Von den allgenteinen Begriffen, die ein Richter tc. 67
d) Die Beſorgung:»daß.das weidende Dieb das zur Tränke nöthige Waſſer habe. Die Vernunft ſowohl, als auch die Erfahrung, Lehren, daß der Mangel des Waſ- ſers, beſonders bey. heißen Sommertogen, die nächſte Urſache von deu ſo vielfältigen Viehſeuchen ſind« Wenn in der Nahe Gewäßer vorhanden, muß, wenn auch gleich die herumliegende Felder beſäet, dem Vieh eine freye Trift und Zugang zu demſelben gelaßen, wo äber feige dergleichen Gewäßer befindlich, Brunnen gegra- ben und Tränken angeleget werden.
e) Daß für jede Diehart ein beſondrer Zirte gehalten, und die Hütung des Zugvie- hes durch Kinder und Jungen auf keinerley Weiſe geſtattet, ſondern ein eigner Och- ſen- und Pferdehirte, der für allen von dem Vieh verurſachten Schaden, Rede und Antwort geben könne, angeſeßet werde,
f) Daß niemanden verſiattet werde, die in den-beſäeten Feidern liegende Gründe und Anger zu behüten, indem dadurch das Getreide vielem Schaden ausgeſeßet.iſt, und das darauf: befindliche.Gras weit'beßer, wenn es zu Heu gemachet wird, genu- Get werden kann,
g) Die Beſtellung eines tüchtigen und wachſamen Feldwärters oder ſogenannten Slurſchützen. Das Amt deßelben beſteher in genauer Beobachtung der Felder, damit weder von Auswärtigen noch Einheimiſchen, ſo wenig in deim Getreide, als in den Wieſen und Hütungen, Schadeu geſchehe.- Er muß die Mache haben, einen jeden, der ſich auf verbotenen Wegen ſinden läßet, zu pfänden, und den Schaden der Obrigkeit anzuzeigen. Es iſt rathſam, keinen einheimiſchen, ſondern vielmehr einen fremden Mann hiezu zu nehmen, weil die erſterz mit den Einwohnern des Dorfes gemeiniglich in einer allzu genauen Verbindung ſtehen, und daher ihren-Ge- vattern und Verwandten nur gar zu gerne durch die Finger ſehen.
2) Die Beßerung der Landſtraßen, Yoege und Brücken. Es iſt dieſes ſchon der all- gemeinen Landpolicey gemöß, vermöge welcher für die Bequemlichfeit der Reiſenden geſorget werden muß. Allein, es iſt auch einem jeden Dorfe aus einer dvppelten Ur- ſache beſonders daran gelegen. Cinmahl, ſind die Einwohner die erſten, denen die gut&lind bequeme Wege auf ihrem Dorfgebiete zu gute kommen. Demnächſt entgehen ſie dadurch der Gefahr, ihren an den Wegen liegenden Acker zu Schanden gefahren zu ſehen, welches bey ſchlimmen und in keiner Ordnung gehaltenen Wegen unvermeidlichiſt.
3) Die Beſetzung der Wege und Landſtraßen mit Bäumen, und deren Erhaltung. Auch dieſes iſt bereits eine Anordnung der allgemeinen Landpolicey. Sie gereicher zur Berjchönerung des Landes, und hat überdem im Ganzen mancherley Vortheile. Ein jedes Dorf hat ebenfalls nicht allein an den allgemeinen Vortheilen ſeinen Antheil, ſon- dern auch von dem.Genuß der Bäume ſeinen beſondern Nugen. Die Wahl, der an die Wege und Straßen zu ſezenden Baumarten, muß nach der Nothdurft und Umſtän- deu eines jeden Ortes geſchehen. Jjt an Brennholz Mangel, ſo iſt es am rachſamſten, die Wege mit ſolchen Bäumen, welche hiezu genutßet werden können, zu beſeßen. Dis Weiden ſind, weil ſie alle 3 bis 4 Jahre geköpfet werden können, und in allen Ar- fen von Boden gut fortgehen, hiezu die bequemſten und geſchickteſten. Es fönnten, waun auf deren. Pflanzung und Erhaltung mehrerer Fleiß und Aufmerkſamkeit an-
gewandt würde, der an vielen Orten druckende Holzmangel dadurch gar ſehr erleichtert
[9. pe«x werden,


