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Behälter läßt mau mittelſt eines in dem Kuhgraben geöffneten Zapfens alles Flüſſige laufen, und füllt ſo jeden Güllenkaſten- Der übrig gebliebene Miſt kömmt dann auf die Düngerſtätte*). NoF ökonomiſcher wird das Stroh aus dem Graben wieder Herausgefiſcht, dem Viehe von Hinten untergelegt, und mit dem trock- nen Stroh, welches das Vieh unter den Vorderbeinen hatte, bedeXt. Un die Stelle dieſes leßtern kömmt dann friſches Stroh. Ueberhaupt gilt als Regel zum guten Düngerzubereiten, die Streu nicht zu ſparen.= Es iſt alſo Grundſag beim Güſſenmachen, daß kein Urin aus dem Stalle geleitet wird. Unterdeſſen haben die Güllenwirthe doZ9 auch Urinbehälter, aber nur für den Urin der Abtritte, dann für den aus dem Dün- gerjto> unten durchgeſeihten Urin, und für die ver- ſchiedenen Spülige aus den Küchen, Wäſchereien 2c. Iſt nun auf obige Weiſe alles Flüſſige des Kuhgrabens in den Behälter abgelaufen, ſo muß man Zmal ſo viel Waſſer hinzufügen, bei Maſtvieh 5-, bei Pferden und Schafen 4-, bei Menſchenurin aber Omal ſo viel, Jeßt wird dieſe Maſſe in größere Behälter zunächſt geleitet, wenn ſolches nicht ſchon auf Hohenheimiſche Weiſe ge- ſchehen iſt, und der Gährung überlaſſen, Sie iſt wäh- rend dem Sommer in 14 Tagen=- zur Winterszeit in 4== 5 Wochen, in einem großen Sammler in 2 Monaten vollendet. Ob die Gährung vollendet iſt, ers fennt man daran, wenn die Jauche bein Rühren nicht mehr ſchäumt, Falls man Menſchenurin beifügt, kann man die Gährung um die Hälfte Zeit verkürzen. So iſt nun die Gülle fertig, Sie ſeht oben eine Faſerhaut an, welche man abſchöpft, und auf die Düngerſtätte bringt, wo man auch eine Begießung vornehmen kann,
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*) Man macht dieſem Miſt den Vorwurf, daß der Dün- ger nun um ſo ſchlechter auf der Düngerſtätte aus- fallen müſſe, weil durc< das Güllenbereiten ſchon das Beſte und Saftigſte abgeleitet iſt. Unterdeſſen die Erfahrungen beweiſen das Gegentheil. Der Dünger wird auf der Duüngerſtätte noch ſo gnt wie vorhex ohne Gülle. Dieſe hat nur das Geiſtige ex» halten, was: ſich ſonſt ohnehin verſlühtigt hätte. Dem Dünger bleiben noMg die nämlichen Kräfte, gleich dem Rindfleiſch, um doch ein Beiſpiel zu ge? ben, wenn ſchon die Snppe bereits abgeſotten iſt. Sieh D. Bürgers Lehrbuch derLandwirthſ4yaft. Wien 13819. S. 147- Es iſt dabei überſehen, daß ſelbſt das Waſſer an ſich ſhon eine nährende Kraft beſißt, eine Menge Thiere in ſich aufgeldst hat, und daher fruchtbar macht, wie dieſes auch das Wäſſern der Wieſen beweiſet 2c.
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damit dieſe Faſerhauk tiefer in den Düngerſtoc> dringt. Mittelſt eines Faſſes, oder noch beſſer des in der er- ſien Beilage gezeichneten Niederländer Karrens, bringt man nun, und zwar zu jeder Zeit, nur nicht bei Re- genwetter, großer Hiße und ſtarkem Winde, die Gülle auf die Felder, während dem Winter auf den Schnee der Saat oder Wieſe. Im Sommer kann man jede Saat oder Wieſe, jedoch dieſe nicht, wenn das Gras ſhon einige Höhe hat, damit begießen, vorzügliH aber den Klee nam; dem Schnitt*?), Die Wirknngen davon überſteigen alle Erwartung. Man ſicht auch, daß die- ſe Düngungsweiſe die mindeſten Koſten verurſacht, bei Wieſen 3. B. alle die Leute erſpart, die man beim Ueberdüngen und Ubrehen im Frühjahre braucht, Die Schweißer rechnen die Produktion der Gülle(von einer Kuh täglich zu 2 Eimer= 200 11h. Gülle,(da- von 150 fb. Waſſer und 50[b. Excremente), und ſie zeigt wirklich eine wahre Zauberkraft, ja übertrifft alle bisher bekannten Düngungsarten. Es verſteht ſich, daß die Gülle in allen Ställen, ſowohl der Kühe, Schafe, Pferde und Schweine auf die nämli<e Weiſe zuzube- reiten iſt**), Die oben bemerkten Pflanzenbegießun- gen der Gärtner in Toscang möchten au< eine Urt Gülle vorſtellen.=--
ad 2) Ulles Spülig aus Küchen, Fleiſchbänken, Wäſchereien, Brennereien, Werkſtätten, Fabriken und Bädern muß in den Urinbehälter geleitet werden, und leiſtet in diefer Miſchung für Saat und Wieſen vor» treſfſlihe Dienſte. Eben ſo
*?) Die Schweißer führen die Gülle mit einer Kuh auf das Kleefeld nach dem Schnitt, und bringen Klee damit zurü>. Ein kleiner Karrenkaſten für 1 Pferd nach Niederländer- Art iſt immer beſſer dazu, als ein Wagen. Sieh die Beilage 1.
**x) Sieh Shwerz-- Beſchreibung der Fellenbergis ſchen Wirthſchaft zu Hofwyl. Hannover 1816. S. 98 2c., wo die ganze Güllenwirthſchaft vorkommt, dann den Land- und Hauswirth von 13820. Nr. 41. Die mögliniſche Annalen 2ten Bandes 3tes Stü> S. 374. Endlich das Wochenblatt des landwirthſchaft- lichen Vereins in Baiern, Jahrg. X. S, 413-4602.
Welche vortrefflihe Dienſte die Gülle ſtets letz ſtet, beſonders auch bet dem Leinbau, darüber ſieh den Bericht über das Streben der Hohenheimer- Anſtalt in landwirthſc<aftlicher Hinſicht während der Jahre 1320-=- 1821 von dem Direktor v. Schwerz in dem neueſten Heft des Correſpondenzblattes des landw. Vereins von Würtemberg. Stuttgart bei Cotta 1322. Wie nothwendig wäre die Gülle heuer gallen KleeäFern geweſen!!===
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