Teil eines Werkes 
3 (1797) Oekonomisches Reallexicon, worinn alles was nach den Theorien und erprobten Erfahrungen der bewährten Oekonomen unsrer Zeit zu wissen nöthig ist in alphabetischer Ordnung zusammengetragen, berichtigt und mit eigenen Zusätzen begleitet wird. 3
Entstehung
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Geſinde

Da das Geſinde zur Förderung und Er- haltung der Haus- und Feldwirthſchaften unentbehrlich iſt, ſo kömmt es bey ſelbigem darauf on, daß es folgſam, fleißig, treu und ehrlich ſey. Je mehr es dem Geſinde an dieſen Eigenſchaften fehlet, deſto mehr haben Hausväter und Hausmütter ein Hausfreuz zu erdulden,

Wenn wir Hausväter und Hausmütter anhören, die ein halbes Jahrhundert hin- durc gewirthſchaftet haben, ſo ſagen ſie uns gonz laut, daß ſie in den erſten Deka- den ihrer Haushaltungen weit beſſeres Ge- ſinde vorgefunden haben, als es gegenwär- tig, der mehrern Zahl nach, zu finden iſt, Es ſind dieſerhalb, zur Minderung der Geſindeplage, gar mancherley Vorſchläge in neuern Zeiten geſchehen, die theils mehr, theils weniger, zum Ziel treſſen. Der fürzeſte Weg hiezu aber iſt derjenige, den uns, auch von dem Hausſtande ſehr werth zu ſchäßende, Luther in der Erklärung der vierten Bitte des Vaterunſers angewieſen: Sromm Gemabl, fromme Rinder, fromm Geſinde, Von fron:men Ael- tern, und von Schul- und Kirchenlehrern fromm erzogne Kinder zum künftigen Ger ſindeſtande; von frommen Haugvätern und frommen Hausmüttern, und von de» ren Kindern bey der Frömmigkeit erhalte- nes, und immer mehr darinn befeſtigtes Geſinde iſt das einzig gewiſſeſte Mittel,

er Geſindenoth in der Welt weniger zu

haben. Jſt aber Chriſtenthum oder Frommſeyn nicht mehr nach dem Ge- ſchmack der heutigen Welt, ſo mag ſie auch fürlieb nehmen, wie es mit dem Geſin- deſtande gehen kann und mag. S. H,V. 2. V. Rap. 3. ingleihen H, 07, 23. V. Kap, 2,

Geſindeord 15

- Geſindeordnung, die geſeßliche Vorſchrift, wie ſich Geſinde und Herrſchaf- ten verhalten ſollen, Das A, 4. R. Th. II, Tit, V. weiſet die Pflichten des Geſine des alſo an: 9. 56, nur zu erlaubten Ge- ſchäfften können Dienſtboten gemiethet werden; 9. 57, gemeines Geſinde, wel- <hes nicht ausſchließend zu gewiſſen be- ſtimmten Geſchäfften gemiethet worden, muß ſich allen häuslichen Verrichtungen nach dem Willen der Herrſchaft unterziee hen; 4. 58, allen zur herrſchaftlichen Fa- milie gehörenden, oder darinn aufgenom- menen Perſonen iſt es dieſe Dienſte zu lei- ſten ſchuldig; 5. 59. dem Haupte der Fa» milie fommt es zu, die Art und Ordnung zu beſtimmen, in welcher ein jedes Mit- glied der Familie die Dienſte gebrauchen ſoll; 6. 60. auch Geſinde, weldhes zu ge- wiſſen Arten der Dienſte angenommen iſt, muß dennoch, auf Verlangen der Herr- ſchaft, andre häusliche Verrichtungen mit übernehmen, wenn das dazu beſtimmte Nebengeſinde durch Krankheit, oder ſonſt, auf eine Zeit lang daran verhindert wird z 9 61, wenn unter dem Geſinde Streit ent- ſteht, welcher von ihnen dieſe oder jene Ar- beit nach ſeiner Beſtimmung zu verrichten ſchuldig ſey, ſo entſcheidet allein der Wille der Herrſchaft; 6. 62. das Geſinde iſt ohne Erlaubniß der Herrſchaft nicht berechtigt, ſic) in den ihin aufgetragenen Geſchäfften von andern vertreten zu laſſen; 6.63. hat das Geſinde der Herrſchaft eine untaugliche oder verdächtige Perſon zu ſeiner Vertre- tung wiſſentlich vorgeſchlagen, ſo muß es für den durch ſelbige verurſachten Schaden haften 3 6. 64. das Geſinde iſt ſchuldig, ſeine Dienſte treu, fleißig und aufmerk- ſam zu verrichten; 6,65. fügt es der Herr- ſchaft vorſeßlich, odeyx aus grobem oder n1iäßi-

gen