Teil eines Werkes 
3 (1797) Oekonomisches Reallexicon, worinn alles was nach den Theorien und erprobten Erfahrungen der bewährten Oekonomen unsrer Zeit zu wissen nöthig ist in alphabetischer Ordnung zusammengetragen, berichtigt und mit eigenen Zusätzen begleitet wird. 3
Entstehung
Seite
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28 Gewitter

einziges Haus kenne ich, wo der Strahl von einem hohen, alten Rüſterbaume, der etwa 3 Fuß von dem Stubenfenſter eines Dorfeinwohners abſtand, in die Wohn- ſiube hinein gieng. Der Bauer hatte ſeine Senſe an einem Zweige des Baums fo Hingehänget, daß ſelbige mit der Spike beynahe das Fenſter berührete,» Dieſer- Halb folgte der Strahl der Senſe nach, und von dieſer in die Fenſtereijen, u. ſ, w. Sonſt habe ic auch nie gehöret, daß in Pots- vam, wo eine der längſten Straßen mit Linden ſeit 70 Jahren, und länger, ſv be- ſekt iſt, daß ihre Zweige an und über die Hausdächer hinweg gehen, die Bäume je

, den Wetterſtrahl in die Häuſer hinein ge-

leitet hätten» Dieſe und dergleichen Bäue- me ſind vielmehr als Wetterableiter anzu- ſehen, da es in gedachter Stadt mehrmals zn Gebäude, die keine Bäume vor den Häuſern haben, eingeſchlagen hat.

Sind aber hohe Bäume, wie eben ge- ſagt worden, als Blikableiter zu achten, ſo ſollten die Dorfſſchaften, die bey entſtan»

" denen Feuersbrünſten wegen ihrer Stroh-

dächer immer am übelſten daran ſind, dar- auf ſehen, daß die Weſt- und Südſeite derſelben, außerhalb der Dörfer und Obſt- gärten, als von welchen Gegenden die meiſten Gewitter herfommen, immer mit recht hohen Bäumen beſest wären. Jch habe nie geſehen oder gehöret, daß das Ge- witter in ſolche Gegenden je eingeſchlagen habe, und die Einwohner ſolcher Orte wiſ- ſen auch nicht, dergleichen von ihren Wor» fahren gehöret zu haben. Die Cinwoh- ner ſolcher Orte ſollten daher auch ſolcher Baume recht gefliſſentlich ſchonen, und ſie nicht auf einmal, ſondern hie und da nach Nochdurft einen, abhauen, und, Statt der weggehauenen, gleich junge nachpflanzen. Ich hatte in einem benachbarten Orte ei-

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Gewitter

hen ſehr breiten Obſtgarten, deſſen Abends ſeite mit den höchſten Weidenbäumen, die

nie gekappt worden waren, verwahret war,-

Als ein in dieſer Abſicht noch unerfahrner Oekonom ließ. ich im Frühjahre 1750 dies ſe hohen Bäume ſämmtlich bis unter die Hälfte abſtämmen, und von allen Zwei- gen gänzlich entblößen. Das erſte am Hrte herauf kommende Gewitter ſchlug ſo- fort in den Schornſtein des dazu gehören- den Wohnhauſes ein, warf einige Steine herunter, zündete aber nicht, An einem andern benachbarten Orte wurden die, außerhalb der Obſtgärten und an der Süd- weſtſeite ſtehenden, Cichen abgehauen, worauf im nächſten Sommer das Gewit2 ter in die Pfarrgebäude einſchlug, und ſie in Brand brachte. Einige 20 Jahre her» nad) wurden die Eichen an der Weſiſeite des nämlichen Ortes abgehauen, worauf das Gewitter in ein Wohnhaus einſchlug, daß es nebſt den dazu gehörigen Ställen abbrannte, Mehr entfernten und eben ſo behandelten Dörfern iſt bey meinen Lebzei- ten gleiches Unglü& wiederfahren. Die Stadt Potsdam hat auf der Weſiſeite ei» nen auf einer ziemlichen Anhöhe ganz nahe gelegenen Wald,- welcher bis zu dem ſieben- jährigen Kriege hin mir alten hohen Cichen beſeßt war, Nachdem man dieſe hierauf ſammtlich weggehauen hat, ſind die Stadt- gebäude mehrmals vom Wetterſtrahl ge- troffen worden, da ich nie gehöret, daß dergleichen vor der bemerkten Zeit geſche- hen ſey.. Was zuleßt noch das öftere Einſchlagen in die vollen Scheunen und Heuſtälle be- trifft: ſo habe ich bemerket, daß die nicht trocken genug eingefahrnen Feldfrüchte, ih- rer ſtarken Ausdünſtung wegen, den Bliß angelo>t haben. Diejerhalb ſollte man doch darauf ſehen, Getreide und Heu nie anders,

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