Teil eines Werkes 
2 (1796) Oekonomisches Reallexicon, worinn alles was nach den Theorien und erprobten Erfahrungen der bewährten Oekonomen unsrer Zeit zu wissen nöthig ist in alphabetischer Ordnung zusammengetragen, berichtigt und mit eigenen Zusätzen begleitet wird. 2
Entstehung
Seite
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552 Gerſte

Bey mir, wo meiſtens große Gerſte gebauet wird, und der Acker wegen ſeiner tiefern Lage mehr feucht als tro>en iſt, wird immer zu ſelbiger friſch gemiſtet. Denn obgleich die Weizenäcker, auf wel- che im nächſten Frühjahre die Gerſte ein- geſact wird, ebenfalls friſch gedünget wor- den, ſo richtet man ſich do) mit dem Dün- gen ſo ein, daß zum Weizenacker nur- ßig, und zu der dorauf folgenden Gerſte eben ſo gedünget werde, Die benachbar- ten Oerter bauen mehr kleine als große Gerſte, und ſie verfahren ebenfalls" mit ihren ſämmtlichen Gerſtenäern nicht an- ders. Daß aber bey mir herum die Dorf- ſchaften zur Bedüngung der Winter» und Sommeräer binreichenden Miſt haben fönnen, kömmt von dem ſtarken Wiebſtan- de her, deſſen ſie ſich vorzüglich zu erfreuen haben, Der hieſige Weizen- und Ger- ſtenaer hat- aber ſMwarze Erde, worun- ker eines Spadens tief ganz weißer Sand, nirgends aber Thon oder Lehm, gefunden wird.

Die Aderbeſtellung zu beyderley Ger-

ſtenarten iſt nicht überall einerley, In-+

einigen Gegenden wird zur Frühgerſte vier- mal gepflüget, beſonders wo der Acer ſehr ſtrenge oder feſt iſt, Bey mir iſt kein ſchwerer Boden, weshalb nur dreymal ge- pflüget wird. Nach der Mitte des Se- ptembers, ſobald wir die Roggenſaat nur vollenden können, wenden wir unſre im ſpätern Herbſte zu beſäenden Weizenäcer, und gleich hierauf ſtreichen wir die Ger- Fenäaer. Um die Mitte des Octobers ſäen wir Weizen, und am Ende dieſes Monaths werden unſre Gerſtenäcker ge- wendet und geegget, und ſodann bleiben ſie den Winter hindurch ſtille liegen. Im Februar oder etwas ſpäter wird der Duün- ger aufgefahren, und, wie oben erwäh-

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Gerſte nef woven, zur Saar gepflüget ſobald

es die Wirterung verſtattet. Wenn der

"aufgepflügte Aer zum Abtrocknen einige Tage hindurch gelegen hat, ſo wird der Saame, auf den Morgen faſt 2. Schef- fel, ausgeſaet, und mit der Egge einge- egget.

Zu der kleinen Gerſte wird an manchen Orten im Ockober, auch noch ſpäter, ge: pflüget, und im April gewendet. An nianchen Orten aber wird im Herbſte ge- ſtrichen, und etwa 4 Wochen darauf ge- wendet, im April noch einmal gewendet, und in den erſten Tagen des Jun. zur Saat gepflüget, daß alſo theils dreymal, theils viermal gepflüget wird. Einige Ge- genden zeichnen ſich mit der Beſtellung ſs aus, daß erſt zu Anfange des Frühlings, 'oder noch früher, geſtrichen, 4=- 6 Wo» <en bernach gewendet und geegget, und nach etwa 4 Wochen zur Saat gepflüget wird, und man läßt die untergepflügte Saat noch gern an die 3-4 Tage liegen, ehe der Acker mit der Egge bezogen oder glatt geegget wird, SRE

Einige Wirche wollen behaupten, daß ſie weniger Hederich, dieſen Hauptfeind der Gerſte, bekämen, wenn ſie ihr Land nicht im Herbſte, ſondern erſt im folgen- den Märzmonathe, ſtreichen, und ſagen, daß der durch das Streichen aus dem Erd- boden in die Höhe gebrachte Hederichſaa- men dadurch geſchickt werde, zu ſeiner Zeit mit der Gerſte aufzugehen, und ſie zu übermannen, da es bekannt ſey, daß der unter der Erde ſtill liegende Hederichſaa- men mehrere Jahre hindurch ſich unver- weſet erhalte, wie ſolc<es an manchen Ackerſtücken erprobet worden, die man 3, 4== 6 Jahre ungepflüger gelaſſen, ſobald ſie aber mit dem Pfluge berühret worden, den gedachten Saamen haben hervor gehen laſſen,