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34 „Und auch in dieſer Hinſicht erſcheint die gegenwärtige „Straßenreinigungs- Unſtalt ganz fehlerhaſt und äußerſt nadtbeilig. Gehe man in die Dörfer der Münchner- Gegend, und allgemein wird man die Klagen hören, daß deßwegen ihre Felder täglih mehr veröden müſſen, weil ſie von der Stadt keinen Dünger mehr bekom- men, wie ehedem. Wie er jeßt iſt, ſagen ſie, tauge er Nichts, ſey zu naß, weil das Gaſſenkebricht ſich nicht mehr darunter befinde« Dieſes wirkt auch ſehr mißlich
auf den Hauseigenthümer zurücc, Während die Haus-,.
Eigenthümer dieſen Dünger theuer verkaufen könnten, müſſen ſie ſezbſt dafür zahlen, So koſtet zum Beiſpiel In meinem Wohnhauſe das jedesmalige Hinwegſchaffen 6 fl., das Jahr zweimal macht jährlih 12 fl. Bei größern Häuſern koſtet es noh mehr, ſo z. B. mußte jüngſt das Muſeumgebäude ſogar 80 fl. daſür zahlen, Das alles iſt unglaublich, und doch ſ9*), und dem ganzen ſo drückenden Uebelſtande wäre damit abgehol- fen, nämlich nach der alten natürlichen Weiſe, daß die gegenwärtige Straßenkoth- Ubſührung aufhört, und je: der Hauseigenthümer den Kehricht in ſeine Ubtritt8gru- be bringt, wodurch da ein zweckmäßiger Kompoſtidünger entſteht, der leicht an die Landwirthe oder Gärtner zu verkaufen iſt, Die Stadtgemeinde gewänne jährlich dadurch eine reine Summe von 7» ja gar von 9000 fl., wenn auch in Unſehung der Zſar und der Kanäle die nöthige Ordnung und Reinlichfeit einträte**), Wie ſchon geſagt, jeder Hauseigenthümer bekäme ſtatt einer bedeutenden Uusgabe eine Einnahme, und ganz Mün- <en eine reinligere, geſündere und ſchönere Geſtalt, Uus der öden Umgegend würden mit dieſer neuen Dütn-
*) Eben fo iſt'das beſtändige, freilich nöthige Schnees Hinwegfahren im Winter eine betröchtliche Ausgabe. Dazu kömmt htier wegen der allgemeinen Unſauber- keit eine eigene Rattenſteuer. Mancher Hauseigen- thämet haft nämlich dem ſogeuannten Raßendoktor jährlich 6, 3, 11 fl. zu zahlen, um von den unzäh- ligen Ratten ſich retten zu können,
Wie weit beſſer hätten die ſeit 14 Jahren verlors nen 08,000, dann wieder 44,000, alſo 120,000 fl. in Anwendung fommen können! Mit ſolchen jährli- :<en Summen von 9000 fl. könnten die ſ9 dringend Üöthigen polyivhniſchen Schulen errichtet, und die Tſar in ſteinerne Dämme eingeengt werden. Vie- Jes Land würde dadurc< errungen, und die gegen? wärtige Wüſte von Harlaching bis Untervöhring ver- ſchwunden, ja in eine ſchöne, einer Hauptſtadt wür: dige Umgebung verwandelt ſeyn 2c, 16,
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germaſſe*) bald die üppigſken Fluren auferſtehen, und dann vollen Wohlſtand verbreiten.
7) Wie es ſim? bei den Ubtritten verhält, ſo iſt der Fall auc< bei den Schlachthäujern, Werkſtatten,
Fabriken. Meijtens ſind ſie an die Kanäle geſtellt, da- mit da Ulles ablaufen kann. Der gleiche Nachtheil zeigt ſim dadurch für die Kanäle, und der Dünger iſt wieder verloren. Uller dieſer Ublauf ſollte in den Urin- Behälter geleitet, und ſo als flüſſiger Dünger benüßt werden, Das nicht flüſſige davon gehört dann in die Abtritt8ögrube, vder auf die Düngerſtätte,
8) Das Nämliche gilt in Unſehung der Wäſche» reien. Ulle ſind ſie an den Kanälen, und Waſchwaſſer
und Lauge wird dann in den Kanal geſchüttet, was alles für den Urin und flüſſigen Dünger die beſten Dien- ſte leiſtet.
9) Ein niHt minder großes Uebel beſteht in Anſe- hung der ſogenannten Kandeln, des Unsguſſes und Saffelſchüttens dahin. Die gepflaſterte Straße hat nämlich auf beiden Seiten eine Rinne, die man Kandel beißt. Der Hautzwe>k davon iſt der Abfluß des Regen- und Brunnenwaſſers, alſo ſchnellere TIroXenlegung der Straßen; aber wie werden dieſe Kandeln gegenwärtig mißbraucht! Sie müſſen wieder einen offenen Ubtritt darſtellen. Uus jedem Hauſe kömmt alles Spülig von Küchen, Waſchereien, Brauereien, Werkſtätten und Fab- rifen, aud) Urin dahin geſ<wemmt, oder wird in Scäffeln dahin getragen, und da ausgeſchüttet. Dieſe Kandeln haben daber oft grünes, bald gelbes, bald blaues, bald braunes, bald blutiges Waſſer. Der Shmuß
"?) Man rechnet im Durchſchnitt die Excremente des Menſchen täglich auf 3&. Dazu den Gaſſenkehricht und Kalk gerechnet, macht es monatlich 3 Zentner 60&., alſo im Jahre ſicher 40 Zentner. Damit kann 3 Tagwerk im beßten Düngungszuſtande erhalz2 ten werden. Sonderbar, daß eben ſo viel Raum nothwendig iſt zur Erzeugung des für den Menſchen jährlich nöthigen Getreides. Bringt may nun dieſe 40 Zentner auf die Bevölkerung Münchens in?ly- ſchlag, ſo macht dieß anf 60,000 Einwohner 2 Mils lionen 4035,000 Zentner. Davon fönnen 20,000 Tagiwerke zureichend Dünger erhalten, und rechnet man den übrigen Dünger ebenfalls auf 2 Millionen 400,000 Zentner, wie er in Betracht der Schlachthäuſer, Werfſiätte, Fabriken, Ställe 1c. ſicher beträgt, ſo macht dieß weiters 20,006 Tagwerke, alſo 40,009 Tagwerke oder 22[] Meilen.-- Alſo könnte--- ſelbſt im Anſchlage nur die Hälfte oder 2 Drittheile angenommen-- die Umgegend weit und breit in den fruchtbarſten Stand geſeßt werden,
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