Druckschrift 
Über den Dünger, zugleich aber auch über das Unwesen dabey in Deutschland, besonders in der Haupt- und Residenzstadt München und ganz Baiern ... / von Hazzi. Vorgetr. i. d. öff. Vers. d. landwirthsch. Vereins in München. M. e. Beil. über die Hornviehstallungen d. kgl. würt. Versuchs-Lehranst. zu Hohenheim ... von ... Schwerz
Entstehung
Seite
75-76
Einzelbild herunterladen

TG 5 ME=| NE EE Gerzen

75

da die Berechnung naß Fudern geſchieht, mancher Ucker in ſeiner Gebühr zu kurz käme, auch aller Unſchlag und Rechnung unrichtiz würden. Beim Uufladen ijt der noch rohe unzeitige Miſt zu beſeitigen, und nur der gegohrne zu nehmen, und feſtzuſchlagen. Da auch nicht alle Düngerſchichten bei einem ſtarken Haufen im- mer von gleicher Güte ſind, je uac<hdem das Vieh mit mehr oder weniger kräftigen Subſtanzen genährt wird, ſo ergäbe ſich eine Ungleichheit in der wirkenden Kraft des Düngers, wenn man dieſen ſchi<tenweiſe d. i. in horizontaler Richtung abnehmen, und auf das Feld bringen würve, Stellen kämen ſo zu mehr, andere zu geringerer Düngung. Um ſolches zu ver meiden, brechen die Schweißer ihren ſo ganz zum all- gemeinen Muſter und Zierde hergerichteten Haufen in ſenkrechter Rihtung an, und ſchroten mittelſt eines beſondern Werkzeuges den Haufen in Streifen von der Höhe zu der Tiefe durFg, Auf dieſe Weiſe ſind alle Schichten durcheinander gemengt, und es geht auch noch der Nußen daraus hervor, daß das Stroh dadurch zerſchnitten wird, und ſo der Dünger leichter in wei- terer Behandlung zu ergreifen iſt. Uuf dem Felde vertöheilt man den Dünger reihenweiſe in Haufen von gleicher Größe und Entfernung, und zieht dabei die Höhere und niedrigere Lage des Bodens, ſo wie deſſen ganze Beſchaffenheit wohl in Erwägung. Denn auf den Höhen wird ihm von Regen und Schnee doH et- was zugeſetzt, und Vieles nach der Tiefe gebracht.

Wann iſt aber die rechte Zeit des Düngens und Dümn- gerausfahrens? Antwort: Eben das wiſſen die wenigſien Landwirthe, und begehen darüber die größten Fehler, Der Grundſaß dabei iſt jedoch ſo einfaM, als in die Augen ſpringend, und zwar nach dem Sprichwort: die Speiſen muß man eſſen, wenn ſie gekocht find. Utſo Furz vor der Saatfahre muß der Dünger ais das Bett und die Nahrung der Pflanzen auf das Feid Fommen, damit er nicht ohne Zwe da liegen bleibe, ihm nicht Sonne und Wind die beßten Säfte rauben, oder er unnüß in der Erde ſich verzehre. Der Dun gerwagen muß dann ſogleich geleert, der Dünger gleich: förmig ausgebreitet, und untergepflügt werden. Deß- wegen darf an heiſſen Sommertagen nie mehr Miſt Qusgeſahren und ausgebreitet werden, als man noch am nätalichen Tage umackern kann. Uu zu jeder an- dern Zeit ſoll] die Unterpflügung wenigſtens am zwei:

Einige

ee en een PIERRE

70

ten oder dritte! Tage vor ſich gehen. Ulſo das frühere Düngerausfahren, Liegeniajjen in Haufen auf dem Fel: de, oder die zu frühe Düngung ſind durcaus ſehr ſchädliche Vorkehrungen. Die gute Einpflügung des Düngers iſt auch ein weſentliches Erfordernißz; und der ſchwere, dichte und zähe Boden verlangt daber ein wiederholtes" Pflügen, damit der Dünger*) mit der Uckerkrume ſic ganz vermenge, Uebrigens bleibt es ohnehin bei den verſchiedenen Ubweichungen von dieſer allgemeinen Regel in Unſehung der Ueberſtreuungen der Saaten, Uebergießen 2c., wo ſo etwas in Unwen- dung kömmt,

Nac< dem zweiten Punkte ſoll alſo auch die Staatsgewalt die nöthigen Maßregeln ergreifen, um dieſen Zweck der vollen Düngerwürdigaung ſowohl für den einzelnen Bürger als die Geſellſchaft= den Staat, erreicht zu ſehen,

Die Staatsgewalt= wie kömmt die hier in Un: ſpruch? Untwort=- allerdings, und ganz mit Recht und Ordnung. Sie hat vermöge der Polizei hier eine wichtige Rolle zu ſpielen. Denn der Polizei erſte Pflicht -- mit iſt, die Sorge für Reinlichkeit, Sicherheit und Geſundheit. Und in genauer Erfüllung dieſer Pflicht leiſtet ſie der Düngerwürdigung, ſohin der Landwirth- ſchaft, die größten Dienſte; ja das Haupttriebrad davon iſt in ihren Händen. Leider hat aber bisher die Po- lizei dieſen ihren Hauptwirkungskreis noch ſelbjt nicht einmal erfannt- Einige Merkmale ihrer Pflichtaus-

*) Das Quantum des Düngers auf ein Tagwerk hängt von der Art des Bodens und der Art des Düngers ab. Dr. Burger nimmt in ſeinem Lehrbuche S. 178 vom gewöhnlichen Stallmiſt 30 zweiſpannige Fuder als Bedürfniß für ein Tagwerk alle 3 Jahre an, und ſ<lägt das zweiſpännige Fudet zu 10 bis 12 Ct. Gewicht an. Do<h alles dieſes kann und wird der Landwirth nac< der Oertlichkeit und den Ber- hältniſſen ſelbſt am beßten zu ermeſſen wiſſen, und es läßt ſich durchaus keine allgemeine Regel geben. Vielleiht wäre die einzige dabei, mit dem Felde eher zu freigebtg, als zu karg zu verfahren. Nuch die Art oder Oualität der Düngung muß ganz dem Verſtande des Landwirrhs überlaſſen bleiben. Er muß ſeinen Boden kennen, und die vor ſich gegan» gene Ausſangung desfelben dur& die leßte YVernte erwägen. Dieſe Ausſauqung gebietet nämlich zwei Rücäſiceten, nicht im darauffolgenden Jahre die väime lihe Frucht erzielen zu wollen, ſondern auf Weh- ſel= Turnus-- Notation zu denken, und eben ſo die durch die vorige Frucht verlornen Stoffe dem Boden wieder durch geeigneten Dünger zu erſeßen,