Teil eines Werkes 
Erster Band (1775)
Entstehung
Seite
93
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Von den allgemeinen Begriffen, die ein Richter c. 93

weder ſAhen Acferbau vernachläßigen, oder die Anzahl der fonſt nur nöchigen Pferde we- nigſtens um ein 3tel vermehren müſſe. Wenn'man nun die Haltung mehrerer Pferde, das Heu und Gras ſo die Fohlen, ehe ſie gebrauchet werden können, auffreſſen, und die Koſten für die Leute, die bey den mehrern Pferden und zur Wartung der Fohlen gehal- ten werden müſſen, in Erwägung ziehet, und davon eine genaue Berechnung anleget, ſo wird ſich gar leicht finden, daß die eigen gezogene Pferde weit höher zu ſtehen kommen, als man ſie erkaufen kann. Es iſt alſo die Sparſamkeit, die man in der eigenen Pferde- zucht zu finden meynet, ein bloßes Blendwerk. Wer die viele Gefahr kennet, die mit der Pferdezucht, da die Fohlen, wenn ſie ſchon das meiſte gefoſtet haben, durch das ge- ringſte Verſehen öfters wie die Fliegen wegfallen, verknüpfet iſt, und dabey aus der Er- fahrung weiß, was vor eine ſorgfältige und von dem verdorbenen Geſinde nicht zu erwar- tende Pflege und Wartung die jungen Fohlen erfordern, der wird unt ſo mehr überzeuget ſeyn, daß ein Gutsherr, der ſich damit abgiebet, nicht wohl<ue. Für einen Bauer kann das Pferdeziehen, weil er Stuten und Fohlen nicht der bloßen Willführ des unbe- dachtſamen Dienſtvolkes überlaſſen darf, ſondern beydes unter ſeiner ſteten Aufſicht und eigenen Wartung hat, noch eher, wenn anders die Umſtände des Orts und ſeiner Jiah- rung es zulaſſen, für nüßlich erachtet werden. Ein adlicher Gutebeſißer aber wird auch bey ſeiner Anweſenheit, vielmehr aber bey ſeiner Abweſenheit, jederzeit davey zu kurz, kommen.

Die richtigſte Bewirthſchaftungsart in dieſem Stücke beſtehet ſonder Zweifel dar- inn, daß man ſich immer junge Pferde anſchaffet, und ſolche, ehe ſie durch das Alter un- brauchbar werden, ſondern wenn noch in den beſten Jahren ſind, wieder verfaufet. Man Faufet, um dieſes durch ein Beyſpiel zu erläutern, lauter 4jährige Pferde an, im 6ten höch- ſtens 7ten Jahre aber verfaufer man ſie wieder. Auf dieſe Weiſe kann man die ſonſt in dieſer Rubrif zu befürchtende Wirthſchaftsausgaben am bequemſten vermeiden, ja wohl gar, wenn man nur in dem ſo zweydeutigen Pferdehandel einiges Glück hat, an ſtatt des Verluſts einen Gewinn machen.. Aus vorſt-henden Gründen mag es faſt für eine wirch- ſchaftliche Thorheit geachtet werden, wenn einige Privarbeſißer der Landgüter ſo weit ge- hen, daß ſie ſo, gar weitläuftige/ das Verhältniß ihrer eigenen Bedürfniß überſteigenve, Stutereyen anzulegen, ſich in den Sinn kommen laſſen. Die viele Koſten, die-durch Anſchaffung und Unterhaltung ſchöner und tüchtiger Beſchäler, ſo vieler das Futter um- ſonſt freſſenden Mutterpferde, und durch Koſt und Lohn der zur Wartung und Beobach- tung der Stuterey erforderlichen Perſonen, von ſo verſchiedener Art, erfordert werden, erheiſchen Auslagen, die ſich nicht für eines jeden Vermögens- Umſtände ſchicfen; und die Erfahrung lehrer genungſam, wie ſchlecht und unglücklich dieſe Pferdewirthſchaft, wenn es an'einer von den vorbenannten Bedürfniſſen ermangelt, abzulaufen pfleget. GStute- reyen anzulegen, und Pferde zum Verfauf zu ziehen, iſt eine Wirthſchaft die ſich nur für große Herren, nicht aber für Privartwirche von mittelmäßigen Vermögen, ſchicket. Durch Viehzucht und Kuhmelkereyen nuten die leßtern den Ueberfluß ihrer Gräſerey und Hütungen mit weit mehrerer* Zuverläßigfeit.

Vorſtehendes hat ein Richter- ſowohl bey Würdigung der Landgüter, als bey Beurtheilung der unter ſeiner Oberaufſicht ſtehenden Bewirthſchaftung derſelben in genaue Erwägung 31 ziehen.

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