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Pribyl's Geflügelzucht : unter besonderer Berücksichtigung der Eier- und Fleischerzeugung / Leo E. Pribyl
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Geſchichte der Geflügelzucht. 7

die Berührung mit den Römern kennen gelernt haben, iſt unwahrſcheinlich. Nach der iberiſchen Halbinſel, nach Gallien und Britannien konnte es vorher ſchon auf dem Handelswege gelangt ſein, ebenſo nach der Schweiz, Süddeutſchland und den unteren Donauländern. Den Germanen war das Haushuhn ſchon im 5. Jahrhundert v. Chr. bekannt; es iſt wahr⸗ ſcheinlich, daß das noch früher der Fall war, denn ſie nannten das Sternbild der Plejaden neben anderen Benennungen die Glückshenne, und im Märchen, in welchem Sonne, Mond und Sterne Geſchenke ver⸗ leihen, geben letztere eine Nuß aus der die Henne mit ihren Kücken hervor⸗ geht. Es ſteht feſt, daß die Gallier zur Zeit der römiſchen Herrſchaft eine nicht unbedeutende Hühnerzucht betrieben; ſie ſchrieben ſogar ihren Druiden die Erfindung des Verſchneidens der Hähne zu. Und ſchon zu Cäſars Zeiten wurden von den Belgiern Hahnenkämpfe abgehalten, welche noch heute in Flandern ein ſehr beliebtes Vergnügen der Bevölkerung bilden. Cäſar fand auch in Britannien das Haushuhn bereits vor.

Im Mittelalter war das Haushuhn in ganz Deutſchland allgemein verbreitet. Fürſten, Herren und Klöſtern mußten die Hörigen Zehnten von ihren Hühnern und Eiern einliefern, und in ungeheueren Mengen wurden bei feſtlichen Anläſſen Hühner verzehrt, ſo unter anderem bei der Hochzeit Wilhelms von Roſenberg mit Anna Maria von Baden, welche vom 26. Januar bis 1. Februar 1576 gefeiert wurde, 450 junge Hühner und 2656 gemäſtete Hühner und Kapaunen. Die Hühnermäſtung war alſo damals auch in Deutſchland im Gebrauch, i*ſt aber ſeitdem ſehr zurückgegangen, wogegen ſie in England, Frankreich und Belgien blüht. In Frankreich ſpielte das Brathuhn, das Poulet und die Poularde, eine Art geſchichtlicher Rolle von dem bekannten Wunſche Heinrichs IV. an, daß jeder Bauer an Sonn⸗ und Feſttagen ein Huhn auf dem Tiſche haben möge. Es wird erzählt, daß dem Könige Ludwig XIV. jeden Abend zum Gebrauche während der Nacht, ein gebratenes Huhn und eine Flaſche Wein bereit geſtellt worden ſeien, und daß er eines Abends dieſen Imbiß vor verſammeltem Hofe mit dem Dichter Molière geteilt habe; daß Ludwig XVI. großer Poularden⸗ liebhaber geweſen ſei; und daß Napoleon I. bei ſeinen Feldzügen ſtets ein Poulet in der Satteltaſche mitgeführt habe. Von welchen Raſſen die bezeichneten Poulets und Poularden für die höchſten Herrſchaften genommen zu werden pflegten, darüber ſchweigt die Geſchichte. Sie berichtet aber, daß bis zur Zeit Ludwigs XIV. die Raſſe von Le Mans die bevorzugte geweſen ſei, von da an die von La Floche dieſer ge⸗ waltige Konkurrenz gemacht habe; ſpäter habe dieſe Rivalität durch das Auftreten der Breſſe⸗Raſſe nicht geringe Einbuße erlitten. Was in neuerer Zeit an guten Poularden auf den deutſchen Markt kam, ſtammte lange Zeit ausſchließlich aus Frankreich, bis auch Belgien ſich der Hühnermäſtuug und Ausfuhr von Poularden bemächtigte. Hoffentlich findet dieſe Induſtrie bald auch in Deutſchland Nachahmung.

Hier lag bis zur Einführung des auffallend großen, aus Aſien nach Europa gebrachten Cochinchinahuhns, die um 1852 ſtattfand, die