10 Geſchichte der Geflügelzucht.
Militärgrenze ſieht man auf den die Ortsgemeinden umgebenden, oft Hunderte von Hektaren umfaſſenden Hutweiden große Truthühnerherden unter der Obhut von Truthühnerhirtinnen. In dieſen Ländern findet man auf dem Lande ſelten ein Haus, das nicht wenigſtens 70 bis 100 Stück Truthühner alljährlich erzüchtete. Auch in Frankreich werden nach A. Espanet Truthühner in kleineren oder größeren Herden viel⸗ fach gehalten und auf die Weide getrieben. Ebenſo iſt das Truthuhn in einigen Gegenden Englands Gegenſtand ausgedehnter Züchtung. In Deutſchland findet man dieſen nützlichen Hausvogel ſeltener; es iſt ſehr zu bedauern, daß er hier nicht zahlreicher gehalten und gezüchtet wird.
4. Pfau.
Schon in den älteſten Zeiten beſtand die Vorliebe aſiatiſcher Herrſcher, ſeltene und beſonders ſchöne Vögel des Vergnügens wegen zu halten. Unter dieſe gehörte auch der Pfau, eine der prächtigſten Arten der geſamten Vogelwelt.
Als Sinnbild des eitlen Stolzes iſt dieſer der Göttin Juno ge⸗ weihte Vogel der Gegenſtand einer größeren Anzahl von Tierfabeln des Altertums, was auf eine weite Verbreitung hinweiſt. Nach der Sage tötete Hermes den hundertäugigen Argos, deſſen Augen in den Schweif des Pfaues eingeſetzt wurden. Den Griechen wurde dieſer Prachtvogel im 5. Jahrhundert v. Chr. von der Inſel Samos aus bekannt; nach Athen mögen perſiſche Geſandte die erſten Pfauen ge⸗ bracht haben. Dieſe waren zu Alexanders des Großen Zeit noch ſo ſelten, daß man ſie für Geld ſehen ließ. Dieſer König war ein beſon⸗ derer Bewunderer dieſer farbenprächtigen Vögel und ſetzte ſchwere Strafen auf die Beſchädigung oder Tötung eines ſolchen. Von Griechen⸗ land aus kamen ſie zu den Römern. Hier ereilte ſie aber bald das Mißgeſchick, dem überhandnehmenden Luxus zum Opfer zu fallen. Der prächtige Ziervogel wurde zum Schlachtvogel herabgewürdigt. Man mäſtete und verzehrte ihn ſo gut wie das gemeine Haushuhn und prahlte mit Gerichten, welche aus Pfauenzungen beſtanden. Im Mittel⸗ alter war der Pfau in Deutſchland, England und Frankreich bekannt. Auch hier war der Pfaubraten ein ſehr geſchätztes Gericht bei großen Feſten.
In China und Japan iſt der Pfau das Wappentier und ſeine Federn kaiſerlicher Schmuck. Bei den Indiern werden dieſe als ein Abzeichen adeliger Abſtammung getragen. Dagegen beſteht in der Normandie und in Burgund das Vorurteil, daß die prächtige Pfauen⸗ feder Unglück bringe, wenn ſie ins Haus gebracht werde.
5. Hausgans.
Daß, wo und von wem die Hausgans ſchon in den älteſten Zeiten gekannt geweſen ſei, iſt bereits unter„Allgemeines“ berichtet worden. Es ſcheint aber, daß die von der wild lebenden Graugans abſtammende Hausgans nicht wie das Huhn aus den ſüdöſtlichen Ländern


