Teil eines Werkes 
Erster Band (1775)
Entstehung
Seite
98
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98 Erſtes Hauptſtück.

6. 104.

Fortſetzung von den Einſchränkungen der Dorfſchäfereyen, und daß ſolche nicht nach bloßer Willkühr vermehret werden können.

Die Natur der Schafhütung verbietet von ſelber, daß ein jeder Eigenthümer ſeine Schafe beſonders hüten laßen könne, es wäre denn, daß es an einigen Orten, wie- man nicht ſelten antrifft, Frey-und Lehnſchulzen oder andre Freyleute, die ausdrücklich mit einer eignen Schäfereygerechtigkeit beliehen ſind, gäbe. Auſſer dieſen Fallen erfor- dert es die Nothwendigkeit, daß die ganze Gemeine einen eignen Dorfſchäfer, welches ge- meiniglich der ſonſt gewöhnliche gemeine Dorfhirte zu ſeyn pfleget, halte. Jedoch hat dieſer bey der ganzen Sache weiter nichts zu thun, als daß er nur bloß die gemeine Schaf- heerde zu Felde treibet und hütet. Die übrige Wartung und Pflege dieſer Thiere, beſor- get ein jeder Bauer ſelber(2).

An den meiſten Orten, wo die Gemeinde Schafe zu halten berechtigt iſt, pfleget die Einrichtung gemacht zu ſeyn, daß die herrſchaftlichen und Bauerheerden das ganze Feld in ſo weit es zur Schafhütung aufgegeben iſt, der Grund und Boden gehöre der

-Obrigfeitoder der Gemeinde, gemeinſchaftlich behüten, jedoch daßder herrſchaftliche Schä- fer überall die Vortrift hat.

Auch iſt es bey verſchiedenen Dorfſchaften eine eingeführte Gewohnheit, oder viel- mehr herrſchaftliches Recht, welches inſonderheit in Pommern durch die alte Schäferord- nung und rechtliche Prejudicia veſtgeſeßet iſt, daß die Bauerſchafe in den Sommermona- ten des Nachts in die herrſchaftliche Horden, um daſelbſt den Hortenſchlag vermehren zu helfen, getrieben werden müſſen. Ein Recht und Gewohnheit, welche das Schafhü- kwngsrecht, auf Seiten der Bauern, in ſeiner Nüßlichkeit gar ſehr ſchwächet, dargegen aber in Anſehung der Herrſchaft, weit unſchadhafter macher.

(a) Wer nnr einigermaßen von der genauen Pflege und Wartung, die das Schafvich nöthig hak, unterrichtet iſt, der wird von ſelbſt überzeuget ſeyn, daß aus den Schafen für die Bauern nicht vieler Nutzen heraus kommen könne- Weder in Anſehung des Eigenthümers, noch auch in Abſicht des gemeinen Weſens, welches an der Aufnahme des Schaſſtandes einen beſondern Antheil hat, ſind von den Bayerſchafen diejenigen Vortheile, die man ſich von großen herrſchaftlichen Schäfe: reyen zu verſprechen hat, zu erwarten. Was verſichet wohl cin Bauer von dey eigentlichen Schaf zucht? Ein bloßes blindes Glück iſt es, wenn hm ſeine Lämmer gerathen Um die Eigenſchaft der Wolle, worinn doch eigentlich der Hauptnußen aller Schafe beſtchet, bekümmert er ſich ſv wenig, als er aus Unwißenheit darunter eine Verbeßerung vorzunehmen, nicht im: Stande iſt. Wenn ex einige Pfund Wolle, ſie möge ſcin oder grob ſeyn, zu ſeiner und der Seinigen häusli- Hen Bedürfniß erhält, ſo iſt er damit zufrieden. Daß diefes dem Bauer ſelber in ſciner Haus: Haltung einige*Beqnemlichkeit verſchaffe, iſt. zwor nicht zu käugnen. Juzwiſchen bin ich doch über- zeugt, daß, wenn ein Bauer das Futter, ſo. er mit ſeinen Schafen verſuttert, auf eine ändre Viehart, deren Wartung er beßer verſtehet. verwendete, er davon mehrern wahren Nußen, als von dem Genuß der Schafe, haben würde. Die Schafwirthſchaſt iſt cine Sache, die im Gan- zen getrieben werden muß, wenn würkliche Vortheile dabey herausfommen ſolten. So wenig Nu- ßen nun der Bayer von feinem Schafhalten hät, ſv ſchädlich iſt es hingegen ſür das'gemeine We- fen, wenn dadurch die herrſchaftliche Schäfereyen, von welchen die Fabrikanten und Wohtarbeiter zuihrer Aobeit nur. allein tüchtige Lieferungen erwarten Fönnen, geſc<wächet werden. I<, führe Dieſes nicht in der Abſicht an, daß den Bauern, die dazu berechtiget ſind, ihre ganze. Befügniß zur Schäſtriſt benommen werden ſolle, welches ohne offenbare Verleßung der ORN EKG bs

geſchehen

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