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Über den Dünger, zugleich aber auch über das Unwesen dabey in Deutschland, besonders in der Haupt- und Residenzstadt München und ganz Baiern ... / von Hazzi. Vorgetr. i. d. öff. Vers. d. landwirthsch. Vereins in München. M. e. Beil. über die Hornviehstallungen d. kgl. würt. Versuchs-Lehranst. zu Hohenheim ... von ... Schwerz
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59-60
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mittelmäßige, ja ſ<le<hte Gründe zu den reichſten Uern- ten bringt. Jedoch leiſtet er dieſes nur für ſchweren feuchten Boden, nicht für magere, tro>ene, bhißige, Sand- und Kalkgründe: deßwegen ſind auch ſo große Mißggriffe ſchon geſchehen*). Es muß alſo zuerſt die Hertlihkeit, wo er in Unwendung kömmt, reif erwo- gen werden. Es gilt der Grundſaß, baß er nur da die bejien Dienſte thut, wo der Boden für ſich wenig vder gar keinen Kalk beſißt*), Dieß iſt der dichte, ſchwere, zähe, feuchte, träge und harte Thonboden. Eben ſo großen Nuten verſchafft ex=- das iſt: der gebrannte Kals, von dem allein immer die Rede iſt, auf naſſen, ſauren, vitrioliſchen Boden, indem er die Säure vertilgt, und die Natur der Mittelſalze hervor- bringt, alſo die Fruchtbarkeit befördert. Denn es iſt die Weſenheit des gebrannten Kalks, daß er mit Be- gierde die Feuchtigkeit einſaugt, die DOehle aufnimmt, und die Säuren zerſeßt. QSo verivandelt er auch die vegetabiliſche Materie in ein ſchleimigtes Weſen, welches zur Pflanzen- Nahrung durch ihn gleichſam verdaulicher wird, Doch auf die Urt der Unwendung kömmt vie- les an. Die beſte iſt in Miſ<ung mit Unmus oder Mann nimmt zu 1 Fuder Kalf 7 Fuder Humus, legt ſie ſ<ichtenweis in einen pyramidenförmi- gen Hanfen über einander, deckt ſie mit Raſen zu, und läßt alles ſo einige Tage in ſic) gähren. Gut iſt es, den Haufen zu Zeiten mit Jauche zu beſprißen, nur ſoll Regenwaſſer nicht dazu kommen. So zugedeckt kann man die Haufen 2--- 4 Monate bewahren, ohne daß

Damnmerde.

ſie die Kraft verlieren. Ueber die Fur<en des gepflüg- ten Landes vor der Sagt, oder über die jungen Saa- ten ſelbjt, beſonders über die des Klee's oder Wieſen wird nun dieſe Miſchung, und zwar vor einein nahen Regen, ausgeſtreut. Die wobhlthätigſten Wirkungen zeigen ſim bald, und zwar bei den meiſten Früchten, als Weißen, Korn, Gerſte, Haber, Rüben, Klee- Erbſen, BohnenL. Schlehte Wieſen kommen in ein

*) Sieh die ſchöne Abhandlung über Düngung mit kalk: artigen Subſtanzen von Staatsrath Thaer in den DuRolen der niederl. Landwirthſchaft. Jahrgang 4.

t. 4.

.*) Die Kalkerde(oder Kalkſtein) iſt leicht zu kennen, indem ſie, Sheidewaſſer darauf gegoſſen, aufbrauſet. Auch ein Hauch darauf unterſcheidet ſie dadur<, daß die Feuchtigkeit länger kleben bleibt.

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neues Leben, wenn man ſie im Herbſtke umbricht, kreuß: weis durchpflügt, ſie mit der in Frage ſtehenden Mi- ſchung beſtreuet, dann einegget. Bald verſchwindet al: les Unfrauc ſammt der ganzen Inſektenſhaar; und dem Boden iſt für künſtliche Wieſen oder andere Be- pflanzung neue Kraft und Fruchtbarkeit gegeben. ad 2) Mergel. Seine weſentlichen Beſtandtheile ſind Thon und Kalk: die Kennzeichen davon aber, daß er mit Säure aufbrauſet, und ſich in derſelben bald bis zur Hälfte, bald bis zum 4ten oder(ten Theil auflöſet, und eine mürbe zerreiblihe Scholle bildet, Sekt man ihn der Luft aus, ſo zerfällt er bald zu Stauberde. Die gewöhnliche Farbe iſi blaulich-grau, Der gelbe, braune und rothe Mergel verräth zuviel Eiſengehalt, wodurch ſeine guten Eigenſchaften ſich min: Es giebt übrigens Thon-, Kalk- und Sand- je nachdem er in ſeinem Gehalte mehr dem Kalk oder Sand ſich nähert, auch Sciefer- Mergel, falls er in Platten vorkömmt, Steinmergel, wenn er verhärtet iſt, ferner Gips- und Muſchelmer- gel. Sucht man mit dem Mergelbohrer, ſo findet er ſich beinahe überall, oft mehrere Klaſter tief im dürr ſten Boden, am meiſten aber in ſumpfigen Bruchgegen- den, an Flüſſen, in Hohlwegen und abhängigen Fel? dern. Der Thonmergel leiſtet die beſten Dienſte für hißige Kalk- und Sandgründe, der Kalkmergel für ſchweren Thonboden, der Sandmergel für zähes und feuchtes Land. Die Wirkung davon dauert mehrere, ja 6=-- 140 Jahre, und zwar in der Folge mächtiger, als in den zwei erſten Jahren. Gewöhnlich wird der Mergel rein und nicht zu dicht über die grünen Saa- Wenn man ſandige oder kieſigte Lände- laſſen ſich darauf die be-

dern, Mergel, Thon,

ten geſtreut. reien mit Mergel überführt, ſten Fünſtlichen Wieſen anlegen. Guter Mergelkompoſt ergiebt ſil) mit 10 Fuder Mergel, 1 Fuver Kalk und 5 Fuder Miſt. Zuerſt wird der Mergel, dann Kalk, dann wieder Mergel, jezt Miſt, endlich Mergel aufge- ſchichtet, 3 Monate dieſer Haufen ſtehen gelaſſen, und zu Zeiten mit Jauche begoſſen. Damit iſt ein ganzer Morgen Uerland ſehr vortheilbaft zu düngen. Uls Mittel, den Mergel zu ſeiner größten Wirkung für den Uckerbau zu erheben, zeigt ſich, wie bei dem Kalk, das Brennen. Da er nur eine Röiſthize nothig hat, um gut zu ſeyn, ſo kann man Meiler anlegen, und mit allerlei Reiſſig, Sträuchen, Dornen, Günſter, Stroh-

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