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Maulbeerbaum, Morus. Von Dieſer Gattung ſind folgende Arten zu be- merken:
1) Schwarzer WMaulbeerdaum, M. nigra E. Vaterl,: Jtalien, am Meerſtrande, Perſien. Stamm: auf- recht, groß, rauch, theilet ſich in eine gro- Be, äftige, weit umher ausgebreitete Kro» ne, 20 F, hoch und darüber. HDlätrer: Herzförmig, rauh. Srüchte: große, ſaf- xige, ſchwarze Beere, die nicht eher erfol- gen, als bis der Stamm eine gewiſſe Stär» Xe und eine gute Anzahl Jahre erreicht hat. Dieſer Baum iſt unter den übrigen der ein- zige, welcher unz ſeiner Früchte willen an- gepflanzt wird. Er ift aber ſehr weichlich, vumd leidet leicht Schaden bey ſtarkem Fro- fie. Man pflegt ihn daher gern zwiſchen Gebäude zu ſeßen, wo er vor ſtarken Win- ven Schuß hat, und doch die Sonnenſtrah-
ben genießen kann, Die Früchte reifen zu*
Ende des Aug. und Anfange des Septem- bers, und zerquetſchen ſich leicht, wenn ſie auf einen harten Boden herabfalien, wes- Haib man, um ſolches zu verhüten, unter dem Baume, ſo weit deſſen Zweige rei- <hen, Stroh ausbreiten muß, da man ſie dann von klbſt abfailen läßt, oder gelinde ſchuttelt, indem ſte nicht alle zu gleicher Zeit reif werden. Sie faulen, wenn ſie reif geworden ſind, in wenig Tagen, und ſind doch. nicht eher zu genießen. König Friedrich 1), war ein großer Liebhaber die- ſer Frucht, weshalb zur Befriedigung ſei- nes Geſchmacks immer einige Bäume in dem Garten zu Sansſouci unterhalten wer- deit mußten- Um von den Früchten län» gern Gebrauch zu machen, kann man den ſüßſauerlichen Saft mit ZuFer einkochen z3 dergleichen Syrup iſt für Kranke ein erqui- Fendes Mittel. Das in den- Apotheken
Mattlbeerb
befindliche Diamorum wird aus Maukbeer» ſaft und Honig gemacht, und dieſes allein, oder. mit Waſſer aufgelöſet, lindert den Durſt, die Schärfe des Halſes und der Bruſt, Auch wird der Saft mit rothem Weine vermiſcht, um ſelbigem eine ſchön? dunkle Farbe und angenehmen Geſchmack zu verſchaffen,
2) Weißer Maulbeerbaum mit herzförmigen Glatten Blättern, M. alba L, Dieſer'Baum iſt bey uns nun- mehr, beſonders im Preußiſchen, aufs häu- figſte überall zu finden, weil wir mit deſſen Blättern die Seivenwürmer füttern. Es wird daher von Cultux diefer Art Bäume hernach die Rede ſeyn, und hier bemerken wir nur die Abart davon, welche purpur- röthliche Früchte trägt. Dieſer gemeine Maulbeerbaum verdienet aber auch als Forſtbaum angepflanzt zu werden, weil ſein Holz eben ſo lange im Waſſer dauert, als das feſteſte Eichenholz, und von Zimmer- leuten und Tiſchlern auf mannichfaltige Art, auch zu kleinern Arbeiten, z. E. zu Spinnrädern, Faßreifen u, ſ. w. genußt werden kann. Die Beeren werden von den Kindern und Erwachſenen des gemei- nen Volks, als eine der erſten Baumfrüch- te im Jahre, gern gegeſſen. Man kann auch die gemeinen Hofhühner, Truthühe ney, Gänſe und Enten damit erhalten, wenn ſie unter die Bäume hingetrieben wer- den, um die abgefallenen Beeren aufzuſu» <en, als wovon ſie, da die Beeren nach und nach reif werden und abfallen, oder durch das Schütteln der Zweige nach Noth- durft dem Hausgeflügel verſchafft werden, 2-3 Wochen eine vortreffliche Nahrung haben, wobey man denn alle übrige ſonſt gewöhnliche Fütterung erſparen kann, Auch die Sperlinge und andre kleine Vögel lie-
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