Teil eines Werkes 
Erster Band (1775)
Entstehung
Seite
79
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Von den allgemeinen Begriffen, die ein Richter te. 75

Obrigkeit. hat ſolhemnach einen doppelten Bewegungsgrund, die Schenfwirthe hievunter genau zu beobachten und in Ordnung zu halten,

10) Die Beſorgung, daß die Straßzein- y11d Dorf-Ünger von dem Vieh rein gehalten werden. Das Seraßen- und Angerrecht, iſt eine Folge der Erbgerichtsbarkeit, und» nur allein demjenigen, der mit dieſer beliehen, iſt jenes zuſtändig, In Schleſien, wo, beſonders'in den Gebirgedörfern, wegen der öfters mangelnden neuen. Anbaupläße, die Dorfikraßen und Anger von mehrerer Wichtigkeit, als ſonſt wohl an andern Orten ſind, entſtehen deghalb unter den Dorfgachbaren. öftere Streitigkeiten, wobey aber jedes- mahbdemjenigen, der die hohe Gerichtsbarfeit beſißet, auch das: Straßen- und Anger- recht zugeſprochen wird. Zum Beyſpiel hievon, fann angemerker werden, daß vor ei-' nigen Jahren. bey: der Breslauiſchen Oberamtsregierung, in Sachen des Grafen von Sandca-ky entgegen die Präbendaren zu Langenbielau, durch ein in allen IJnſtanzien beſtätigtes Urtheil, ſolc<ergeſtalle exfannt, und dent Grafen von Sandrasky, aus eben vorbemerften. Gründe, das Straßen.- und Anger- oder Auenrecht über das ganze Dorf Langenbielau rechtlich: zugeſtanden worden.

Wean auch dergleichen Dorfſtraßen und Anger nicht zu Baupläßen nöthig. ſind, ſo können ſie doch von dem Grundheern auf verſchiedene andere Weiſe nußbar gebrau- <het werden."Flachs, Taback, Ertoffeln und andre dergleichen Früchte, gerachen, wie jedermann aus. der Erfahrung bekannt iſt, auf dergleichen Pläßen ungemein wohl. Da aber aw den meiſten Orten, wo feine genaue Ordnung herrſchet, die üble Gewohn- heit eingeriſſen iſt, daß die Einwohner das kleine Vieh, an Schweinen, Gänſen: u. d. m. nicht in gehöriger Obſicht halten, ſondern in dem Dorfe allenthalben frey herumlau- fen laßen, ſo wird dadurch der Nußen, der fonſt von ſolchen Dorfangern erwartet wer- den fönnte, gänzlich vereitelt, indem, wenn dieſe auch noch ſo veſt verheget, dennoch der von dem: herumlaufenden Vieh darinn anzurichtende Schade zu verhüten faſt un- möglich iſt..Wie aun das- Herumlaufen des Viehes- ſchon vorhin wider alle Ordnung. iſt, ſo hat eine Grundherrſchaft auch: aus vorhin. bemerkten Gründen, ihres eignen Vortheils wegen, dergleichen Misbrauch durch vernünfcige-Policey abzuſtellen, doppel- te Urſac<ße. Zu ſolchem Ende muß

a) ein jeder Einwohner ſeine Hofſtelle gehörig geſchloßen und mit einem tüchtigen Hefk- fen verſehen halten ,/ damit das Vieh bey dem: Auslaßen nicht ſofort von. dem Hofe ablaufen: könne, ſondern auf demſelbew verbleiben' müße.

b) Niemand muß. Schweine: oder Gänſe und andres dergleichen Vieh eher'aus den: Ställen laßen, bis die, zu einev jeden: Viehart beſtellten' Hirten, treiben.

ce) Niemand muß ſich bey. Treibung. des Hirten damit begnügen, daß er ſein Vieh, wenn das Zeichen zum Treiben gegeben. wird, nur bloß, von: ſeiner Hofſtelle abjage, ſondern es lieget ihm ob, ſolches-dem: Hirten einer jeden Viehart gehörig vorzutrei- ben und- gleichſam in: ſeine Hände zu liefern.

d) Sobald: das. Vieh, es' ſeyvon welcher Art es wolle, aus dem Felde zu'Hauſe kommt ,. muß ſolches von einem jeden Wirth oder Wirchin in den Stall: getrieben werden. Zu. ſolchem Ende aber iſt nötchig, daß die Hirten des Abends nicht mit dem Viehe zu zeitig zurück kommen, damit den Einwohnern die Stallfutterung nicht zu läſtig falle:" Bey den Kühen und Rindvieh nzic Sonnenuntergang, bey Sven

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