Teil eines Werkes 
3 (1797) Oekonomisches Reallexicon, worinn alles was nach den Theorien und erprobten Erfahrungen der bewährten Oekonomen unsrer Zeit zu wissen nöthig ist in alphabetischer Ordnung zusammengetragen, berichtigt und mit eigenen Zusätzen begleitet wird. 3
Entstehung
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Gerſtenä

Arbeitsleufe mit mancherley andern Ar- beiten, beſonders aber mit dem Heuma- chen.

Es fommen zuweilen ſo ſchlechte Jahre, in welchen die Gerſte ganz kurzhalmicht bleibe, und den Harfern durch ihre weit- zantige Harkenzähne durchwiſchet, und daher viele Gerſte auf dem Aer liegen bleiben muß. Jn dieſem Falle müſſen vie Harter angehalten werden, engere Zähne in die Harken einzuſeßen, um da- mit recht rein harfen zu können. Es iſt Ausfall genug, wenn in Mißjahren die Gerſte kurz und dünn ſtehet; er wird aber noch größer, wenn man ſelbige in dieſem Zuſtande mit der gewöhnlichen Harfe zu- ſammen bringen wil.

Wenn die Gerſte eingefahren worden, ſo darf man eben nicht eilen, in Mäuſe»

Jahren(in Jahren, da die Mäuſe häufi-

ger als ſonſt, beſonders in den Scheunen, ſich einfinden, und von dem eingefahrnen Getreide ſtark zehren,) die Gerſte auszu- dreſchen. Cs iſt beſſer, die andern Ge- treidearten eher, beſonders Haber und Weizen, zu retten. Der Gerſte thun die Mäuſe weniger Schaden; ſie niſten ſich in ſelbige deshalb nicht ſonderlich ein, weil ſie von den Grannen derſelben, bey Aunle- gung ihrer Hin» und Wiedergänge in den Schichten und Garben, immer geſtochen, und beſonders an ihren Augen dadurch ver- leßet werden,

Das Gerſtenſtroh wird hauptſächlich zur

- Fütterung bes Rindviehes verwendet, Hat

man alte Pferde, welche mit ihren Zäh- nen nicht mehr gut beißen können, ſo be- kommen ſie ihren Häckſel vom Gerſten- ſiroh. Auch iſt in manchen Gegenden der Gebrauch, den abgeſeßten Foblen, mittelſt des zu Häckſel geſchnittenen Ger- ſtenſirohes, ein weiches Futter zu bereiten z

Gerſtenm 3

ſo wie man auch wohl halb Roggen- und halb Gerſtenſtroh unter einander ſchneider, um den Ochſen und Kühen einen deſto an- nehmlichern Häc>ſel, oder kurz Futter, wie es in der Mark genannt wird, zu ver« ſchaffen. Den Spänekälbern, d.i. den zur Nachzucht abgeſeßten Kälbern, giebt man puren Häckſel von Gerſtenſtroh, mit unter gemengtem Schrot von Roggen oder Gerſte, wenn man nicht gutes und genug fräftiges Heu hat, um damit die Kälber ganz allein auferziehen zu können. Das Stroh von der DE Gerſte iſt weicher, und daher beſſeres Viehſutter, als das von der großen Gerſte,

Gerſtengraupen, ſ. Graupen.

Gerſtenmehl, Mehl von Gerſte ge« macht. Man feuchtet die Gerſte erſt an, wie den Koggen, und läßt ſie 24 Stun- den liegen, worauf ſie zum erſtenmal grob geſchroten wird, Iſt das Schrotmehl aus dem Beutelkaſten heraus genommen wor- den, ſo wird der grobe Schrot wieder auf- geſchütter und fein geſchroten 3 dieſer feine Schrot durch ein Gerſtengriesſieb, oder durch: ein groves Weizengriesſieb geſiebet und wieder aufgeſchüttet. Wenn er nun insgeſammt durch die Mühle gegangen iſt, werden die zween Gänge Mehl aus dem Beutelkaſten genommen, und dieſes iſt das weiße Gerſtenmehl, Den übrigen Gries kann man noch 3= 4 auch mehr- mäl aufſchütten, nachdem man mehr oder weniger ſchwarzes Mehl oder Kleye haben will, Die Kleye und die im Siebe geblie- benen Spelzen werden unter einander ge- ſchüttet, und zum Futter für das Vieh ge- brauchet, Das von purem Gerſienmehl gemachte Brodt kömmt ſelten oder gar nicht in unſern Haushaltungen vor. Hat man aber ſeinen Vortheil dadbey, wenn

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