Teil eines Werkes 
Erster Band (1775)
Entstehung
Seite
87
Einzelbild herunterladen

Von den allgemeinen Begriffen, die ein Richter te. 8»

mächte Nachahmungen haben entweder einen ſchlechten Ausgang gehabt, oder ſins doch, wenn ſie auch einen Fortgang zu haben geſchienen, im Grunde mit mehrern Schaden als Vortheil verkn"üpfet.

Vorſtehende Grundſäße ſollen in dem Folgenden näher erläutert, und die Anwen- Dung davon bey einer jeden Viehart gezeiget werden. Inzwiſchen hat ein Richter, ſo- wohl bey Würdigung der Zandgäter, es ſey zum Derkauf oder zur Verpachtung» als auch in allen andern Fällen, wo es auf die Beurtheilung des Viebſtandes ankommt, ſol<he jederzeit vor Augen zu haben. Beſonders muß er ſich, wenn öfters eine, mit fremden für unſere Weide und Zimmelsgegend ſich nicht ſ<hi>enden Viebarten über- triebene Wirtbſchaft, als eine wahre uid wichtige Gutsverbeſſerung angegeben wird, durch den äußern Schein nicht blenden laßen, ſondern auf den innern Grund zur&- geben, und dabey den wahren LY7utzen mit den dazu erforderlichen Roſten, genau berechnen.

6. 94. Von dem Zugvieb, und ob-es Ochſen oder Pferde zu halten zuträglicher ſep.

Pferde und Ochſen ſind die gewöhnliche Arten des Zugviehes. Jene werden hauptſachlich zu den in einer Landwirthſchaft nöchigen auswärtigen Fuhren, und bey dem Ackerbau beſonders zur Einbringung des Getreides, Heufahren, Miſtfahren und Eggen gebrauchet. Die eigentliche und gewöhnliche beſtimmte Arbeit der Ochſen, iſt das Pflü- gen und Beacern des Feldes. Da dieſe Akergeſchäfte nur bloß im Frühjahr, Sommer und Herbſt vorgenommen werden können, ſo iſt offenbar, daß die Ochſen den ganzen Win- fer hindurch, nebſt den dabey zu haltenden Leuten, unnüßbare Creaturen ſind. Die Pferde hingegen können, ſowohl im Winter als zu andern Jahreszeiten, zu allerhand nüßlichen Arveiten gebrauchet werden. Hieraus iſt unter den Landwirchen dieſe befannte problematiſche Frage, ob' es nicht anſtatt der Ochſen lauter Pferde zu halten rathſamer ſey, entſtanden.

Die große Verſchiedenheit, die ſich faſt in allen Landwirthſchaften zeiget, verur- facher, daß dieſe ökonomiſche Streitfrage nicht durchgehends auf leiche Art entſchieden werden kann. An einem Orte maß ſie bejahet, an einem andern hingegen wieder vernei- net werden,

Die Pferde ſind ſonder Zweifel weit nußbarer als die Ochſen. Dagegen aber iſt nicht zu läugnen, daß dieſe in ihrem Futter und Unterhaltung weit wohlfeiler zu ſtehen kommen. Jn Landwirthſchaften alſo, wo ein Ueberfluß an guter Weide, womit die Och- ſen den ganzen Sommer, ohne auf dem Stall gefuttert werden zu dürfen, unterhalten wev- den können, und wo der Gebrauch der Pferde nicht auch beſonders im Winter nothwend:z iſt, verdienen aus dieſem Geſichtspunct die Ochſen allerdings den Vorzug; gleichwie hin- gegen an ſolchen Orten, wo die Weide nur dürre und mager, und den Winter hindurch viele auswärtige Fuhren erfordert werden, die Pferde billig als nüßlicher anzuſehen ſind, Auf Landgütern, wo viele dienſtbare Bauern, welche die nöthige Fuhren verrichten kön- nen, vorhanden, iſt, um dieſes durch ein deutliches Beyſpiel näher zu erläutern, die Acfer- ärbeit mit Ochſen zu verrichten, rathſam. Da aber, wo entweder gar Feine oder doc) nicht hinlängliche dienſtbare Bauern befindlich, folglich die ganze Laſt der Korn- und bath

uhren