66; Erſtes Hauptſtück.
Die Gegenſtände, womit ſich eine vernünftige Dorfpolicey-beſchäftiget, ſind ene- weder auſſerhalb dem Dorfe, oder in demſelben ſelber befindlich. Jenes kann man. daher mit gutem Recht die Feld-. dieſes aber im eigentlichen Verſtande die Dorfpolicey nennen.
Zur Feldpolicey gehöret hauptſächlich:
xX) Die Ordnung, ſo bey Behütung der gemeinſchaftlichen Weidepläße zu beobachten nöthig iſt, indem ſolche ohne dieſelbe niemahl in gehöriger Art genußet werden können. Denn, iſt je die Wahrnehmung einer genanen Ordnung nothwendig, ſo iſt ſie es gewiß vornehmlich in Anſehung der gemeinſchafclichen-Hütung. Beſonders mögen hieher gerechnet werden:.|
a) Die Zeſtimmung der Viebhanzahl, womit ein jeder die gemeinſchsftlicye Weide zu betreiben, befugt iſt, indem es. die Vernunft ünd Natur der Sache ſelber giebet, Daß ein Zweyhüfner mehr Vieh als ein Einhüfner u. ſ-w. zu halten bevechtiget ſey. Das Verhältniß des in Beſiß habenden Neerbaues, giebet hierunter den vichtig- ſten Beſtimmungsgrund.+
b) Die Beobachtung der gewöhnlichen Sc<honzeiten, ſowohl von den Sc<äfern als andern Zirten. Soll die Weide aehsrig genutet werden, ſo iſt nöthig, daß ſelbige zu gewißen Zeiten, welche ſchon vorhin durch die Obſervanz eines jeden Ortes veſt- geſeßet ſind„ geſchonet werde, weil ſonſt das darauf befindliche Gras niemahls recht wachſen noch zu Kräften kommen kann,
€) Die richtige Eintheilung, der für eine jede Diebart ſich am beſten ſchienden Zütungsplärze. Das Vieh, womit die Felder und andre Weideörter betrieben wey- ven, fann man füglich in 4Hauptclaſſen, nehmlich in Zugvieh, Schafe, Kühe und Jungvieh, und das ſogenannte kleine Vieh, an Schweinen, Gäuſen u. d. m, ein- theilen. Cine jede von dieſen beſondern Vieharten, will auch ihre beſondere Hütung haben. Dem Zugvieh an Pferden und Ochſen gebührt, wenn es bey Kräften, um den Aer gehörig beſtellen zu können, bleiben ſoll, ſonder Zweifel die beſie und nahrhafteſte Weide. Die melkenden Kühe und das junge Rindvieh, haben nach dem Zugvieh das nächſte Recht zu den guten Hürungspläßen, müſſen aber öfteus, wo die Weide nicht im Ueberfluß, mit ſehr magern Graſe vorlieb nehmen, und ihre beſte Nahrung in den Ställen erwarten. Die Schafe, in ſoweit ſie zur Zucht gehalten werden, ſind ſo wenig einex fetten Weide benöthiget, daß ihnen ſolche vielmehr höchſt ſchödlich iſt. Hohe und magre Hütungspläße ſind ihnen am zuträglichſten, wenn ſie nur von einem ſolchen Umfange, daß ſie ſich gehörig ausbreiten fönnen. Die Be- hütung der Saaten mit den Schafen bey oſſenem Froſtwerter ,- iſt als eine an ſich für den Acferbau höchſt gefährliche.Sache gänzlich abzuſtellen, oder doch wenigſtens nicht anvers, als mit vieler“ Vorſicht und Behutſamfeir, zuzulaßen. Das kleine Vieh, an Schweinen und Gänſen, hat entweder ſeinen beſondern Anger, oder muß ſich, wenn ſolche nicht vorhanden ſind, mit dem Dreſch- und Hinteraer begnügen» Das Belanfen der Stoppeln iſt ihre beſte Nahrung; jedoch muß dahin, geſehen werden, daß die Schweine darauf weder brechen noch buchten, indem dadurch'den übrigen nüblichern Vieharten, die Weide-für das künftige Jahr gar ſehr geſchmälert uud verdorben. wird.
d) Die


