Teil eines Werkes 
Erster Band (1775)
Entstehung
Seite
88
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88- Erſtes Hauptſtück.

Fuhren mit herrſchaftlichen Geſpann beſtritten werden muß, iſt der von den au ſtatt der Zugochſen zu haltenden Aerpferden entſtehende Nußen, unleugbar.

Da zu einer gleichen Arbeit nur halb ſo viel Pferde, als ſonſt Ochſen erfordert. werden, nöthig ſind, das für die Ochſen beſtimmte Futter auch bey einer genauen und or- dentlichen Wirchſchaft ganz füglich zur Unterhaltung der Acferpferde mit angewandt wer- den kann, ſo wird- der Vorwand, daß die Pferde in ihrem Futter foſtbarer als die Ochſen fallen, von weniger Erheblichfeit ſeyn, zumahl, wenn dabey in Erwägung gezogen wird, daß die Pferde die ganze Zeit, wo die Ochſen müßig ſtehen, und nebſt ihren Wärtern Koſt und Futter umſonſt freſſen, mit vielem Nuten gebrauchet werden können.

Die gewöhnliche Einwendung, daß man durch die>Verwechſelung der Ochſen mit Pferden, an der Bemiſtung ſeiner Felder verliere, iſt ebenfalls nicht erheblich genug, den Vorzug der Pferde, den ſie unter vorbemeldeten Umſtänden vor den Zugochſen haben, zu vereiteln. Obgleich der Pferdemiſt, nach der allgemeinen Meynung, in Anſehung der Güte weit ſchlechter, als der Ochſenmiſt geachtet wird, ſo giebet es doch auf allen Landgü- tern Ackerflo>e, wohin inſonderheit die Gründe und Vertiefungen zu rechnen ſind, auf welchen der Pferdedünger vorzügliche Dienſte leiſtet. Ueberdem kann, wenn ſonſt die übrigen Wirthſchaftsumſtände die Abſchaffung der Ochſen erheiſchen, an deren Statt ganz füglich die Anzahl der Kühe vermehret, und alſo auch dadurch der durch die fehlende Och- ſen abgehende Rindviehmiſt, wieder erſeßet werden.

Diejenigen, die vermöge ihres Amtes, oder durch einen beſondern Auftrag für die xoirthſchaftseinrichtung der unter Vormundſchaft oder in Concurs ſtehenden Sandguter zu ſorgen verpflichtet ſind, haben, in Anſehung dieſes Puncts, die vorbe- merkte Verſchiedenheit der Umſtände genau zu unterſuchen, und ſich dabey der gegebe- ey Umſtände zu bedienen,

6.. 95» Pon dem Unterſcheide der Stall- und GSras-Pferde.

Die auf einem Ländgut nöthige Pferde, ſind entweder Stall- oder Gras-Pferde. Die erſtern werden beſtäudig auf dem Stall gefuttert, die leßtern aber müßen ſich des Sommers auf der Weide ihre Nahrung ſelber ſuchen, und den Winter über mit bloßen Hey vorlieb nehmen.

Bloße Graspferde können uur halbe Arbeit verrichten. Denn wenn ſie im Som- mer einen halben Tag angeſpannet worden, ſo muß ihnen die andere Hälfte des Tages, um ſich wieder ſatt graſen zu Fönnen., freygelaſſen werden, und zu Winterszeiten kann man von einem Pferde, welches ſich mit bloßen Heu behelfen muß, ebenfalls nicht ſo vie- (2 Arbeit, als von einem andern mit ordentlichen Hart- Futter unterhaltenen, erwarten. Zum Graſen ſchien ſich überdem nur kleine, nicht aber ſtarke und große Pferde, und ei- nem jeden Wirthſchaftsverſtändigen iſt bekannt, daß die Graspferde, wenn auch ihr auf: ſeres Anſehen gut iſt, dennoch unter, der Arbeit matt ſind, und gar bald ermüden. Die Graspferde verhalten ſich ſolchemnach gegen die Stallpferde, wie 1 zu 2, Dd. i, mit 4 Stallpferden kann wenigſtens ſo viel, als mit 3 Graspferden, ausgerichtet werden,

Es iſt zwar wahr, daß die Stallpferde in Anſehung des Hart-Futters weit Foſtba- rer fallen. Allein, wenn man dagegen in Erwägung ziehet, daß man bey den Stallpfer-

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