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Über den Dünger, zugleich aber auch über das Unwesen dabey in Deutschland, besonders in der Haupt- und Residenzstadt München und ganz Baiern ... / von Hazzi. Vorgetr. i. d. öff. Vers. d. landwirthsch. Vereins in München. M. e. Beil. über die Hornviehstallungen d. kgl. würt. Versuchs-Lehranst. zu Hohenheim ... von ... Schwerz
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25 AUEL UGETEE. 24

ſehen ſie meiſt aus, nit anders, als wie Räuberhöh- ſen. Vor Kotb iſt kaum umbherzuſteigen, Das arme Bieh liegt da im Moraſte, in niedern Ständen voll von Dampfe, voll von Geſtanke, wahres Mitleid ein- Abßend, Die Wampen der Kühe ſind vom Miſte wie mit ewigem Filze bede>t, den Manzel alles Pußens, zeigend Der Barren( Futtertrog), wie alle Gefäße, Geſchirre und Werkzeuge ſtroßen vom Schmuße, eben jo die Wände und Deen, von Spinnengewebe, und von Ungeziefer*). Froh iſt man, aus ſolchen ſcheußli- lichen Löchern wieder zu kommeu.=- Von der Kenntniß des Düngerhaufens, ſeines Gährungprozeſſes entdeckt man ſelten nur eine Spur. Die Zeit des Düngeraus- führens iſt meiſt der gelegenen Zeit, oder ganz der Willkühr der Dienſiboten überlaſſen. Es kömmt der Dünger oſt zu naß, oft ſchon verbrannt, oder ſchimm- lig auf den Ucker, und beſißt daher dea dritten Theil der Kraft nicht mehr des gehörig gegohrenen Düngers. Uljo find zwei Drittheile fier verloren, Eben ſo be- merkt man bei dem Düngerausführen, daß ſchon am Wege ein großer Theil von dem Wagen fällt, eine ei- gene Düngerſjtiraße bis zum Uder bildend. Dort wird auch der Dünger ſorglos abgeleeret, bleibe in kleinen Haufen, oder auf dem Felde ausgebreitet viele Ta Gb» Wochen oſt, ſo liegen, bis ihn das Einpflügen trift; und ſo ſind idm, bevor er in die Erde kömmt, von Luſt und Sonne ſchon die beßten Säfte geraubet, wie man aucy nac dem Umpflügen meiſt noch große abge- ſpühlte und vertro>nete Lappen gewahret. Auf gleich ſchädliche Weiſe verfährt man bei den Wieſen, die man im Herbſije mit Dünger überlegt, und dann im Früh- Zahre wieder davon beſreit, Das Uusbreiten des Dün-

*) Da, wieſchon bemerkt, ſtt<t freilich Alles in den Niederx- landen, der Shweiß, einzelnen Gegenden Deutſchlands und beſonders in Nordholland auffallend dagegen ab. Im leßternſind nicht allein alle Häuſer von Innen undAuſſen == ſondern anc< ſo die Ställe voa Inuen und Auſſen mit ſchönen Farben bemalt, ſelbſt der Düngerkarren, die Miſtzabeln, ja alle Geräthe ſind mit weiſſer Delfarbe angeſtriHen, und haben ſogar vergoldete Köpfe, ſv daß alles die höchſte, wahrhaft glänzende Scönheit und Reinlichkeit äußert; aber auch die Weiber und Mädchen glänzen durch blendende Weiſſe, und roſenrothe Wangen, ſie ſind in einer>ſc ref2 <en undſchönen Natkonaltrac<ht mit goldenen Spangen, wenn ſie zur Kirche oder auf den Markt kommen, und mit diamantenen Haarnadeln, dann deu feinſten Brüſſeler Spißen geſchmüä>t. Dieß iſt alles Wirkung des ſorg- ſäliigen und ausdauernden Fleißes daſelbſt in der Eandwirthſchaft.

ENSE REN ALEC

gers im Spätjahre, und dann Abrechen im Frübjahre ha- ben doppelte Köſten verurſacht, während Sonne und Luft die vligten und ſalzigen Theile dem Dünger, alſo auc) dem Boden entziehen. Die ganze Nachbarſchaft fühlt ſolHes durM die üblen Gerüche nur zu ſehr, wenn dieſen ausgebreiteten Dünger der Schnee nicht deXt. Indeſſen wahr iſt, daß in manchen Gegendeu die Landwirthe ihre Aecker dur<'Mergel, Kalken und andere Miſchungen von Erde zu verbeſſern ſuchen, auch andere Düngermenge gebrauchen, 3z., B. in der Ge- gend von Nürnberg mit Lumpen 2c., endlich daß viele Wieſen gegipſet, gewäſſert, mit Jauche begoſſen wevr- den*). Wahr iſt aber auch, daß man nur zu viele Beiſpiele anführen könnte, wie dabei nach ganz falſchen Grundſäßen verfahren, und dadurch die Sache eher üb- ler, als beſſer gemacht wird, ja daß Zeit, die Urbeit und das Geld ganz zwecklos hier verloren ſind. Wir wollen nun bei den Flecken und den Städten betrach- ten, was da für eine Wirthſchaft mit dem Dünger vor ſich geht.

Man findet bei ven Flexen beinahe die nämlichen Verhältniſſe wie bei den Dörfern, alles den gleichen Sc<hmuß, die volle Unfunde über Dünger, die gleiche Vernachläſſigung zeigend. Selbſt bei den kleinen Städ- ten gewahrt man dasſelbe. Die Straße, die Gaſſen erſcheinen ſtets ſehr unrein. Um das Städtchen um: Her verpeſten ſtinkende Gräben die Luft, In den Häu- ſern fehlen die Ubtritte, oder ſind ſchr ſ<le<t im Ho- fe, oder auf einen Fluß oder Bach ganz offen hinge- ſtellt. Um den Hof, die Ubtritte zu reinigen, haben die Häuſerbeſiger meiſtens einen Kontrakt mit einem Bräuer oder Landwirth, der den Dünger gabführt, und dem Hauseigenthümer dafür einen Ucker zum Rüben- oder Kartofſelbau auf ein Jahr überläßt, Dieſe Hauseigen- thümer Fommen dabei doch beſſer weg, als die in gröſ- ſern Städten. Doch um alle dieſe widrigen Verhält-

niſſe, oder die ganze heilioſe Düngerivwirthſchaft in das

Licht zu ſeßen, wollen wir ſogleih die größte Stadt des Reichs, die Hauptjtadt München vor uns nehmen, und das Ganze dabei zergliedern, weil das Mehr oder

*) Sieh hierüber gekrönte Preisſchrift über Güter- Ak xondirung mit der Geſchichte der Kultur und Lands wirthſchaft von Deutſchland von Staatsrath von Hazzi. München bei Fleiſchmaun 1818. S. 2899 Siehe überhaupt in dieſem Werke die ſtatiſtiſchen Ums riſſe der Landwirthſchaft in jedem Kreiſe- äo0ter Abſchnitt. S, 142,