Geſchichte der Geflügelzucht.. 9
ob es von Griechenland aus oder auf anderem Wege nach Italien gebracht worden iſt. Varro und Plinius erwähnen desſelben. Es war jedoch in dieſem Lande ſelten und ſtand ſehr hoch im Preiſe. Nach anderen europäiſchen Ländern ſcheint im Altertum dieſer Vogel nicht gelangt zu ſein; es iſt allerdings unwahrſcheinlich, daß man ihn auf der iberiſchen Halbinſel nicht gekannt habe. Nördlich von den er⸗ wähnten Ländern ſcheint er keine Verbreitung gefunden zu haben, denn die Schriften des früheren Mittelalters erwähnen ſeiner nicht. Erſt im 15. Jahrhundert taucht er in Weſteuropa auf. Portugieſiſche Seefahrer brachten ihn von der Weſtküſte Afrikas nach Portugal. Wahrſcheinlich iſt er auf dieſelbe Weiſe auch nach den mehr nördlich gelegenen Ländern Europas gelangt. Heute iſt das Perlhuhn in den meiſten europäiſchen Ländern und auch in Nordamerika ein bekanntes, leider nur zu ſelten gezüchtetes Mitglied des Hausgeflügels geworden. Durch die Spanier und Portugieſen wurde es auch auf die weſtindiſchen Inſeln Jamaika und St. Domingo übergeführt, wo es verwilderte und ſich in dem ihm zuſagenden Klima ſehr bald bedeutend vermehrte.
3. Truthuhn.
Das Haustruthuhn ſtammt unzweifelhaft von dem im ſüdlichen Nordamerika und in Mittelamerika in Waldungen lebenden Wildtrut⸗ huhn ab. Wahrſcheinlich iſt, daß die europäiſchen Eroberer des mexi⸗ kaniſchen Reichs dieſes Waldhuhn daſelbſt in gezähmtem Zuſtande vor⸗ gefunden haben und es nach Spanien brachten, um das Jahr 1520. Nach England ſoll es ſchon 1524 gekommen ſein. Das Jahr, in welchem es in Deutſchland zuerſt bekannt geworden iſt, ſteht nicht feſt, jedoch werden die Jahre 1530 oder 1533— 34 als Einführungszeit angenommen. Alteren franzöſiſchen Schriftſtellern zufolge lernte man in Frankreich dieſen Vogel um 1540 zuerſt kennen. Wahrſcheinlich geſchah dies noch früher, denn ſchon im Jahre 1546 muß es in der Umgebung von Rouen ziemlich häufig gezüchtet worden ſein, denn es geſchieht ſeiner als Tafelgeflügel bei Beſchreibung eines Gaſtmahls Erwähnung, welches Jean Baptiſte le Chandelier zu Rouen im Dezember 1546 gegeben hat. Auch der franzöſiſche Satyriker Rabelais erwähnt bereits in ſeinem im Jahre 1553 erſchienenen Buche Pantagruel der coqz, poulles et poulletz d' Inde. Im Jahre 1557 wurde zu Venedig ein gegen den überhandnehmenden Luxus gerichtetes Geſetz erlaſſen, welches auch die Verwendung des Truthuhns als Tafelgeflügel regelte, und des Papſtes Pius V.(1566—1572) Koch, Bartholomäus Scappi, giebt in ſeinem hinterlaſſenen Kochbuche auch Anweiſung zur Bereitung des Truthuhnbratens.
Heute iſt das Truthuhn über den größten Teil von Europa ver⸗ breitet. Beſonders häufig findet es ſich in Spanien, wo Brehm in einzelnen Gehöften Herden von mehreren hundert Stück unter der Obhut beſonderer Hirten ſah. Auch in Serbien und der öſterreichiſchen


