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Über den Dünger, zugleich aber auch über das Unwesen dabey in Deutschland, besonders in der Haupt- und Residenzstadt München und ganz Baiern ... / von Hazzi. Vorgetr. i. d. öff. Vers. d. landwirthsch. Vereins in München. M. e. Beil. über die Hornviehstallungen d. kgl. würt. Versuchs-Lehranst. zu Hohenheim ... von ... Schwerz
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Seite
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Kn Deutſhland, in Baiern kennt man die Vorkbheile der Steinkodlenaſche wenig oder gar ni<t, Ja ſelbſt die vielen großen Steinkohlenlager ruhen da unberührt in den Grüften, wie die Edelſteine unter den Wilden.

ad 9) Gebrannter Thon oder Klay. Man kann etwas Kalkſchutt oder Kalfaſche beimengend den tiefen ſchweren Lehmboden damit verbeſſern, lockern, trockner und fruchtbarer machen. Ie ſumpfiger, kälter und ſaurer das Erdreich iſt, deſto ſicherer kann man auf den Nußen des gebrannten Thons zählen, In der neueſten Zeit haben die Engländer große Dinge damit vollführt, ihn wie Mergel auf die Saaten und Wieſen ſtreuend, oder nac) dem Pflügen mit den Saaten ein- eggnend. Den großen Schwung des Turnips verdan: Fen ſie nebſt der Torfaſche auch dieſer Klaybenüßung,. Die neueſte Schrift des General Beatſon*) hat jeßt die Ullgemeine Uufimerkſamkeit dahin gezogen; die mei- ſten Landwirthe brauchen die Klaybeſtreuung, und ſehen ſoivohl bei den Getreidfeldern, als Flachs, Kartvofieln und Turnips die wohlthätigſten Wirkungen. Da Thon ſih beinahe überall findet, ſo bietet der Klay für Deutſchland, alſo auch für- Baiern eine neue unverſieg* bare Quelle eines Düngermittels dar**).

*) A new System of Cultivation withont(Lime, or Dung, or Sumer fallows, as practised at Knowle farm) in the couoty of Sussex, by Major-General Alexander Beatson late Governor of the Island of 3. Helena and hvnorary member of the Board of Agriculture, London 1820.

.*) Die Engländer verfahren dabei auf folgende Weiſe? Mau macht ein längliches Gehäge, eine Art von kleinen Haufen, z« B. 15 Fuß lang und 10 Fuß breit, von gränem NRaſenboden 3x bis 4 Fuß hoch. Innerhalb des Gehäges bringt man in diagonaler Richtung Luftzüge an, welc<e mit deu Löchern in Verbindung ſtehen, die in den 4 Een durch das Gehäge hindur< gefährt ſind. Dieſe Züge beſtehen aus Raſen, welche auf ihre hohe Kante in einer ſchiflichen Entfernung ſo geſtellt werden, daß der Kanal mit einem dritten Stü> Raſen oberhaib ver» ſchloſen werden kann. In jedem der vier Pläße zwiſchen dem Luftzuge und der äußern Bekleidung zündet man Feuer aus Holz und troFnem Raſen anz hierauf füllt man dieſe Art Ziegelöfen tnwendig mit tro>nem Raſen voll, welcher ebenfalls bald anbrenntz und wean nun dieſe Gluth ſo rec<t im Zuge iſt, ſo wirft man den Thon darauf, jedesmal nur in klei- ner Quantität, wiederholt es aber ſo oft, als es vöthig iſt, uach Verhältniß der Intenſität, die das Verbreunen annimmt. Die Luftzüge ſind nur zu Anfang nüßliich, und wirken nur ſo lange, bis der Raſen, woraus ſie beſtehen, in Aſche verwandelt iſt. Man läßt den Laftzug an der Windſeite offen,

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ad 10) Die bartſ<aligten Subſtanzen begreifen in ſich alle Muſchelſhalen, welche hauptſäch- lich aus Kalk beſtehen, und dadurch von ſelbſt ihren Nußen beurkunden. Findet man fie ſchon in einem Zuſtande ber Zerſeßung, ſo kann man davon denſelben Vortheil wie vom Muſchelmergel erwarten. Uuf jeden Fall dienen ſie wie Kalk.

ad 11) Die Miſchung der Urerdarten. Da- von unterſcheidet der Landwirth nur drei*)== die Kalkerde, Sand- oder Luarz* Kieſel, und Thon, Der Kalk bildet leichten, lo>ern Grund, der Sand den trocknen, brennenden Boden, und ver Thon das ſchwere, träge, zähe Land. Einleuchtend kann ießterer als Miſchung mittelſt Ueberfahren für die erſten zwei nüßlich, und ſo entgegenoeſeßt der Kalk und der Sand für den Thonboden dasſelbe ſeyn, ZZwecmäößiger er- ſHeint aber immer die Unwendung des gebrannten Kalks und gebranuten Thons oder Klay's, oder die Ueberführung von Dammerde, Fleißige, kluge Land» wirthe ſuchen ſie überall ſehr mühſam auf, in Wäldery, oder wo auf kultivirten Plägen Gebände aufgeführt werden, oder Raine, Hügel 2c, abzuſtechen ſind 2c. 2c.

die übrigen drei Oeffnungen verſchließt man, und öffnet ſie nur, wenn ſim der Wind dreht. So wie ſi< min der Klay innerhal% des Ofens anhäuft, ſo muß man die Mäuer bes Gehäges erhöhen, ſo, daß ſie wenigſtens 15 Zoll über die wagrechte Lage des Klayes geht, und die Oberfläc<ße desſelben gegeu die Wirkung des Windes auf das Feuer ſ&üßt. Das hauptſächlihſte Geheimniß bei dieſem Brande beſteht in der Erhaltung der äußern Mauer,-damit die Luft von Außen nicht durchdringen kanu, ingleichen der Sorge, daß die gauze Bodenſläcbe des Ofens leicht, aber gleichformig mit Thon bede>&t werde. Wenn der Thon ein Paar Tage zuvor getroänet iſt, bringt es Vortheile. Wenn der Ofen recht im Zuge iſt, braucht man weder Steinkohlen, Torf noch Holz hinzuzuſeßen, der Klay brennt von ſeibſt. In einigen Orten wird der Thon auch in hohen Oefen wie Kalf gebrannt, welches man für uoch beiſſer hielt.

x) Die Chemiker hingegen neun. Die übrigen erſchefs nen aber nie rein und in großer Menge. Sieh Lehrbuch der Laudwirthſhaft von Dr. Burger. Wien. 1819. S. 16- Dieſe Urerdarten ſind aber ſchon von darum auch von großer Wichtigkeit, weil der Landwirty immer zuerſt ſeinen Boden fragen, oder unterſuchen muß, indem z. B. in einer Kalk- gegend auH die Dammerde immer ſchon mehr von dieſer Urerdart in ſich enthält, und ſich alſo der mebr weiters dahin gebrachte Dünger 2c. darnach richten mus, ſohin dieſer Gegenſtand innaer in Veberlegung fonnnen ſoll.

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