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Über den Dünger, zugleich aber auch über das Unwesen dabey in Deutschland, besonders in der Haupt- und Residenzstadt München und ganz Baiern ... / von Hazzi. Vorgetr. i. d. öff. Vers. d. landwirthsch. Vereins in München. M. e. Beil. über die Hornviehstallungen d. kgl. würt. Versuchs-Lehranst. zu Hohenheim ... von ... Schwerz
Entstehung
Seite
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ad 3) Ulle Ubfälle bei den Shla<hthäu- ſern ſollten, wie oben bei den Ueſern bemerkt, auf die nämliche Weiſe behandelt, das iſt, in eine Grube ge- bracht, mit Kalk bede>t, und mit Erde überſchüttet werden.

Man verfährt gewöhnlich ſo, daß man den Hau- fen nach 40 Tagen wendet, ihn neu vermengt, nämlich im Verhältniß von 40 Karren Erde zu einem Karren der erſten Miſchung. Man läßt dann das Ganze ei- nen Monat lang ſtill ſtehen, ehe man Gebrau< davon macht. Dieſer Dünger dient im Frühjahre vorzüglich zum Ueberſtreuen der Getreidſaaten, und der Wieſen, wie auch aller Futterfräuter- Bald zeigen ſich davon die wohlthätigſten Folgen,

ad 4) Ulle Ubfälle aus. Fabriken und Werkſtätten können oder für ſim zu Dünger ver- arbeitet, oder zum Aufſchi<hten auf die Düngerſtätte gebraucht werden. Im erſten Falle ſind jedoch z. 25 wollene Lappen in kleine Stücke von 1=-=2 Zoll ins Ge- vierte mit einer Maſchine zu zerſchneiden, über den Erdboden qauszubreiten, und einzupflügen.(Sie ver- ſchaffen dem leichten Boden den Vortheil, daß ſie die Feuchtigkeit vom Regen und Thau aufhalten. Das» ſelbe leiſten alle Ubſchniße von Leder, Hornſpäne, Haare tc.*). Wenn man alle dieſe Abfälle mit Säge- Mehl, Holzaſche und Kalk untereinander ablagert, bis ſie ſich zerſtören, dann mit Dammerde miſcht, erwirbt man einen ganz vortrefflichen Dünger, beſonders auch zum Ueberſtreuen. So giebt aum das gefaulte Holz auf Zimmerpläßen einen ganz vorzüglichen Dünger für Gärten, beſonders für Blumen.

ad 5) Oelkfuchen ſtößt oder mahlt man klein, und ſäet das Pulver vor der leßten Pflügearbeit auf leichten Boden mit der Hand aus. O Theile Delku- Hen und 4 Theil Kalx mit einander gemengt, gewäh- ren aber auf jeden Boden, beſonders auf kaltem Lehm-

*) So z. B. hat Hr. Sommer in Münken ſeinem Garten und Obſtbäumen einen großen, ja wunder? baren Schwung gegeben, daß er in der ganzen Ge- gend durch arme Leute alle verworfenen Schuhe ſam- meln ließ, und ſie in die Graben vertheilte, wo er ſeine Bäume ſeßte. Ein anderer Landwirth in der Oberdonaugegend, Hr. Hofrath Sak zu<ſtädt, ſammelte den ganz unnüß weggeworfenen Brechagen, machte daraus einen Compoſtdünger, und dadurch die ganze Flur ungemein fruchtbar, ſo daß 1zeßt viele Dörfer dieſem Beiſpiele folgen.

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Boden, noch größern Nußen, und zwar über die Saa- teu, beſonders Weißenſaaten, geſtreut. Doch iſt dieſe Miſchung erſt nach 40 Tagen zu gebrauchen, und inz- ner dieſer Zeit täglih umzurühren. Um das Zerſioſ- ſen zu beſeitigen, wirft man ſie an mehrern Orten auch in die Jauche, Unterdeſſen iſt es wirthſchaftficher, die DOelkuchen zu verfüttern, indem dieſe Düngerart im- mer koſtbar, und alles wohl zu berechnen iſt*).

Die Oele, eigentlich die Reſte davon, düngen ebenfalls vorzüglih. Man macht eine Miſchung mit warmer Pottaſche zu gleißen Theilen, rührt ſolche eine Zeitlang in einem Faſſe um, gießt X ſiedendes Wajſer dazu, und ſchwankt ſo das Faß berum, Man kann dieſes dann im flüſſigen Zuſtande gebrauchen, oder mit Sägemehl oder Dammerde verbinden, und damit dün- gen« Weiters miſt man derlei Oele auch wit fau- lenden thieriſchen oder Pflanzentheilen, und findet da- durc< große Düngerkraft. Unterdeſſen bleibt alles dieſes immer koſtbar, und iſt wohl der Kalful vorerſt zu ziehen").

ad 6) Ulle verwelfkende Pflanzen auf der Erde und im Waſſer ſind von ſelbſt die natürlichſten

*) Der Repskuchen als Düngmittel bedient man ſich ſchon ſeit einiger Zeit in verſchtfedenen Gegenden Englands, vorzüglih in Yorkſhire und Nor- folf. Ehmals rechnete und gab man eine Tonne pr. Acre, ſeitdem ſic< jedd< der Preis dieſes Ar- tifels erhöhte, Seſ&ränkt man ſich mit einer Tonne für 3 Acres, ja Hr. Loke zu Holkham langt ſo- gar mit einer Tonne auf 5--6 Acres aus. Er zet- brößelt nämlich die Kuchen in kleine Stü>en, und pfiugt ſie, beiläuſig 6 Wöochen vor der Saatfurc<he unter, um ihnen Zeit zu laſſen, ſi) im Boden auf=- zulöſen.- Werden zerriebene Repskachen zugleich mit dem Weißenſamen ausgeſäet und untergepflügt, ſo beſchleunigen ſie den Wuchs der Saat ganz unz gemein. In Flandern hat man die Erfahrung ge? macht, daß gepulverte und ausgeſäete Jiepskuchen die in na(ſen Böden ſo ſchädliche Maulwurfsgrille CGryllus, Gryllo talpa) vertilgen; und auch an» dere Inſekten derſelben Art dürften durch dieſes Mittel vertrieben werden. In den Niederlanden bedient man ſich dieſes Düngungsmittels in ſolcher Menge, daß ein Landwirth, der nur 75 engl. Acres bebaut, eine Summe von 5000.Reps- und 3300 Mohnfuchen als Dünger verwendet; ſie koſten ihm jährlich 60&. Sterlinge oder 660|l,

5+) Ueber die Lein==- Repskuchen und Oelſämen als Futter, ſieh: Ueber Behandlung, Futter und Ma- ſtung des Viehes der Landwirthſchaft, vom StaatE8» Rath von Hazzi. Münden bei Fleiſ<mann 1820, S. 39+