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Pribyl's Geflügelzucht : unter besonderer Berücksichtigung der Eier- und Fleischerzeugung / Leo E. Pribyl
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6. Geſchichte der Geflügelzucht.

man im Orient ſchon in den älteſten Zeiten den hohen Wert der Haustaube als Bratgeflügel kannte: Im Jahre 3200 v. Chr. wurden in Perſien bei einem Königlichen Gaſtmahle Taubenbraten verwendet. Vom Perlhuhn berichtet die altgrichiſche Sage, daß Latona die durch den Tod Meleagers, des Überwinders des kalydoniſchen Ebers, un⸗ tröſtlichen Schweſtern desſelben in Vögel verwandelt habe, welche un⸗ zählige Thränentropfen auf ihrem Gefieder tragen; es muß alſo auch ſchon ſehr früh aus ſeinem Heimatlande Afrika nach Griechenland ge⸗ kommen ſein. Dasſelbe gilt vom Pfau, da ſich auf ſehr alten griechiſchen Münzen das Bildnis der Göttin Juno mit dem ihr geheiligten Pfau befindet. Nur von der Ente finden ſich keine Angaben, welche ſchließen laſſen, daß auch ſie zu den älteſten Hausgeflügelarten gehört habe. Das jüngſte Mitglied unſeres Hausgeflügels iſt das Truthuhn, welches erſt nach der Entdeckung Amerikas aus dieſem Erdteile, ſeiner Heimat, nach Europa gebracht worden iſt.

II. Geſchichte der einzelnen Hausgeflügelarten. 1. Haushuhn.

Wann und durch wen unſer Haushuhn nach Europa gelangt iſt, iſt unbekannt. Es läßt ſich nur aus ſeiner nahen Verwandtſchaft mit den heute noch in Hinterindien, auf Ceylon und den Sundainſeln wild lebenden eigentlichen Hühnern und ſeiner wahrſcheinlichen Abſtammung von einer oder mehreren Arten derſelben folgern, daß das Haushuhn vom ſüdlichen und mittleren Aſien aus nach Kleinaſien, und von da nach Europa verbreitet worden ſei. In Kleinaſien und Ägypten, und auch ſchon in Griechenland muß es zur Zeit Homers und ſeines Zeit⸗ genoſſen, des Dichters Heſiod, ſeit längerer Zeit gezüchtet worden ſein, denn letzterer erwähnt ſchon der verſchnittenen Hähne, der Kapaunen. Auch den Israeliten war das Verſchneiden der Hähne bekannt. Seit wann das in AÄgypten gebräuchliche künſtliche Ausbrüten von Hühner⸗ eiern, welches Herodot beſchrieben hat, ausgeübt worden iſt, iſt nicht zu unſerer Kenntnis gekommen. Dagegen ſteht feſt, daß die Hühner⸗ zucht auch auf den zwiſchen Kleinaſien und Griechenland gelegenen Inſeln ſehr früh blüte. Die Inſeln Delos und Cos, ſowie Jonien und Syrien, waren als hühnerzüchtende) Gebiete im Altertum berühmt, und man ſchrieb die Erfindung des Mäſtens der Hennen den Bewohnern der erſteren zu. Von hier und Griechenland fand die Kunſt der Hühner⸗ züchtung und Mäſtung ihren Weg auch zu den Römern. Es gab bei dieſen keine Villa, die nicht ihren ausgedehnten Geflügelpark beſeſſen hätte. Auch hat eine größere Anzahl geſchätzter griechiſcher und römiſcher Schriftſteller es nicht verſchmäht, Angaben über Züchtung, Pflege und Mäſtung der Hausvögel zu machen. Es ſeien hier nur ge nannt: Ariſtoteles, der ältere Cato, Varro, der ältere Plinius, Columella.

Daß die Völkerſchaften der weſtlich und nördlich von Italien und Griechenland gelegenen Länder Europas das Haushuhn erſt durch