12 Geſchichte der Geflügelzucht.
um Martini(11. November) die Martinsgans im Freundes⸗ und Familienkreiſe ſich wohlſchmecken zu laſſen.
Auch in Frankreich und Belgien wurde die Gänſezucht ſchon zu der Römer Zeiten betrieben, und blüht auch heute noch im Nord⸗ und Südweſten jenes Landes. In England iſt die Gänſehaltung ſehr unbedeutend, dagegen ragt Rußland in dieſer Beziehung bedeutend hervor. In Deutſchland werden in Bayern viele Gänſe gezüchtet und in Preußen nach der am 1. Dezember 1897 ſtattgefundenen Geflügel⸗ zählung die meiſten in Schleſien und Brandenburg, ungefähr halb ſo viele in Poſen und Sachſen(Provinz) und unerwarteterweiſe in Pommern nur ½¼ der Schleſiſchen oder Brandenburgiſchen Anzahl. Der Geſamt⸗Gänſebeſtand Preußens betrug 3 786144 Stück.
6. Hausente.
Der Ente Geſchichte iſt nicht lang. Man weiß nicht, welches Volk zuerſt Wildenten gezähmt oder gezähmte gezüchtet hat. Wahr⸗ ſcheinlich iſt es, daß dies früher in nördlicheren, als in ſüdlicher ge⸗ legenen Landſtrichen geſchah. Zu Ariſtoteles Zeit hatten die Griechen zahme Enten noch nicht(um 350 v. Chr.), und es iſt fraglich, ob die Römer ſie ſchon um das Jahr 100 v. Chr. gezüchtet haben. Im Mittelalter war die Hausente kein in Europa ſehr verbreiteter Vogel. Heute jedoch werden Hausenten faſt überall in Europa, Aſien und Nordamerika gehalten, aber nirgends, mit Ausnahme der Normandie, in größerem Maßſtabe, obgleich die leichte Ernährung und Züchtung, und der große Wert ihres Fleiſches und auch der Eier und Federn ſehr hierzu herausfordern. Nur die Chineſen haben ſchon ſeit den
älteſten Zeiten Entenzucht betrieben und thun das heute noch in aus⸗
gedehntem Maße.
7. Haustaube.
Seit den älteſten Zeiten iſt die Taube ein beliebter Hausvogel geweſen(ſiehe Allgemeines). Später finden wir ſie in Griechenland und bei den Römern, bei denen die Taubenzucht ſehr beliebt war. Varro erwähnt und beſchreibt Columbarien(Taubentürme), in denen bis zu 5000 Tauben gehalten wurden. Columella beſchreibt das Ver⸗ fahren des Taubenmäſtens. Gebratene gemäſtete Tauben bildeten in der Regel Beſtandteile der prunkvollen Feſtmahle, und Juvenal be⸗ richtet von Verdauungsſtörungen, welche nicht ſelten durch zu reichlichen Genuß von Taubenbraten hervorgerufen worden ſeien.
Aber auch die Taubenliebhaberei wurde von den Römern gepflegt, und die Benutzung dieſer Vögel als Sendboten, die beſonders im Oriente häufig vorkam, war bei ihnen zu Columellas Zeiten gebräuchlich. Bei der Belagerung von Mutina(Modeng), 44 v. Chr., verſuchten die Belagerten mit der weiteren Umgebung durch Brieftauben die Ver⸗ bindung aufrecht zu erhalten. Ebenſo war die Taube in Kleinaſien


