"6 Erſtes Hauptſtück.
und ſich durch ſeiner Hände Arbeit ſein Brod zu erwerben, gehöret er nicht zu der Zahl . der wahren Armen. Wie viel Mißbrauch hierunter vorgehet, und wie viele faule
Müßiggänger ohne Noth das Bettelhandwerk ergreiffen, und-dadurc< ihren Mirbür-
gern zur Laſt fallen, iſt einem jeden, der auf dem Lande leber, zur Gnüge bekannt.
Die in einigen Ländern ängelegre Arbeitshäuſer ſind ein ſehr wohl ausgeſonnenes Ge-
gengift gegen dieſes ſonſt ſehr leicht um ſich freſſende Uebel. Nichts als die Unvermö-
genheit des Alters, Gebrechlichkeit und langwierige Krankheit, macht einen, der nicht eigene Erhaltungsmittel hat, zum wahren Armen. Eine vernünftige Obrigkeit fann durch eine richtige Anſtellung ſeiner Leute auch ſelbſt“die Alten und Gebrechlichen an- noch zu allerhand ihrem Alter und Schwachheiten angemeſſenen Geſchäften gebrauchen, und dadurch die Zahl der Dorfarmen gar ſehr vermindern. Feldwarten, Nachtwachen,
Ochſen und Gänſe hüten, u. d. m. ſind lauter Geſchäfte, wozu auch alte und ſchwache
Leute gebrauchet werden mögen. Eine Grundobrigfeit, welche ihre Arbeitsgeſchäfte
nicht gehörig vertheilet, häufet ſich ohne Noth die Anzahl der Dorfarmen.
5). Die Beſtellung ſicherer und ordentlicher Y7achtwachen.
Die Nachtwachen in den Dörfern auf dem Lande ſind theils wegen zu befürchten- der Diebereyen, und theils wegen Feuersgefahr, um ſo mehr nothwendig, als die den Tag über durch ſchwere Arbeit ermüdete Aerleute natürlicherweiſe einen weit veſtern Schlaf als andere, deren Tagewerke nicht ſo abmattend ſind, haben. Wo keine be- ſondere Perſonen zu den Nachtwachen beſtellet ſind, muß ſolches von ſämmtlichen Ein- wohnern des Dorfes nach der Reihe verrichtet werden. Da aber hierbey leicht allerley Unordnungen und Unterſchleiffe vorfallen können, ſo iſt.die Beſtellung eines eigenen Nachtwächters weit rathſamer. Die Natur der Sache giebet es von ſelbſt, daß der- ſelbe von denjenigen, die ſonſt die Nachtwachen zu übernehnzien. ſchuldig ſind, unter- halten urd ernähret werden müſſe.
Je mehr einem anvertrauet wird, je mehr Treue und Redlichfeit wird von ihm erfordert. Eine ganze im Schlaf vergrabene und von ſich nichts wiſſende- Gemeinde überläſſet dem Nachtwächter ihr ganzes Schickſal, und die Wahrnehmung ihrer Habe und Güter, ja gewiſſermaßen ihres Lebens ſelber, ſtehet in eines einzigen Menſchen Hand. Unter allen zu einem Nachtwächter erförderlichen Eigenſchaften iſt alſo eine be- währte Treue die vornehmſte, und es iſt nicht zu rathen, daß man jemanden, wovon iman in dieſem Stücke nicht vollfommen überzeuget iſt, dazu beſtelle(a).
(a) Nur erſt vor 3. Jahren hat auf dem in Hinterpommern belegenen von Borkſchen adelichen Gute Roggyo ein- boshafter Nachtwächter das Dorf einigemahl hinter einaader ſelber in Brand geſte- >et, um ſich bey dieſer Gelegenheit dur<g Räuben uad Stehlen an der Verunglückten Sachen zu bereichern. Er hatte, nach ſcinem eigenen Grſtändniß, ſolc<es ſo lange, bis das ganze Dorf in die Aſche geleget geweſen, fortſchen wollen, wenn er nicht zum. 4tenmahl über der That ertappet und zur gerechten Strafe gezogen. worden wäre. Ein crſtaunendes Beyſpiel, welches billig eine jede Obrigkeit bey Beſtellung eines Nachtwächters, ſo geringſchäßig auch dieſes Amt ſcheinen mag, behutſam machen muß.
8) Die ſichere Aufbehaltung der Inquiſiten und Mmiſſſethäter. Nichts iſt auf dem Lande läſtiger, als die ſichere Bewahrung der Inquiſiten und Miſſechäter, währender Jnquiſition. Die Gelegenheit, die man hiezu in den Stäad- ten


