Teil eines Werkes 
2 (1796) Oekonomisches Reallexicon, worinn alles was nach den Theorien und erprobten Erfahrungen der bewährten Oekonomen unsrer Zeit zu wissen nöthig ist in alphabetischer Ordnung zusammengetragen, berichtigt und mit eigenen Zusätzen begleitet wird. 2
Entstehung
Seite
558
Einzelbild herunterladen

Gerſte

558

brauch gemacht werden, Ein militairi- ſcher Staat, der angreifen will, oder an- gegriffen werden ſoll, fann durch eine Sub- ſtitutionsſaat bald zu einem großen Korn- vorrathe gelangen, ohne durch ſchleunigen Einfauf das Korn im Lande zu vertheuern, Cin Ort wollte, zur Erhaltung eines meh» rern Heugewinnſtes im nächſten Frühjahre, gern die Wieſen mit der Huthung verſcho- nett, kann aber wegen des bisherigen Mangels an Winterfutter nicht ſo weit fommenz was. würde ihn eher als eine Subſtitutionsſaat zum Ziele führen? Der- gleichen Fälle fönnen nun mehrere ſeyn, um den Korn- und Fuktergewinnſt zu vermehren. Seit der Zeit, da ich eine Sudſtitutionsſaat in Worſchlag gebracht, iſt ſolche hie und da von manchen Guths- beſigern und andern, welche ſeporirte Ae» >er oder Felder haben, mit erwünſchtem Erfolg verſucht worde,

Erfahrnen Wirthen iſt es ſehr leicht, im April und May bereits den bevorſte» henden Mißwachs am Wintkergetreite zu beurcheilen. Cin ungewöhnlich trockner, und dabey entweder zu kalter oder zu war- mer May iſt beſonders als ein Vorbote ei- ner nicht einträglichen Aerndte anzuſehen, indem das Wintergetreide bey ſolcher May- witterung ſich nicht beſtauden kann, alſo dünne bleibt, dieſerhalb wenig Mandeln oder Schocke giebt, auch keine ſonderliche Nehren austreibt, Cbven ſo ſieht es mit der Früh- oder großen Gerſte nicht zum beſten aus, wenn April und May zu trocken ſind, Nicht weniger werden auch die Wieſen bey ſolcher Wickcrung, wenn ſie nicht etwa ge wäſſert werden können, oder an Strömen und Flüſſen belegen ſind, einen großen Ausfall an Gras oder Heu haben. Fällt aber in den folgenden Monathen erſt eine Dürre ein, ſo wird ſie in Anſehung des

Gerſte

Wintergetreides meiſtens nur ällein leich» ten Feldern ſchädlich werden. Die guten Aecker nehmen ſodann nicht ſo leicht Scha- den, daß alſo in ſolchem Falle eben keine Theurung entſtehen känn. Umgekehrt aber erfolgt ſie eher, nach dem bekannten Reime unſrer Vorfahren: Geräth das" Getreide auf dem Sande, entſteht Theu- rung im Lande, Der Grund hievon iſt dieſer, daß viele anhaltende Regen in den Frühlings- und Sommermonathen das Getreide der guten und ſtarken Aecker ver- derben, dagegen das Korn auf hohen leichten Sandfeldern, weil ſich die Feuch- tigfeiten darinn eher und mehr einziehen, und nicht um die Wurzeln der Getreide- pflanzen ſtehen bleiben, deſto beſſer gera- chen fann. Iſt nun keine gute Ausſicht auf eine gute Aerndte vorhanden, ſo iſt alsbald auf eine Subſtiturionsjaat Bedacht zu neh- men; und dieſe beſteht darinn, daß ein. Theil des Braochfeldes ausgemittelt, in der Mitte des Mays, und, nach Beſchaf- fenheit des Bodens, nicht viel ſpäter ge- ſtürzet oder geſtoppelt, 2=- 3 Wochen hierauf gewendet, und 14 Tage hernach, zu Anfange des Jul,, kleine Gerſte dar- auf eingeſäet werde. Ein ſolcher Thazl der" Brache könnte aber mehrerer Sicherheie wegen, Jahr für Jahr, um obgedachte Zeit bereits geſtürzet werden, und wenn in der Folge noch fruchtbare Wirterung einfiele, dieſer geſtürzte Brachacker für das nächſte Winterfeld bereit gehalten, und mit den gewöhnlichen Pflugarten nach und nach beſtellet werden, Cs müßte aber diefer Theil des Brachfeides nicht der ſchlechteſte, ſondern, ſo viel möglich, der beſte jedes Orts ſeyn, um damit das Beabſichtigte tüchtig ausführen zu

fönnen, Es