230 Schlußbetrachtungen.
freien Extraktſtoffe inkl. Rohfett, oft auch das letztere für ſich beſonders aufgeführt. Es erklärt ſich dies aus dem Umſtand, daß die Fütterungsnormen zuerſt zu einer Zeit in Vorſchlag gebracht wurden, wo man von der Verdaulichkeit des Futters der landwirt⸗ ſchaftlichen Tiere noch keine genügende Vorſtellung hatte. Die be⸗ treffenden Zahlen fanden überall in der Praxis Anklang und raſche Verbreitung und wurden auch ſpäter noch beibehalten, ungeachtet wir durch die von Henneberg und Stohmann erlangten Verſuchsreſultate, ſowie durch ſpätere Forſchungen über den Nährſtoffgehalt der Futter⸗ mittel zu ganz anderen und richtigeren Anſichten gelangen. Man ſcheute ſich, ſobald wieder weſentliche Veränderungen der Zahlen⸗ verhältniſſe in den Fütterungsnormen vorzunehmen oder wollte zu dieſem Behufe erſt weitere Aufklärungen durch fortgeſetzte tierphyſio⸗ logiſche Verſuche abwarten. Wolff erachte es aber für notwendig, ohne Bedenken in der angedeuteten Richtung vorzugehen und hat daher in der vorliegenden Schrift, ſchon bei der erſten Ausgabe derſelben im Jahr 1874, alle Erörterungen und Berechnungen auf die verdauliche Futterſubſtanz, auf den wirklichen Nähr⸗ ſtoffgehalt der Futtermittel baſiert.
In den Tabellen über Futtermittel und Fütterungsnormen ſind überall die aus den Reſultaten direkter Fütterungsverſuche ab⸗ geleiteten Koöffizienten für die Feſtſtellung der als Nährſtoffe an⸗ zuſehenden Futterbeſtandteile benutzt worden. Freilich konnte man dabei bezüglich vieler Futtermittel, über welche noch keine direkten Verſuchsreſultate vorhanden ſind, nur durch ſorgfältige Vergleichung und Abwägung aller Verhältniſſe zu vorläufig annehmbaren Zahlen gelangen. Es liegt in der Natur der Sache, daß immer nur mehr oder weniger richtige Zahlen ſich ergeben, und wenn auch zu den jetzt ſchon ausgeführten Einzelverſuchen über die Verdaulichkeit des Futters ein weiteres Tauſend hinzukommt, ſo wird immer noch vieles zu erforſchen übrig bleiben. Ein Hauptverdienſt Wolffs iſt, daß in dieſer Hinſicht ein Anfang gemacht, eine Grundlage gegeben wurde, welche in Zukunft, ohne daß gewaltſame Veränderungen vorzunehmen ſind, immer mehr ſich befeſtigen und erweitern läßt. Solches hat in neuerer Zeit mit Bezug auf die verdauliche Eiweißſubſtanz durch die Auffindung von Amidkörpern, überhaupt von organiſchen Stick⸗ ſtoffverbindungen nicht eiweißartiger Natur in vielen Futtermitteln als notwendig ſich ergeben, obgleich es nicht möglich iſt, darauf ſchon jetzt bei Futterberechnungen in jeder Hinſicht genügende Rück⸗ ſicht zu nehmen.
Die Rechnung mit den Rohnährſtoffen des Futters konnte
höchſtens eine Zeitlang als Notbehelf dienen und mußte das Be⸗


