228 Schlußbetrachtungen.
geſpielt. Urſprünglich beruhten dieſelben auf den chemiſchen Unter⸗ ſuchungen, welche Einhof in Möglin ausgeführt hatte, indem er die Futtermittel auf ihren Gehalt an in Waſſer, Alkohol, verdünnten Säuren und Alkalien löslichen Beſtandteilen prüfte. Die damals bekannten wenigen Fütterungsverſuche, namentlich mit Maſttieren, ſowie die etwas ſpäteren Verſuche von Block in Schierau ſchienen den Landwirten in genügender Übereinſtimmung ſich zu befinden mit dem von Einhof ermittelten Nährſtoffgehalt der Futterarten. Da aber die Zahl der genaueren Fütterungsverſuche bis zum Jahr 1840 eine überaus geringe blieb und die Methode der Futteranalyſe nicht weſentlich verbeſſert wurde, ſo konnte auch von einer etwaigen weiteren Begründung der Heuwerte nicht die Rede ſein; vielmehr geriet ihre urſprünglich chemiſche Baſis in Vergeſſenheit, und faſt jeder landwirtſchaftlicher Schriftſteller glaubte ſich berufen, die be⸗ treffenden Zahlen nach eigenen allgemeinen Erfahrungen oder ganz nach Gutdünken zu modifizieren und in dieſer veränderten Form ſeinen Berechnungen über Fütterungsweſen, Düngerproduktion ꝛc. zu
Grunde zu legen. Es entſtand ſo eine große Unſicherheit und Ver⸗
wirrung, welche einer rationellen Fütterung der Tiere eher nachteilig als förderlich ſein mußte.
Nachdem Liebig die Hauptfunktionen der ſtickſtoffhaltigen und ſtickſtofffreien Nahrungsbeſtandteile erkannt und auf die Bedeutung des Mengenverhältniſſes der beiderſeitigen Nährſtoffgruppen hin⸗ gewieſen hatte, wurde auch der chemiſchen Unterſuchung des in der Landwirtſchaft benutzten Futters größere Aufmerkſamkeit gewidmet. Bei der großen Wichtigkeit des Eiweißes für den Erſatz der durch den Stoffwechſel im Tierkörper zerſtörten Maſſe und im Hinblick darauf, daß die ſtickſtofffreien Nährſtoffe in den gewöhnlichen Futter⸗ mitteln der Grasfreſſer in großer Menge, anſcheinend im Überſchuß vorhanden zu ſein pflegen, glaubte Bouſſingault die Nahrungsäqui⸗ valente oder Heuwerte des Futters ausſchließlich nach deſſen Stick⸗ ſtoffgehalt berechnen zu können. Man erkannte aber bald, daß die betreffenden Nährſtoffäquivalente bei vielen Futtermitteln, namentlich den ſtickſtoffärmeren, wie bei den Rüben, Kartoffeln und den Körnern der Cerealien, gegenüber den Hülſenfrüchten und Olkuchen zu niedrig ausfielen, und Bouſſigault machte daher den Vorſchlag, neben dem Stickſtoff noch entſprechende Mengen von Stroh in Rechnung zu bringen und auf ſolche Weiſe das Aquivalent für 100 kg Wieſenheu bezüglich der einzelnen Futtermittel zu ergänzen,— eine Rechnungs⸗ weiſe, welche jedoch nirgends Eingang in die Praxis ſich verſchaffte.
Die Verſuche, welche Wolff 1851 bis 1854 auf der in Möckern errichteten Verſuchsſtation ausführte, lieferten aufs neue den Beweis
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