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Über den Dünger, zugleich aber auch über das Unwesen dabey in Deutschland, besonders in der Haupt- und Residenzstadt München und ganz Baiern ... / von Hazzi. Vorgetr. i. d. öff. Vers. d. landwirthsch. Vereins in München. M. e. Beil. über die Hornviehstallungen d. kgl. würt. Versuchs-Lehranst. zu Hohenheim ... von ... Schwerz
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und Uusbildung der Pflanzen, ſohin auch zur Hervor- bringung der möglichſt größten Fruchtbarkeit*).

Dieſe verſchiedene Dünger- Materialien thei- len ſich wieder in drei Klaſſen, als trocene, flüſſige und grüne.

In die erſte Klaſſe rehnet man 1) den Miſt aller Thiere, 2) die Verweſung ihrer Körper und Kno- <en, 3) alle Ubfälle in den Schlachthäuſern, 4) alle Abfälle in Werkſtätten, Fabriken und Manufakturen, 5) Oelkuchen und Oele, 0) alle verwelkende Pflan? zen auf der Erde und im Waſſer, 7) Waſſerſ<lamm, 8) Gaſſenkoth, Sägeſpäne 2c, 9) Kehricht von Land- Straßen, 10) Mauerſchutt, 11) Malzſtaub und Ubfälle, 12) Gärberlohe, 13) Ruß, und 14) Torf.

In die zweite Klaſſe gehört 14) aller Harn der Thiere, 2) alles Spülig aus Küchen, Fleiſchbänken, Waſchereien, Brauereien, Werkſtätten und Fabriken, 3) das Waſſer der Flach3-, Hanf- und derlei Röſjiun- gen, 4) Ueberſ<lämmungen.

Iur dritten Klaſſe zählt man alle geſtürzte Saaten, wenn man nämlich z. B. Erbfen, Bohnen, Klee, Korn, Wicken, Heidefkorn, Rüben und andere ſaſtreiche Pflanzen in voller Blüthe unterpflügt.

Die Düngungsmittel ſind eigentliH nur Be- helfe zum Uuflöſen, Reißen und Zerſeßen== und zwar aus dem Mineralreiche, als 1) gebrannter Kalk, 2) Mer»

*) Sehr gut iſt alles dieſes augeinandergeſeßt in Hof» rath Bährens Schrift:Die uatürlichen und künſt- lichen Düngermittel. Leipzig 1820«,

Ferner ſiehe: Traite des engrais, ture de diffe- rens rapports, faits au departement- d'agricul- ture d'Angleterre avec des notes, Suivi de la traduction du memoire de Kirvan zur les en- grais par F, G, Maurice. Geneve 1808.

Nicht minder Essai sur la nature des engrais par Arth, Young. Paris 1808.

Siehe auch die engliſchen und franzöſiſchen Preiso Schriften über dieſen Gegenſtand 26. Dann Par- mentier über die Ratur und Wirkung der Dünge- Mittel. Leipzig 1796. Thaer Einleitung zur eng? liſchen Landwirthſchaft 1. Th. V. Kap. Deſſen Srund- ſäße der ration. Landwirthſc<öft 11. B. 173-274. L. A. v- Syprain Abhandlung zur Beantwortung der Frage?Welches ſind die Urſachen der Fäulutß in vegetabiliſhen und animaliſchen Subſtanzen? Eine gekrönte Preisſchrift, aus dem Holländiſchen überſeßt von Doring. Marburg 1800, Vollſtäg: dige Ueberſicht der Düngemittel von Som merville aus dein Engl. mit Anmerkungen von Wichmann, Leipzig 1800- Fiſcher Abhandlung von der Düus gung. Söttingen 1803. Die beßte Att, Düngergruz ben anzulegen, von Grafen y, Burghgus, Sc<weid2 niß 1805«:

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gel, 3) Gips, 4) Kreide, 5) Salz, Pfannenſtein und Salzaſche, 6) Salpeter und Salpeteraſche, 7) Holz: Aſche, Pottaſche und Seifenſiederaſche, 8) Torf und Steinkohlenaſc<he, 9) gebrannter Thon, 10) bhartſcha- ligte Subſtanzen, 411) die Miſ<ungen der Urerdarten, 12) Compoſtdünger*), 13) mehr andere derlei künſtliche Compoſitionen nnter dem Namen ver künſtlichen Dün- germittel, Düngerpulver, Düngerrezepte, Düngerſalze 2c- 14) das Raſenabplaggen, und 15) die Wäſſerungen.

Bei allen dieſen Dünger- Materialien und Dün- germitteln hängt aber die Hauptſache von dem zwe- mäßigen Gebrauche ab.

Alle oben aufgezählten Dünger- Materialien in der erſten Klaſſe können nur mit dem allgemeinen Namen Miſt oder Miſthaufen bezeichnet werden. Denn fie find noMm nicht wirkliher Dünger. Erſk die Gäh- rung macht ſie dazu. Alſo Jjeßt

vom Gährungs-Prozeß-

Es iſt natürlim hier nur von der faulenden Gäh- rung die Rede, wo mittelſt der Wirfupygen von Wär- me und Feuchtigkeit die organiſchen Körper ſich zerſtö- ren. Dazu giebt es 3 Grade, 1) Unfang der Fäul- niß. Hier iſt die Wärme oder Hiße am größten, in- dem das meiſte flüchtige Laugenſalz ſich entwickelt, am ſichenden Harngeruch erkenntlich. Der te Grad iſt die Zerſezung. Hier nimmt die Hiße ſtufenweiſe abz das Stroh und dergleichen wird ſchon zerbrechlich 3 in der Maße entwickeln ſich Salze, und alles wird trock- ner und dichter als zuvor. Der Z3te Grad iſt endlich die Verbrennung. Die tritt ein, wenn die vorige Zerſezung länger dauert, ſo daß die Vegetabilien ihr organiſches Gewebe verlieren, die vorigen Körper gleichſam zur Uſche ſich zerſivren, und die geſammte Materie in eine ſHwarze troFene Erde=- in die Damme Erde-- Humus ſich aufiöſet- Einleuchtend iſi der zweite Grad derjenige, wo der Dünger für den vfonomiſchen Gebrauch ſeinen beßten Zuſtand erhält. Der gemeine Bauer drückt dieſe Eigenſchaften ganz einfa<, aber doch ſehr richtig, damit aus, daß er den erſten Grad den zu naſſen, zu hißigen Dünger, den zweiten den rechten, ſpeckigten, und den dritten dein verbrannten, alſo weniger nüßlihen nennt**).

*) Dieſer und na<hſiehende ſind zum Theil ſchon gemiſchter Art, aus Düngungs-Materialien und Mittel beſtehend. 5*) Dieſe ganze Lehre wollte erſt jüngſt durc< Hun. GS az- zeri's Schrift== über Dünger und deſſen nüßliche