WE:.„vErſtes-Hauptſiü>,..
weitläuftigen Proceßen! Kin Redhtsgelebrter, der in Rechtsſtreiten von vorbenannter Art, entweder die Gerechtſame der Partheyen vertheidigen, oder gar einen Ausſpruch darin» thun ſoll, wird beydes mit Zuverläßigkeit zu bewürken, nicht im Stande ſeyn, -weny er. nicht von der Yiatur der Schafe, der für ſie ſich ſbi>enden Zütung, und von der Art und Weiſe ihrer Pflege und Wartung, gehörig unterrichtet iſt. Weder in den Pandecten noch Inſtitutionen, findet er hiezu die nöcbhige Anweiſung.
CG"LON Warum die, mit der Schäfereygerechtigkeit beliehene Grundherrſchaften nicht allein ihre eigne, ſondern auch ihrer Unterthanen und des ganzen Dorfs Acker: und Grund-: ſtücke, mit ihren Schafen zu behüten, berechtigt ſind.
Hätte das Recht der Schäfereyen keine weitere Gränzen, als den Grund und Bo- den'eines jeden Eigenthümers, ſo würde hierüber niemahl geſtritten werden können. Al- lein, dieſe Gerechtigkeit erſtrecfet ſich gemeiniglich auch auf das Gebiet eines dritten, und eben aus dieſer Urſache, wird es eine ſo reiche Quelle von unzähligen Proceßen und Rechts- händeln. Ein jeder ſiehet das auf ſeinem Grund und Boden weidende fremde Vieh mit
- ſcheelen Augen an, und es iſt daher fein Wunder, daß ihm hierunter faſt jeder Schritt disputiret und ſtreitig gemachet wird.;
Ohne anjeßt der Aufhütungen der Schafe auf fremde Feldmarken, die unter den Nahmen von Servituten bekannt ſind, zu gedenken, ſo iſt ein jeder Gutsherr, welcher die Schäfereygerechtigfeit beſißet, nicht allein ſeine eigne, ſondern auch ſeiner Unterthanen und des ganzen Dorfs Ae>er und Grundſtücke zu behüten, berechtigt.'
Der natürliche Grund hievon beruhet ſonder Zweifel darauf, weil ein Schaf, wenn es geſund bleiben und in gutem Seande erhalten werden ſoll, zwar mit einer magern und dürren Weide vorlieb nimmt, dabey aber eine weit ausgebreitete Hütung verlanget. Der Acker, den der Grundherr unter ſeiner Cultur har, iſt an den wenigſten Orten hiezu hinreichend, folglich hat die Obſervanz des Alterchums dieſe Gerechtigkeit auch auf den, von den übrigen Dorfseinwohnern in Beſiß habenden Grund und Boden ausgedehnet, Die Ausdehnung dieſes Rechts har um ſo mehr ohne Verleßung der Gerechtigkeit geſche- hen fönnen„ als den Schafen, wie unten mit mehrern angemerket werden. wird, die Hü- tung nur alsdenn, wenn das Rindvieh das für ſie taugliche Gras bereits aufgezehret hat, verſtattet zu werden pfleget.:;
G. 702%
Warum die Unterthanen ordentlicher Weiſe von dem Recht, eigne Schafe zu halten, ausgeſchloßen ſind.:
Durch die Schäfereygerechtigfeit erlangen niht allein diejenigen, die damit belie- hen ſind; ein Recht, die ſammtlichen Dorfsgrundſtücke zu behüten, ſondern es werden auch dadurch die Eigenthümer dieſer Grundſtücke von aller eigenen Schafhütung ausgeſchloßens ; Kein Bauer oder andrer Einwohner iſt daher befugt, Schafe zu halten, wenn ihm ſolches nicht ausdrücklich verſtattet oder erlaubet worden, welches er durch ſeine Hof: briefe, oder ein verjahrtes Herfommen, zu erweiſen ſchuldig iſt, Auch dieſes ausſchließen- de Recht, welches ſonſt dem freyen Gebrauch des Eigenthums zuwider lauft, ſcheinet aus
; 4 E%| ST. 50060


