Teil eines Werkes 
2 (1796) Oekonomisches Reallexicon, worinn alles was nach den Theorien und erprobten Erfahrungen der bewährten Oekonomen unsrer Zeit zu wissen nöthig ist in alphabetischer Ordnung zusammengetragen, berichtigt und mit eigenen Zusätzen begleitet wird. 2
Entstehung
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550 Gerſte

Zeit der Ausſaat bey ihr an. Wenn bey mir fleine vierzeilige Gerſte im März ge- ſäet wird, ſo geräth ſie eben ſo gur, als die große zweyzeilige, und wird eben ſo groß- förnicht, und umgekehrt, wenn wir die zweyzeilige im Jun, ſäen, ſo wird ſie nicht beſjer, als die kleine gemeine Gerſte, die um eben dieſe Zeit ausgeſäet wird,) 2) Sie iſt ſtaudenartiger, als die Fleine, da» her ſie nicht allein mehr Körner, ſondern auch mehr Stroh bringt.(Das mehrere Beſtauden beruhet allein auf das Dünne- ſäen und auf die Beſchaffenheit des Akers, Wenn die kleine Gerſte dünne geſäet wer- den kann, ſo beſtauder ſie ſich eben ſo gut; muß man ſie aber, weil der Acker fraut- artig, d. i, zum Unfrauttragen geneigte iſt, dice ſäen, um den Unfräutern feinen Raum zu laſſen, ſo kann ſie ſich freylich weniger beſtauden, und es iſt auch Anfän» gern in der Wirthſchaft nicht unbekannt, daß dünne geſäetes Korn allemal beſſer ſcheſfelt, als dick geſäetes.) 3) Die Kör- ner der großen Gerſte führen mehr Mehl und innere Güte bey ſich, weshalb ſie auch) von den Malzmachern und Brauern vor- züglich geſucht wird. Ja, an denen Or» fen, wo viel große Gerſte vorhanden iſt, fann man die fleine faſt-gar nicht los wer- den, ſondern muß dieſelbe zur Fütterung und zu anderm Gebrauche verwenden. Daher ſteht auch die große Gerſte jederzeit in einem höhern Preiſe, als. die fleine, wie ſie denn auch nach den königl. Preuß, Kammergrundſäßen 3= 3 Groſchen höher für den Scheffel in Anſchlag kommt,(Es iſt ganz richtig, daß die Frühgerſte mehr innern Gehalr hat, als die fleine, und Deshalb wie anderswo, alſo auch in Ber- lin und Potsdam, beſonders theurer be- zahlt wird. Dieß kömmt daher, daß die 3rühgerſie eine dünnere Schale hat, und

Gerſte der Scheffel deshalb immer 5==> 6 Pfund

und darüber wieget, Es findet ſich aber

nicht überall, daß die Brauer die große Gerſte vorziehen. Z, B, die Stadt Treuen- briezen brauet ein Bier, welches in Anſes hung der Stärke und Klarheit wenig ſei- nes gleichen hat. An dieſem Orte wollen die Brauer keine große Gerſte kaufen, wes halb wir die unſrige in Pot8dam verfaufen müſſen, Die Brauer des erſten Orts be- harren bey der uralten Gewohnheit, fein anderes, als zwar ſehr ſtarkes, aber doch vollfommen flares und durchſichtiges Bier zu brauen, welches ihnen mit Malz von großer Gerſte nicht gelinget. Und dieſes kömmet vaher, daß ſelbige zu dünne Hüle ſen hat, wogegen die kleine Gerſte, ihrer diern Hülſen wegen, die Würze weit

flärer ablaufen läßt. Eben dieſe Brauer,

die-in ihrer Gegend ſo viel kleine Gerſte haben können, als ſie nur immer verlan« gen, würden, wenn dieſe Gerſte weniger zu haben wäre, mit der großen doch zue frieden ſeyn müſſen; ſie dürften nur zu Malz von kleinerer Gerſte den vierten Theil Malz von der großen Gerſte, oder, unter alleinigem Malz von dieſer Häckſel nehe men, ſo würde ihre Würze davon ſchon flar ablaufen, Berlin und Potsdam aber haf Brquer, davon feiner derſel ben, wenigſtens dem größten Theile nach, unter 100 Wispel jährlich verbrauet, daß alſo dieſe ſich in der verhältnißmäßigen Bermiſchung beyderley Arten von Malz ſchon eher und mehr zu helfen wiſſen.) 4) Endlich läufe man bey großen Sturmwin- den, welche oft die reichſten Gerſtenärnd- ten verwüſten, mit der zweyzeiligen Gerſte weniger Gefahr; ſie iſt nicht allein an und für ſich weit zäher, als die kleine Gerſte, und der Wind kann ſie daher nicht ſo leicht abbrechen, ſondern die Körner ſiken auch

in.