Druckschrift 
Über den Dünger, zugleich aber auch über das Unwesen dabey in Deutschland, besonders in der Haupt- und Residenzstadt München und ganz Baiern ... / von Hazzi. Vorgetr. i. d. öff. Vers. d. landwirthsch. Vereins in München. M. e. Beil. über die Hornviehstallungen d. kgl. würt. Versuchs-Lehranst. zu Hohenheim ... von ... Schwerz
Entstehung
Seite
111-112
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Göttin Cloacina, beſonders bei plößlichen Beränderungen in der Witterung, und bei dem von Zeit zu Zeit nöthi- gen Näumen der Senkgruben, durch alle Gänge und Gemächer eines Hauſes ſich verbreiten, oft eine ganze Nachbarſchaft verpeſten, der nachtheilige Einfluß, wel- <en dieſe Gruben auf das umgebende Mauerwerk? und anf die in der Nähe befindlihen Brunnen äußern, find allgemein bekannte und gefühlte Uebel, über welche man überall klagen hört, und welchen man bisher noch auf keine gründliche und befriedigende Urt abzuhelfen im Stande war. Eine einfache, wohlfeile, dauerhafte, in jedem Hauſe leicht anwendbare Borrichtung, wo- durch dieſe wichtige Uufgabe gelöſet, und alle jene Uebel vollkommen entfernt werden, muß daber als eine der gemeinnüßlichſten und wohlthätigſten Erfindun- gen erſcheinen, und allgemeinen Beifall, Dank und Nachahmung verdienen-« Dieß ſind nun wirklich die von den Herren Cazeneuyvye et Compagnie in Paris erfundenen und patentiſirten gerüchloſen und beweglichen Nbtritte(fosses inodores mobiles), welche nict nur dem Zwee, welchen ihre Beneunung andeutet, auf das vollkommenſte entſprechen=- was nicht bei allen neuern ſranzöſiſ<en Erſindungen der Fall zu ſeyn pflegt=- ſondern auch in vfonomiſcher Hinſicht unſchäßbare Bortheile gewähren, indem durch die Ab- ſönderung der ſeſten und trockenen Excremente von den flüſſigen, ohne allen Verluſt, die ergiebigſte und vor- theilhafteſte Düngerberettung erhalten wird. Noch im Jahre 1780 bezahlte die Municipalität von Paris für die Wegſchaffung des Gaßenkothes und die Reinigung aller Cloaden der Stadt einem Unternehmer jährlich 5000 Livres- Gegenwärtig iſt dieſes Geſchäft an eine Geſellſchaft verpachtet, welche daſür jährlich 150,000 Franes bezahlt, die Bereitung dieſer für den Uckerbau ſo wichtigen Stofie zu Montfaucon bei Mont- Martre ordentlich fabrikmäßig betreibt, und dabei noch Millionen gewinnt.

Dabier in München iſt im vorigen Jahre der erſte Verſuch mit einem ſolchen geruchloſen Ubtritte nach dem Muſter von Paris im Hotel Seiner König- lichen Hoheit des Herrn Herzogs von Leuchtenberg ge: macht worden, und dieſer Berſuch iſt in jeder Hinſicht ſo vollkommen gelungen, daß wir den däſelbſi aufge- ſtellten Apparat, näch ver beigelegten genauen Zeich nung, Jedermann zur Nachähmung empfehlen können,

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Es iſk zugleich zu bemerken, daß das Verdienſt hiex- über dem Herrn Hofbauintendanten Ritter von Klenze gebührt, der kaum, durFH die vom Herrn Stagtsrath von Hazzi in der öffentligen Verſammlung des land- wirthſc<haſtlihen Bereins den Z, Junius 1821 gehaltenen Rede über den Dunger tc,, quf dieſen Gegenſtand aufmerkſam gemacht, ſeine baldige Unweſenheit in Pa- ris auch dazu bentigte, um davon Einſicht zu nehmen, den ganzen Upparat in Original in Paris zu ſol<h' einem beweglichen Ubtritt anzuFaufen, und im beſagten Palais in Unwendung zu bringen, der auch ſchon von mehreren Seiten, ſelbſt im königl. Luſtſchloß Tegernſee, nachgemacht iſt. Herrn von Klenze verdanken wir guch dieſe Mittheilung und Zeichnung.

Fig« 1 und 2 zeigen die ganze Vorrichtung im Durchſchnitte, Fig. 3 im Grundriße,

In demjenigen, gewölbten oder ungewölbten Raume unter der Erde M N O P, welcher gewöhnlich zur Unhäufung alles Unrathes beſtimmt iſt(der eigent- lihen S<hwiad- oder Senkgrube) wird gerade unter dem Ubtrittſchlauche a b*) ein hölzener Trichter ccd befeſtigt, und unter dieſem ein mit eiſernen Reifen wohl beſchlagenes Faß A A von Eichenholz aufgeſtellt. Dieſes Faß Hat in ſeinem oberu Boden eine 8 bis 9 Zoll weite Oeffnung, in welche ein kleiner beweglicher kupferner Trichter e fg paßet, deſſen obere Oeffnung ef über die untere Oeffnung d des großen hölzernen Trichters geſteckt iſt, und welcher nach Gefallen in das Faß herabgelaſſen, oder über dasſelbe heraufgehoben, und in dieſer Stellung mittelſt zweier Haen an zwei von Uußen an dem hölzernen Trichter angebrachten Stiſten m m feſtgehalten werden kann. Das Faß A A iſt in einem Ubjiande von 6 Zoll von ſeinem untern Boden mit einer Zwiſchenwand oder einem fal- ſchen Boden Kk k verſehen, und von dieſem leßtern bis

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*) Es können auch 2 oder 3 Schläuche ſeyn, die dann an dieſen Trichter geleitet werden. In neuen Ges bäuden, und da, wo man eine ordentliche Abände- rung beſtehender Abtritte vornehmen will, wird man beſſer thun, nur einen Sc<h!au< zufähren, und in jedem Sto>werke kurze Seitenröhte in ſelben zu leis ten, was bereits ſchon vielfältig geſchieht, Es iſt dann auch leiht die Vorrichtung anzubringen, daß ſiH dieſe Seitenröhren an ihrem untern Ende mit einer Klapp? ſchließen, wie der Dedel auf dem Siße geſchloſſen wird, und auch ſogleich ſelbſt wie der öſſnen, ſobald dieſer Dedel geöffnet wird,