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Rationelle Fütterung der landwirtschaftlichen Nutztiere auf Grundlage der neueren tierphysiologischen Forschungen / von Emil Wolff
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Die Entwickelungsſtufen der Fütterungslehre. 231

ſtreben erwecken, ſobald wie möglich etwas Beſſeres, wenn auch an ſich noch Unvollkommenes an deren Stelle zu ſetzen. Die darauf baſierten Fütterungsnormen führten zu Futtermiſchungen von ganz verſchiedenem Nährſtoffgehalt, je nachdem mehr oder weniger Rauh⸗ futter oder leichter verdauliches Futter in die betreffende Miſchung aufgenommen worden war. Dieſe Unſicherheit fällt großenteils weg, wenn man nur die wirklichen Nährſtoffe bei den Fütterungsnormen und allen Futterberechnungen in Anſatz bringt und außerdem noch die Geſamtmenge der Trockenſubſtanz oder der organiſchen Subſtanz be⸗ rückſichtigt.

Indem man den Nährſtoffbedarf und das Nährſtoffverhältnis für die verſchiedenen Zwecke der landwirtſchaftlichen Tierhaltung mit verdaulichen Futterbeſtandteilen normiert, gelangt man zu einer ſchärferen Charakteriſtik der einzelnen Futtermittel, werden die von den Phyſiologen zunächſt am Fleiſchfreſſer erforſchten Geſetze der Fleiſch⸗ und Fettbildung in ihrer Giltigkeit auch für den Pflanzen⸗ freſſer leicht verſtändlich, gewinnen überhaupt die Grundlagen der ganzen Fütterungslehre weſentlich an Klarheit.

Was endlich die neueſte Phaſe in der Entwickelung der Fütte⸗ rungslehre betrifft, die Erforſchung und Nutzbarmachung der Energie⸗ verwertung im tieriſchen Organismus, ſo iſt von ihr in Rückſicht auf den für dieſe Schrift begrenzten Raum bereits in dem Kapitel über den Kraftwechſel genügend ausführlich die Rede geweſen. Daher ſei hier nur nochmals darauf hingewieſen, daß zwar noch eine große Reihe von Fragen über die Energieverwertung der endgiltigen Löſung durch experimentell erbrachte Beweiſe harrt; aber das bereits als geſicherte Erkenntnis Erworbene iſt von ſo großer Bedeutung, daß wir ihm einen weſentlichen Einfluß auf die ganze Ausgeſtaltung unſerer Ernährungsprinzipien einräumen müſſen und dabei in vielen Fällen zu klareren Anſchauungen über die Wirkung verſchiedener Futtermittel, ſowie über das Ernährungsbedürfnis der Tiere ge⸗ langen, als wenn wir nur die Thatſachen des Stoffwechſels be⸗ achten würden. Freilich iſt ſehr zu wünſchen, jedoch auch ſicher zu hoffen, daß in der nächſten Zeit durch exakte Unterſuchungen viele der noch vorhandenen Lücken unſeres Wiſſens in der angedeuteten Richtung ausgefüllt werden.