Von den allgemeinen Begriffen, die ein Richter 1c. 69
7) Die gehörige Ordnung wegen des Slachs- und Zanf-Röſtens, An vielen Orten hat man noch die Gewohnheit, den Flachs im Waſſer zu röſten, und mit dem Hanf ge- ſchiehet ſolches allenthalben. Da nun die Fiſche in den Gewäſſern von dergleichen Flachs oder Hanfröſten crepiren, ſo iſt nicht zu verſtatten, daß ſolche ohne Unterſcheid angebracht werden. Die Gerichtsobrigfeit hat daher zu dieſem Endzweck Waſſerſtellen, die am wenigſten fiſchreich ſind, zu beſtimmen, und niemand muß in andern dazu nicht freygegebenen Gewäſſern dergleichen unternehmen.
8) Die Ordnung und im Standehaltung der Dorfhe>en.
Wenn das Vieh nicht inz Felde Schaden chun ſoll, ſo iſt nöthig», daß tüchtige Dorfhecen gemachet, auch gehörig im Stande, und geſchloſſen gehalten werden. Die Erfahrung lehret, daß beſonders das kleine Vieh an Schweinen und Gänſen, bey Un- terlaſſung dieſer Vorſicht, in allen Arten von Getreide vielen Schaden zu thun Gele- genheit hat. Die Erhaltung der Hecfen muß unter die Glieder der Gemeinde verthei- let werden, damit, wenn ecwas unfertig daran wird, man ſoFleich wiſſen könne, wer ſolches wieder in den Stand zu ſeßen gehalten ſey. Daß die Dorfhe>en gehörig zuge- halten werden, iſt eine Vorſorge, die eigentlich dem Feldwärter oder Flurſchüßen ob- lieget, und muß er inſonderheit des Morgens und Mittages, ehe das Vieh ausgetrie- ben, und des Abends, wenn es wieder zu Dorfe kommt, wohl Acht darauf haben, und dabey ſein Weib und Kinder zu Hülfe nehmen. Da aber der Feldwärter nicht den ganzen Tag bey den Dorfheen Wache halten kann, ſondern ſein vornehmſtes Augen- merk auf die Feldfluren, damit daſelbſt kein Schaden geſchehe, richten muß, ſo iſt ns- thig, daß diejenigen von der Gemeinde, die den Dorfhe>en am nächſten wohnen, und ſolche beſtändig unter Augen haben, zugleich mit Acht darauf haben, und beſonders die Reiſenden, damit ſie ſolche wieder gehörig zumachen, beobachten, auch, wenn freund- liches Zureden und Ermahnen nicht helfen will, ſelbige anhalten, und der Hercſchaft zu einer verhältnißmäßigen Beſtrafung geſtellen. Wenn die reiſende Bauern und Fuhrleute nur wiſſen, daß an einem Orte auf Ordnung gehalten wird, ſo machen ſie die Hecken von fkeyen Stücken und ohne Erinnern zu, da ſie ſich hingegen an andern Orten, wo ſie keine Ordnung wahrnehmen, dieſe Mühe gar gerne erſparen. Die Ordnung har überhaupt etwas majeſtätiſches an ſich. welches alle, ſo ſie exblien, in Reſpect hält.
G..589. Von den Segenſtänden der innern Dorfpolicep..
Zu den Gegenſtänden der innern Dorfpolicey können vorzüglich nachſtehende ge- zähler werden.
1) Die Beſtellung tüchtiger Schulzen und Gerichtsmänner.
Weder der Stand noch auch die Wirthſchaftsgeſchäfte und andere Umſtände der Gerichtsobrigfeiten verſtatten es, daß ſie ſich vor ihre Perſon wegen aller Kleinigkeiten mit einem jeden einzeln Mitgliede der Gemeinde abgeben, vielweniger ihre eigene Be- fehle und Anordnungen vollſtrecken, und die Saumſeligen oder Widerſpenſtigen beſtra- fen fann. Hierzu hat ſie Diener und Untergehülfen nöthig, welches auf den Dörfern der Schulze und die Geri<tsmänner- ſind. Die Obrigfeit befichlec und wa€
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