Teil eines Werkes 
2 (1796) Oekonomisches Reallexicon, worinn alles was nach den Theorien und erprobten Erfahrungen der bewährten Oekonomen unsrer Zeit zu wissen nöthig ist in alphabetischer Ordnung zusammengetragen, berichtigt und mit eigenen Zusätzen begleitet wird. 2
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554 Gerſte

bey ſehr troFner Witterung die Saqatgerſte in Waſſer auſzvquellen, und ſolche hiemit nahe bis zum Austeimen zu bringen pfle- gen. Bey dieſer Verfahrungsweiſe aber iſt die jo eben empfohlne Thauſaat noch mehr in Acht zu nehmen, Denn im;al- le die eingeweichte Thaufaat in der Erde Feine Feuchtigkeit vorfindet, od. dergleichen, mittelſt des eingepflügten Thaues, nicht ha- ben könnte ,. ſo gehen die Saatkörntr zu- rück, vermodern, und können ſodann nicht auſgehen, wie ſolches. von mir ſchon öf- fers beobachtet worden. Da bisher des Unterpfiügens dieſer lleinen Gerſte einige- mal gedacht worden, ſo iſt zu wiſſen, daß folche, da im Brachmonathe das Land ge- meinigtich nicht mehr ſo j>:wer, als im Frühjahre iſt, meiſtens überall bey uns untergepflüget werde, In einem ſchweren Boden, oder in naſſen Jahren, kann ſie das Nichtunterpflügen eher vertragen. Endlich iſt noch zu bemerken, daß an Einigen Orten noh eine Mittelzeit zwiſchen der Einſaat der großen und kleinen Gerſte gehalten werde, die im Maymonath ein- fällt. Man nennt daher dieſe in ſolcher Zeit ausgeſäete Gerſte, LTäavygerſte, und man nimmt nach Belieben zur Saat bald von der Früh« oder großen Gerſte, baid von der kleinen, und in änſchung der Aecker ſolche, die etwas zu niedrig liegen, und in der frühern Jahreszeit noch nicht trocken genug werden können. Man fin» det aber gemeiniglich dieſe Maygerſte da, wo auf den übrigen Aeckern die große Ger- ſte gebauet wird. Und da, wie oben ae» ſagt worden, bey mir und in der Nachbar- ſchaft öfters eine Umwechſelung mit der großen und kleinen Gerſte gemacht wird, ſo iſt in Anſehung der lekßtern dieſes das Beſontere, daß ſie, wenn man ſie, Statt der erſtern, im März ſäet, faſt 14 Tage

Gerſte

eher reif wird, als die mit ihr-zu gleicher Zeit ausgeſäete große Gerſte; dieſe aber, die mit der kleinen zugleich im Brachmo- nache ausgeſäet wird, der lektern im Reif» werden nicht zuvor kommt, und daß in beyderley Fällen die in der Saatzeit umge» wechſelten Ausſaaten mehr ſcheffeln oder ſchütten, als die bey uns nicht umgewech- ſelten. Cben ſo beſonders ij? es bey uns, daß die zweyzeilige oder große Gerſte, wenn wir ſie zu Zeiten von entfernten Gegenden hernehmen, in der 2ten Gereration ſchon den 6ren Theil wenigſtens vierzeilige Gerſte, in der vierten die Hälfte, und in der ſechſten faum noch den zwanzigſten Theil zweyzei- liger Gerſte hervor bringet. Fänve ſich ſolches in andern Gegenden ,: als worüber es mir an ſichern Nachrichten fehit, eben

ſo, ſo würde man, die vierzeilige Gerſte

als die Stammmutter anzuſehen haben. Außer dieſen beyden unter uns gemei- nen Gerſtenarten hat man noch andere zu bemerken, die.nur hie und da theils allein, oder neben einer der vorgedachten gemeinen

Arten gebauet werden, Wi 1) Die Herbſt- oder Winrerterſte. Sie wird im Herbſte ſehr zeitig, um Bar- tholomäi odex Aegidi, geſäet, und zwar auf einen trocknen und warmen, zugleich aver auch fetten'Boden, Wenn ſie ſich, wie gewöhnlich, ſtark beſtauder, und ſehr geil wächſet, pflegt man ſie im Frühjahre, wie den Weizen, zu beſchneiden. Ein naſſer oder kalter Wintex bringt ihren gänzlichen Untergang zuwege. In den bey mir befindlichen alten Haus- und Ze- hendbüchern finde ich, daß ſie vom vorher gehenden Jahrhunderte an, bis gegen das Jahr 1709 bieſelbſt auch gebauet worden, welches nachher nur noch ſclten geſchehen iſt, weil ſie in den wenigjien Jahren, wie ich es ſelbji mit Schaden erprobet habe, den