeren Reizes, der Begattung, ſo bald ſie reif ſind, von dem Eierſtocke losgelöſt, gewöhnlich zu zwei oder drei auf einmal, daher die Legeperioden und Pauſen der Hühner; ſie ver⸗ größern ſich nach und nach in je einer Kapſel, welche mit dem Eier ſtocke zuſammenhängt, zu reifen Dotterkugeln. Jede derſelben ſenkt ſich, je nach ihrer Reife und Größe, in die ſich erweiternde Offnung des Ei⸗ leiters, den Trichter, wo die Dotterkapſel durch Kontraktion den Dotter ausſtößt.

Der Eileiter iſt darmförmig gebaut und beſteht: 1. aus dem eigentlichen Eileiter, 2. aus dem Uterus oder der Gebärmutter, 3. aus der Scheide und 4. aus der Kloake, dem unteren Teile des Darm⸗ kanals. Auf dem Wege zum Ausgange wird der Dotter mit den ver⸗ ſchiedenen Eiweißſchichten umgeben, bis endlich im Uterus die Bildung der Schale beginnt. Schichte um Schichte umhüllt nun der angeſam⸗ melte Kalk das Ei, und hier empfängt es zugleich ſeine bei manchen Raſſen eigentümliche Färbung.

Das in ſolcher Weiſe fertige, legereife Ei tritt endlich mit dem

unteren, breiteren Ende durch die Kloake aus dem Körper und damit

iſt der geſamte Prozeß beendet.

Dieſer regelmäßige Vorgang leidet zuweilen Ausnahmen. Eine der intereſſanteſten iſt wohl die, allerdings nur in wenigen Fällen beobachtete Bauchhöhlenſchwangerſchaft, bei welcher das Ei durch äußere Einflüſſe verhindert, aus dem Uterus herauszutreten, im Mutter⸗ leibe ſelbſt in das Stadium der Bebrütung übergeht, wobei ſich ein halb⸗ wegs entwickeltes Tierchen bildet, das freilich niemals lebensfähig wird.

Eine öfter vorkommende Abnormität ſind die ſogenannten Wind⸗ oder Spureier, denen der Dotter fehlt, die alſo nur aus Eiweiß be⸗ ſtehen; dieſelben ſind auch viel kleiner als die normal gelegten. Am häufigſten ſchuld an ſolchen Mißbildungen ſind Störungen im Orga⸗ nismus, Überreiz durch die Begattung, und ähnliche Vorfälle,

Die Entſtehung der Eier mit zwei Dottern erklärt ſich dadurch, daß zu gleicher Zeit zwei Dotterkugeln in den Eileiter gelangen, die dann mit einer gemeinſamen Hülle von Albumin und Kalk umſchloſſen werden. Dieſelben ſind zur Ausbrütung gänzlich untauglich. Sie ſind in der Regel an ihrer abnormen Größe zu erkennen.