538 Gehörn
nicht bey den Rehböen; ſondern nur Gehören, s
'Gehörn, Gehörne y darunter verſteht man auc) bey der zahmen Vieh- zucht die beyden Hörner des Rindviehes, Wenn die Hörner eines Rindes ſchön heißen ſollen/ ſo müſſen ſelbige beynahe die Form eines halben Zirkels haben, und der Bauer pflegt ein ſolches Gehörn Rneif- börner zu nennen, indem die damir ver- ſehenen Thiere beym Stoßen oder Kämpfen mit andern, gleichſam wie mit einer Zan- ge., fneijen oder fneipen, und ihren Geg- ner entweder überwinden, oder, im Falle deſſen Gehörn von gleicher Geſtalt iſt, ihm doch auch die Spike bieren können, Man ſagt daher: ein ſchön gehörnter Ochſe; eine ſchön gehörnte Kuh 3 beyde ſind eine Zier- de des Gehöftes, finden auch beym Ver- kauf vorzüglich ihre Liebhaber. Schlecht gehörnte Ochſen und Kühe ſind alſo ſolche, denen es an der obbeſchriebenen Form des Gehörnes mangelt, z. E, wenn die Hör- ner, eines, oder alle beyde, von der Seite gerade weg, eines frumm, das andere Hintenweg, oder alle beyde wie Ziegewhör- ner gebildet ſind, Es kömmt eben ſv ſehr auf einen ſchön gehörnten Stamm- Heerd- oder Reito<ſen oder Bullen, als auf eine eben ſo gehörnte Kuh an, um eine gutge- hörnte Nachzucht zu haben, Es können aber die Kälber, bald nach dem Abſcken, fich das mit einer guten Anlage angebohrne Gehörn, durch das Reiben oder Stoßen an den Wänden und Raufen, da es noch zart und biegſam iſt, verbeugen, daß es in der Folge doch ein ganz unanſehnliches Ge- hörn befömmt. Man muß daher von Zeit zu Zeit das Gehörn der Kälber beſe- ben, und wenn man findet, daß es eine
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Gehösrn
mißfätlige Geſtalt gewinnen will, ſo ſchnei- det man nach und nach mit einem ſcharfen Meſſer an der entgegen geſeßten Seite der Gehörnſpißen, um hiemit die Hörner da2 hin zu weiſen, wo man ſie hin haben will, Sähe man z. E, an der Gehsrnſpiße, daß das Gehörne ſich nach hinten zu neigen will, ſo ſchneidet man etwa alle Monathe hinterwärts etwas hinweg, bis man eine Spigße nach vorne zu durch das Schneiden zuwege bringen können, Ein Ochſenge-
ſpann, das ſchön gehörnte iſt, wie ſchr ges
fällt dieſes niche, und wie ſehr iſt es ver- unzieret,'wenn ſeitwärts oder hintenweg ſiehendes Gehörn den Augen Mißfallen erregt! Wollte man aber hiebey gleich» gültig feyn, ſo muß man bedenken, daß ſchlecht gehörntes Vieh am meiſten zu Schanden geſtoßen wird; es iſt, da es fich auf ſich ſelbſt nicht verlaſſen fann, im» mer ſcheu und flüchtig; hatgleichſam feine Achtung bey andern Ihieren, und wird daher immer gefährdet; dagegen die gut gehörnten Ochſen oder Kühe auf den Hö«- fen und Bichtriften ganz dreiſt und furcht- los einher gehen, und eben deshalb un- geſtoßen bleiben, Man ſehe einmal eine Heerde Rindvieh durch, in welcher viele Thiere mit Beulen ſich befiiden; man wird dergleichen neiſtens nur an ſchlecht gehörnten Ochſen oder Kühen erbtien. Endlich ſind niarche ſchlecht gehörnte Thiere ihren Wärtern. oder Wärterinnen ſogar ſelbſt gefährlich. Ein Ochſe oder eine Kuß mit ſeicwärts gerade ſiehendem Ges hörne wendet ſich ſchnell um, ſich erwa Fliegen oder anderes ſtechendes Ungeziefer abzukehren; wie leicht kann nicht hieboy der in der Nähe ſich„befindende Menſch einen geiährlichen Stoß befommen! Ich habe es auch ſelbſt einigemal erlebet, daß- ;:: ein


