Geſchichte der Geflügelzucht. 13
ein gern gehegter Vogel, und Joſephus berichtet, daß derſelbe in Jeruſalem in Taubentürmen gehalten wurde; im Talmud werden bereits 10 Taubenarten aufgeführt. Zur Zeit Mohameds(um 600 n. Chr.) gab es in Arabien eine große Menge von Haustauben. Die Anhänger des Propheten verehren die Tauben, da ſie nach Mohameds Ausſpruch die Boten des Himmels geweſen wären, die ihm den Willen Gottes geoffenbart hätten. Auch den griechiſch-katholiſchen Völkerſchaften, be⸗ ſonders den Ruſſen, iſt die Taube, infolge ihres Erſcheinens am Himmel bei der Taufe Chriſti durch Johannes ein heiliger Vogel, welcher in Maſſen gehegt und gepflegt wird und nicht getötet werden darf.
Sichere Nachrichten über regelmäßige Taubenpoſten, die auch die Römer gehabt haben ſollen, ſtammen erſt aus der Zeit nach 1000 n. Chr. Sultan Nureddin Mahmud(1174) und Kalif Achmed Alkaſer von Bagdad(1225) führten die Brieftaubenpoſt in großartigem Maßſtabe durch, bis zur Zeit der Eroberung dieſer Stadt durch die Mongolen (1285). Auch in Ägypten beſtand eine ſolche Einrichtung. In anderen Ländern iſt dieſelbe nicht nachgeahmt worden. Im Mittelalter machte man vom Dienſte der Tauben zur Nachrichtenvermittelung nur wenig und ziemlich erfolgloſen Gebrauch. In neueſter Zeit haben die guten Dienſte, welche die Brieftauben den bei der Belagerung von Paris 1870—71 Eingeſchloſſenen leiſteten, die Aufmerkſamkeit wieder auf die Nützlichkeit der Brieftaubenverwendung gelenkt, wodurch die Brieſtaubenzucht neu auf⸗ blühte und in den meiſten europäiſchen Ländern ſich ausbreitete.(Siehe Brieftauben.)
Seit wann in Deutſchland die Taube als Hausvogel bekannt war und gehalten wurde, iſt unbekannt. Ein Blühen der Taubenzucht war im Mittelalter bei den vielfachen Beſchränkungen des Tauben⸗ haltens durch die Behörden nicht möglich. Im Bereiche einzelner Ge⸗ biete war ſogar das Taubenhalten bei Strafe unterſagt des Schadens wegen, welchen dieſe Vögel auf den Feldern anrichten können. Sind doch heute noch die Anſichten darüber ſehr geteilt, ob der Nutzen, den die Tauben durch Verzehren von Unkräuterſamen, ſpenden, den Schaden überwiegt, den ſie durch Aufpicken von Fruchtkörnern anrichten. Die Züchtung ſcheint ſich auf das Halten von Feldflüchtern beſchränkt zu haben. Der bekannte Naturforſcher Gesner(1555) kennt nur zwei Arten:„Zahme Schlagtauben“ und ruſſiſche Tauben, wogegen der Italiener Aldrovandi(1600) eine ziemlich große Anzahl von Tauben⸗ raſſen aufführt, wobei er auch auf die in Belgien und Holland blühende Taubenzucht hinweiſt. Erſt in neueſter Zeit, beſonders ſeit der Be⸗ endigung des deutſch⸗franzöſiſchen Krieges(1870— 71) hat im Verein mit dem Aufblühen des Brieftaubenſports die Züchtung der ver⸗ ſchiedenen Tauben aus Liebhaberei Aufſchwung genommen und leiſtet nicht Unerhebliches.


