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Über den Dünger, zugleich aber auch über das Unwesen dabey in Deutschland, besonders in der Haupt- und Residenzstadt München und ganz Baiern ... / von Hazzi. Vorgetr. i. d. öff. Vers. d. landwirthsch. Vereins in München. M. e. Beil. über die Hornviehstallungen d. kgl. würt. Versuchs-Lehranst. zu Hohenheim ... von ... Schwerz
Entstehung
Seite
19-20
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Toskang ſtets glei große Wunder wirkt. Aber was herrſcht da auH. für ein Fleiß, nicht nur für jede DüngerfabriFation bei den verſchiedenen Düngerhaufen, ſondern au<g bei der Sammlung und Miſchung des Auſſigen Düngers. Genau wird ferner die Zeit beobachtet, und eingehalten, wenn der eine oder andere Dünger auf die Felder und Wieſen kommen muß. Um ihn dahin zu bringen, und Nichts davon zu verlieren, fieht man eigens dazu ver- fertigte bede>te Karren mit dichten waſſerhaltenden Böden und feſten ganzen Seitenwänden, welche Karren nebenbei ſo leiHt ſind, daß ſie ein O<hs oder Pferd gemächlich ziehen kann*). Und daß Belgien, wie ſchon betinerkt, dieſer großen vollen Düngerwürd!aung den hohen, ſelbſt in England bewunderten, aber do noh nichter- reichten Wohlſtand ſeiner Landesfultur verdanke, dars über it unter allen Sachverſtändigen nur Eine Stimme, Unterdeſſen hat England dor dieſes große Beiſpiel von Belgien ſich am meiſten zu Nußen gemacht, und tief begriffen, daß im Dünger das ganze Gebeimuiß des Flors der Landwirthſchaft verborgen liege. Ulles vuft und ſpekulirt jezt da um Dünger. Sie haben den Kompoſtdünger zu einer hohen Bollkommendheit gebracht, ſo auch im gebrannten Klay(Lehmerde); dann in der Torfaſche, in den Salzen und Rapsku- hen 206. ein vortreffliches Düngungsmittel gefunben, Beſonders erhielt der Gartendünger eine ſo!lHe Mi- ſchung und Verbeſſerung, daß England nun troß an- dern Ländern die beßten Gartenfrüchte beſißt. Ja Eng- land hat dadur<Mg in der Garten- und Obſkkultur-- ermuntert durch den ſeit 1804 beſtehenden Garten» Verein**) Rieſenſchritte gema<t. Wer vor einigen Jahren in England war, und jekt dahin kömmt, er- erſtaunt, Statt den ehemalig ſauren Obſt und Trauben nun die ſchönſten und beßten Sorten davon zu finden, gleich als hätte ſie Italiens Boden ſelbſt getragen***), Ul8 Beiſpiel mag dienen, um die Begierde der Engländer

*) Es iſt nicht mehr problematiſch, das das Fuhrwerk der einſpännigen Karren, wie in den Niederlanden, England und Frankreich, weit zwe&mäßiger und nüß- licher iſt, als die deutſchen 2= und 4-ſpännigen Wägen.

**) The horticultural Society of London-- ein Mu- ſter für alle andere Staaten. S. Wocenbl. des landw. Vereins Jhrg. IX, S. 158.

6:3) Es war ein altes engliſches Sprichwort, um das Schlechte und Saure einer Sache zu bezeichnen== as Sour as Grapes== ſo ſauer wie engliſches Obſt

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naß Dünger auch im voſſen Like zu ſchen, daß kaun ſeit 2 Jahren in Deutſchland das Knochenmehi als ſo vorzügliches Düngungsmittel bekannt wurde, ſchon mehrere engliſche Schiffe ganze Ladungen von Knochen im nördlichen Deutſchland holten,=- Italien giebt uns ebenfalls ein großes Vorbild der Düngerwürdigung dur< das eingeführte Ueberſchlämmen, Begießen und Wäſſern des Bodens, dann beſonders durch die j'ht allgemein ſich verbreitende grüne Düngung,

In FrankreiH endlih hat der Kothanger in Pa vis zufällig zur Kenntniß gebracht, was die Chineſen ſ<on vor Jahrtauſenden wußten, daß nämlich die menſchlichen Exkremente nog den allervorzüglichſten Dünger liefern. Es übernahm ſeit 4782 Bridet et Compagnie die Reinigung aller Ubtritte von Paris, und zahlte nebenbei der Gemeinedekaſſe jährliH die Summe von 97,009 Fr., alſo im Durchſchnitt 100,000 Francs, ſage hunderttauſend Franken. Dieſer geſame- melte Koth,=== man zählt dazu gegen 18,000 Karren jährlich== wird von jeher außer Paris zu Montfaucon aufgebäuft, der Ort heißt daher der Kothanger von Montfaucon. Statt daß nun die Chineſen ziegelför- ntige Kuchen daraus bilden( Ta-16)*), und aus die- ſen ganze Magazine anlegen, wird der Koth bier von Bridet durch Ubzug der Flüſſigkeit zu einer Urt Pulver fabrizirt== Poudrette oder pulveriſirter Miſt genannt, dieſes Pul- ver in Säcke gepackt, und in ganz Frankreich als der wirkſame Dünger verführt, und ſo verkauft**). Man

oder Trauben. Jeßt verliert dieſes ganze Sprich» wort die Anwendung. So kann der Fleiß den Bo» den, ja alle Verhältniſſe ändern!=-

*) Sie mengen nämlich mit dem friſchen Koth Lehm oder Mergel, machen eine Art Ziegel daraus, die ſie dann in gehöriger Zeit verwenden.

**) Die Gärtuer von Peſcia im Tosfkaniſchen holeu nam Simonde's toskaniſcher Landwirthſchaft S. 34, den Koth aus den Städien, verdünnen ihn mit zmal ſo viel Waſſer, und begießen nach 5 Monuga2 ten die grünenden Pflanzen damit, und nichts über- trift die Wirkſamkeit dieſer Düngung. Auch in an- dern Gegendea Jtalieas wird bereits dieſe Dän»2 gungsart häufig nachgeahmt,= und verdient, das guch bei uns Verſache darüber angeſtellt werden,

So iſt auch in jedem Hauſe von Nizza eine Grube, wo mau die Exkremente der gguzen Familie als etwas Koſtbares ſorgfältig aufbewahrt; die Landleute drängen ſich herbei, ſie zu kaufen. Der gewöhnliche Preis für eine Perſou iſt 3 Franken z aber dieſer Preis wechſelt nach Qualität und Qugn?